Von Dividendenwerten profitieren
Worte Barbara Kalhammer
Niedrige Obligationenrenditen und ungewisse Inflationsaussichten lassen Anleger nach Alternativen Ausschau halten. Eine Möglichkeit bieten Dividendenwerte.
Angesichts des historisch tiefen Zinsniveaus erfreuen sich Unternehmen mit hohen Dividendenrenditen – welche das Verhältnis zwischen Aktienkurs und Dividende beschreibt – grosser Beliebtheit. Kein Wunder, übertreffen doch die Dividendenrenditen vieler Firmen nicht nur die Renditen von Staatsobligationen sondern auch die von ihren Unternehmensanleihen. Zusätzlich in neuem Glanz erstrahlen die Dividendenrenditen wegen Unsicherheiten bezüglich Inflation. Solche Titel eignen sich für Anleger, die auf regelmässige Ausschüttungen abzielen. Investoren sind somit nicht auf steigende Kurse angewiesen, sondern erzielen dank der Ausschüttungen Gewinne.
Während sich Dividendenaktien in schwächeren Phasen besser entwickeln, haben sie in Hausse-Zeiten das Nachsehen. Dennoch sind Dividendenwerte auch als langfristige Anlage geeignet. Eine Studie der niederländischen Bank ING zeigt, dass sich der Einfluss von Dividenden bei einem langfristigen Investment sogar noch erhöht. Nach einem Jahr mache die Dividendenrendite rund 25 Prozent der Gesamtrendite aus, nach fünf Jahren liege der Anteil bei 80 Prozent.
Dividendenrenditen steigen
2009 wurden die Dividenden im Zuge der Wirtschaftskrise stark gekürzt. Dank der konjunkturellen Erholung schreiben die Unternehmen nun aber wieder Gewinne und die Barbestände steigen. Die Analysten der Bank of America haben berechnet, dass die Barmittel der S&P-500-Firmen am Ende des zweiten Quartals bei einer Billion Dollar lagen. Unternehmen aus der Finanzbranche sind dabei nicht berücksichtigt. Zum Teil wurden die Dividenden 2010 auch schon nach oben geschraubt. So haben die Unternehmen des S&P-500 ihre Zahlungen in den ersten drei Quartalen um mehr als 15 Milliarden Dollar erhöht. Weitere Steigerungen dürften folgen, denn das Vorkrisenniveau ist noch nicht wieder erreicht worden.
Anleger sollten sich aber nicht einfach blind auf Aktien mit hohen Dividendenrenditen stürzen. Denn manchmal sind hohe Renditen ein Zeichen dafür, dass der Markt die Ausschüttungen für instabil hält. Macht ein Unternehmen Verluste, so kann eine Dividendenkürzung oder sogar der Verzicht auf eine Ausschüttung die Folge sein. Aus diesem Grund sollten Werte bevorzugt werden, bei denen sich in der Auszahlung eine Kontinuität zeigt. Denn wenn Konzerne stetig Dividenden ausschütten können, ist das ein Zeichen für gesunde finanzielle Solidität und starke Substanz des Unternehmens. Bei der Titelauswahl sollten aber auch Kennzahlen, Barmittel und Gewinnentwicklung berücksichtigt werden.
Zusammensetzung im Fokus
Dennoch können Ereignisse, die zu Dividendenkürzungen führen, nicht vorhergesagt werden. Bei BP haben die wenigsten Anleger eine derartige Katastrophe erwartet. Um diversifiziert in Dividendenwerte zu investieren, eignen sich ETF auf verschiedene Dividendenindizes. ETF auf europäische Standardwerte bieten eine durchschnittliche Dividendenrendite von rund drei bis vier Prozent. Indexbeispiele sind der Stoxx-Global-Select-Dividend-100, auf europäischer Ebene der Stoxx-Select-Dividend-30 und für einzelne Regionen der FTSE-UK-Dividend-Plus oder der Asia/Pacific-Select-Dividend-30.
Anleger sollten sich aber die Gewichtungen der einzelnen Länder und Branchen genau zu Gemüte führen, denn zwischen den verschiedenen Indizes können grosse Unterschiede bestehen. Nicht selten sind beispielsweise Finanzwerte stark gewichtet, da diese Unternehmen hohe Renditen bieten. Ausserdem können die Indizes bei schlechten Unternehmensmeldungen nicht einfach verändert werden. Unter Umständen sind aber auch ausschüttende ETF eine gute Wahl. Attraktive und stabile Dividendenrenditen bieten oftmals Unternehmen aus den Bereichen Telekom, Pharma, Versorgung und Konsumgüter. ETF, die diese Sektoren nachbilden, sind somit eine Alternative.
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