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Wenn Fans zu Anlegern werden
Nachgefragt Rino Borini
Entrepreneure braucht das Land. Sie sind die Innovatoren der Wirtschaft. Sie bauen Arbeitsplätze auf und leisten einen wesentlichen Beitrag zur Wirtschaftsleistung einer Nation. Doch sehr oft scheitern gute Projekte bereits bei der Finanzierung. Das muss nicht sein.
Eine hierzulande neue Finanzierungsform, sogenanntes «Crowd Financing,» versucht Fuss zu fassen. In den USA ist die Alternative zu einem Bankkredit bereits ein Riesenerfolg. PUNKTmagazin hat bei einem der Gründer von c-crowd nachgefragt. c-crowd ist eine internetbasierte Plattform, die spannende Projekte und Kapital auf eine effiziente Art und Weise zusammenführt
PUNKTmagazin Vielen Gründern mangelt es in erster Linie an Geld, insbesondere Start-up Finanzierungen. Wie sieht die Situation hierzulande aus?
Philipp Steinberger Ich glaube das ist ein Trend, den wir weit über die Landesgrenzen hinaus beobachten, insbesondere in Europa. Venture-Capital-Firmen suchen zwar alle nach guten Investitionsmöglichkeiten, jedoch ist deren Risikobereitschaft drastisch zurückgegangen, die Due Diligence und Anforderungen an das Start-up-Unternehmen immer anspruchsvoller geworden. Kommt hinzu, dass in der Seedphase meistens kleinere Beträge gesucht werden.
Für institutionelle Investoren ist der Aufwand, um das Kapital gewinnbringend zu investieren, zu gross. Banken geben, mit Ausnahme von ein paar ganz wenigen, weder Kredite noch sonstige Unterstützung, wenn keine Sicherheiten vorhanden sind. Insofern sind viele Start-up-Unternehmer auf das bekannte Friends, Familiy & Fools-Netzwerk angewiesen um an eine erste Finanzierung aus dem engsten Kreise zu kommen. Wenn aber auch dieses Netzwerk nicht besteht, wird es fast unmöglich, eine Finanzierung zu finden.
Auf der anderen Seite ist es einfacher, hohe Millionenbeträge einzusammeln, sobald eine Produktidee stimmt. Ist dem so?
Jein, denn es kommt schliesslich immer auf die Idee und deren Umsetzung an, aber natürlich auch wie gross die dafür gesuchte Investition ist. Viele institutionelle Investoren können, rein vom mit der Due Diligence verbundenen Arbeitsaufwand her, keine kleinen Beträge finanzieren, weil sonst der Aufwand und mögliche Ertrag in keinem Verhältnis stehen. Für diese Art von Investoren kommen in den meisten Fällen nur Millionenbeträge in Frage. Bei Privatinvestoren sieht es oft anders aus, denn dort richtet sich der Aufwand zur Prüfung der Investitionsmöglichkeit nach dem zu investierenden Kapital.
Hier handelt es sich oft nicht die Millionenbeträge, im Gegenteil, vielmal handelt es sich um ein paar Zehntausend oder Hunderttausend Franken. Dafür muss man mehrere davon finden, bis der gesuchte Betrag eingesammelt ist. Fakt ist, fundraising, egal für welchen Betrag, ist sehr zeitaufwändig und wird von vielen Unternehmern unterschätzt, denn während der Unternehmer beim Investor sitzt, ist er nicht im Büro um kann sich nicht um den Aufbau des Unternehmens kümmern. Insofern kann crowdfunding eine sehr elegante Lösung sein, denn der administrative Aufwand ist hier minimal.
In den USA hat sich das Crowdfunding etabliert. Was steckt hinter diesem Modell?
Beim Thema Crowdfunding geht es darum dass die grosse Masse ein spezifisches Projekt mit kleinen Beträgen unterstützt und in vielen Fällen der Kapitalgeber dafür irgendeine Gegenleistung (Signierte CD, verbilligter Eintritt zur Ausstellung, etc) bekommt. In Amerika ist es regulatorisch nicht erlaubt Aktien (Beteiligungen) über das Internet zum Verkauf anzubieten, insbesondere wegen dem Anlegerschutz. Somit hat sich das Crowdfunding in den USA hauptsächlich auf das «Spenden» von Beträgen an junge Unternehmer. wohltätige Zwecke und Künstler etabliert. In der Schweiz sieht das Umfeld anders aus und Jungunternehmer können ihre Beteiligung zum Verkauf anbieten, sofern gewisse Grundlagen erfüllt werden (u.a. Emissionsprospekt gemäss OR).
Unternehmen können in der Schweiz über Ihre Plattform zu Geld kommen. Welche Art von Projekten finden Eingang auf ihre Plattform?
c-crowd.com ist eine wahre crowdfunding-Plattform, welche für die Masse konzipiert ist. Somit kann sich jedes gute Projekt mit Kapitalbedarf bei uns anmelden. Wir fokussieren uns nicht auf einen gewissen Sektor, sondern sind offen für alle Arten von Projekten – von einer Firma welche eine neuartige Hundenahrung durch ein innovatives Vertriebskonzept verkauft bis zur Firma welche interaktive Games für Handys entwickelt.
Mit welchen Summen wird jongliert?
Von der Finanzierungsgrössen her haben wir den Mindestbetrag bei 50 000 Franken festgelegt, nach oben sind wir offen. Allerdings liegt zur Zeit der Finanzierungsbedarf bei allen Firmen noch unter 500 000 Franken. Je erfolgreicher wir in Zukunft Investoren vermitteln, desto grösser werden im Gegenzug die Projekte. Die Mindestinvestitionsgrösse wird vom Unternehmer selber festgelegt, somit kann er selber bestimmen, wieviele neue Aktionäre er an Board holen möchte.
Werden die Geldgeber Aktionäre? Verkompliziert zu viele Kleinaktionäre nicht die junge Unternehmensstruktur?
Ja, wenn ein Geldgeber über c-crowd investiert, dann wird er Aktionär des Unternehmens. Wie soeben angedeutet, bestimmt der Unternehmer, wieviele neue Aktionäre er in der Firma aufnimmt. Klar ist dies mit einem erhöhten Aufwand verbunden, allerdings ist es auf der anderen Seite auch wichtig zu verstehen, dass jeder neu gewonnene Aktionär mit grosser Wahrscheinlichkeit auch Kunde wird und in seinem Umfeld Werbung für «sein» Unternehmen macht. Dadurch entsteht also eine mögliche Hebelwirkung, dieman mit einem einzigen neuen Aktionär nie erreichen könnte. Zudem sorgen unsere effizienten Investitionsprozesse für den kleinstmöglichen Aufwand für den Unternehmer. Wir stellen ihm die Struktur sowie Muster für den Aktionärsbindungsvertrag und Zeichnungsschein zur Verfügung.
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Crowfunding ist ebenso für Künstler spannend. Läuft es dort gleich ab?
Crowdfunding ist für Künstler höchst spannend, denn es eröffnet die Möglichkeit, die Aufnahme einer neuen CD oder die nächste Ausstellung zu finanzieren. Auch hier werden die Geldgeber zu potenziellen Kunden und erzählen in ihrem Umfeld, wie sie den Künstler unterstützen, weil er so tolle Arbeit leistet. Die Anforderungen von c-crowd für Künstlerprojekte sind natürlich nie so hoch wie diejenigen fürUnternehmen, da viel tiefere Beträge gesucht werden und das Geld gespendet und nicht investiert wird. Bis jetzt haben wir leider noch keine Künstler auf unserer Plattform. Es wäre schön wenn wir auch diese Gruppe von Projekten bald vermehrt bei uns präsentieren könnten.
Wie können Sie gewähren, dass die eingereichten Projekte seriös und zukunftsträchtig sind?
Damit ein Unternehmer sich auf c-crowd möglichen Investoren präsentieren kann, muss sein Unternehmen in Form einer Schweizer Aktiengesellschaft im Handelsregister eingetragen sein. Bei Einreichung der Unterlagen muss er zudem einen Fragenkatalog beantworten sowie einen Emissionsprospekt erstellen. Diese beiden Dokumente reicht er, zusammen mit Businessplan, Finanzplan und anderen unterstützenden Unterlagen ein.
Wir prüfen die Plausibilität des Projektes auf der Basis der eingereichten Unterlagen und hinterfragen sie in einem persönlichen Gespräch mit dem Unternehmer. Nachdem der c-crowd-Verwaltungsrat dem Projekt einstimmig zustimmt und dieses die Aufschaltgebühr von 299 Franken entrichtet hat, wird das Projekt aufgeschaltet. Dieser Prozess mag zwar bürokratisch erscheinen, ist aber notwendig, denn nur gute Projekte haben die Chance, finanziert zu werden. Zudem wollen wir dadurch sicherstellen, dass die Projekte den Ansprüchen von Investoren genügen.
Übernehmen Sie damit auch eine gewisse Verantwortung über den Erfolg bzw. Nicht-Erfolg von Projekten?
Nein, wir übernehmen keinerlei rechtliche Verantwortung für den Erfolg der Projekte bzw. die Finanzierung der Projekte. Die bei uns präsentierten Unternehmen empfehlen wir in keiner Art und Weise zur Investition. Wir stellen die Projekte online, welche unserer Meinung nach seriös und interessant sind, aber schliesslich muss der Investor alleine, oder mit Hilfe seiner Berater, den Entscheid fällen, ob und wieviel er in dasProjekt investiert. Wir nehmen auch keine Investoren- oder Spendengelder entgegen, sondern bringen lediglich Kapitalgeber und Projekt zusammen, eine Dienstleistung für welche wir dem Unternehmen eine Provision verrechnen.
Allein mit einer Finanzierung ist es nicht getan. Es braucht schon noch mehr, um ein erfolgreicher Entrepreneur zu sein. Haben die Projekte überhaupt eine langfristige Überlebenschance?
Das wird sich weisen. Klar ist, dass das finanzielle Risiko bei Start-up-Unternehmen immer am grössten ist. Wenn aber der Kopf dahinter und dessen Idee gut und markttauglich sind, sowie die Umsetzung der Idee gut geplant und durchdacht ist, dann kann dieses Risiko verkleinert werden. Das schöne an crowdfunding ist ja vor allem, dass der Unternehmer, sofern er will, nicht alleine ist, sonder eine Masse an Investoren hinter sich hat, welche ihn hoffentlich bei seinem Vorhaben unterstützen.
Philipp Steinberger (41) ist selbständiger Berater mit Fokus auf Corporate Finance, Start-Up Finanzierungen (Partner bei Quadrum Partners Ltd) und internationalem Business Development (Mitgründer des Asia2Europe Netzwerk). Nach dem MBA an der Business School in Lausanne war er für die UBS, Bank Julius Bär und Bank Vontobel hauptsächlich auf im Investment Banking tätig bevor er sich 2003 selbständig machte. Philipp Steinberger ist verheiratet und hat einen Sohn.
















