Lust am Lesen?
Abonnieren Sie PUNKTmagazin zu attraktiven Konditionen
Worte Mirjam Staub-Bisang
Warum Wilhelm Tell Recht hatte und warum Asien die neuen USA ist.

«Es lächelt der See, er ladet zum Bade.» Wunderschön kann unser Land sein, das erkannte Friedrich Schiller in Wilhelm Tell schon früh. Ob aller Schönheit geraten viele noch heute ins Schwärmen und hören das nahe Donnergrollen nicht. Dabei ist die westliche Welt daran, den «American Dream» zu begraben. Erstmals dürfte es Kindern wirtschaftlich schlechter gehen als ihren Eltern. Sättigung ist erreicht, Schuldenberge angehäuft, die Bedingungen für nachrückende Generationen haben sich teils bis zur totalen Aussichtslosigkeit verschlechtert. Das lädt ein, sich aufzulehnen oder eine neue Heimat in der Ferne zu suchen. Impulse, Innovation und Wachstum sind notwendig, um den Jungen Perspektiven zu bieten. Dasselbe fordern Investoren.
Statt trüber Nabelschau schweift der Blick in die Ferne: nach Brasilien, China, Indien oder auch näher, in die Türkei. Dort streben Kohorten von jungen Menschen nach einem besseren Leben, ihr Einsatz sind Bildung und harte Arbeit. Aus Millionen von Armen entsteht erstmals eine neue Mittelklasse mit ausgebildeten Arbeitskräften, steigendem verfügbarem Einkommen und zunehmender Konsumlust. Sie wollen sich etwas leisten. Und das wiederum gefällt den Investoren.
«Hier sind die starken Wurzeln deiner Kraft; dort in der fremden Welt stehst du allein.» Wilhelm Tell zum Zweiten. Ein Zitat, das in der globalisierten Welt kaum mehr Bestand hat. Für manche Unternehmen ist die Verlagerung der Produktion und die Expansion ihrer Absatzmärkte in ferne Länder gar überlebensnotwendig. Ehrgeizige Arbeitnehmer und Unternehmer wittern ihre Chance in den Schwellenländern. Dort gibt es ihn noch, den «American Dream». Asien, die neuen USA für Top-Absolventen. Auch für Investoren?
Noch liegt vieles im Argen: So ist die Armut keineswegs beseitigt, Umweltverschmutzung und Korruption grassieren weiterhin. Und das wiederum ist nicht nachhaltig. Auf sozialer Ebene wird die Verbesserung des Gesundheits- und Vorsorgesystems sowie der Arbeitsbedingungen zum dringlichen Thema, auf ökologischer Ebene die Ressourceneffizienz. Mit dem Bildungsniveau wächst auch der Wunsch nach politischer Partizipation und einer besseren Organisation von Wirtschaft und Staat.
Kluge Investoren beurteilen Unternehmen und Wirtschaftsregionen nach Nachhaltigkeitskriterien. Die Voraussetzungen für eine nachhaltige Entwicklung, die nebst wirtschaftlichen Faktoren auch soziale und ökologische Kriterien berücksichtigt sowie die Governance verbessert, sind vielerorts bereits gegeben. Attraktiv sind Länder mit ausgeglichenem Staatshaushalt. Mit Regierungen, die in ihre Bürger investieren, Innovation und Öko-Effizienz fördern sowie Unternehmen einen fruchtbaren Boden bieten. Länder, die dazu ein positives Bevölkerungswachstum und Rohstoffreichtum aufweisen, sind top. Sie sind sichere Schuldner, ihre Währungen dürften zulegen, dort angesiedelte Unternehmen prosperieren.
«Das Alte stürzt, es ändert sich die Zeit.» Schillers wahre Worte. Wir hüben müssen uns sputen, um mit denen drüben mitzuhalten.