Lust am Lesen?
Abonnieren Sie PUNKTmagazin zu attraktiven Konditionen
Worte Cyril Schicker
Pizza, Pasta, Kebab und Konsorten sind inzwischen fester Bestandteil unser aller Essgewohnheiten. Doch sind es nicht nur Kalorienteufel, die die Welt erobern. Nein, auch lukullische Kostbarkeiten, die kein Freund jedweden Speckgürtels sind, etwa Sushi, haben längst zum globalen Höhenf lug angesetzt. Diversifikation ist also nicht nur im Börsengeschehen ein Thema, sondern auch in der Nahrungswelt. Dies erstaunt nicht, haben sich doch Bedeutung und Verständnis von Gesundheit massiv verstärkt. Dieser «Wandel» betrifft aber etliche Bereiche, und richtige Grenzen zwischen Gesundheit und Krankheit sowie Konsumenten und Patienten gibt es nicht mehr.
Der Paradigmenwechsel brachte einen neuen Begriff, der zugegebenermassen nicht mehr ganz so neu ist, hervor: Healthy Living. Eine einheitliche Definition von Healthy Living gibt es nicht. «Darunter werden üblicherweise Angebote und Programme für einen gesunden, individuellen Lebensstil zusammengefasst. Da spielen die Unternehmen als Arbeitgeber und die Nahrungs- wie auch Genussmittelindustrie als Anbieter wichtige Rollen», so Hans-Peter Münger, Direktor und Leiter Beratung Health Care bei PricewaterhouseCoopers. Einer der momentan wunderbar scheinenden Sterne am Modehimmel, Dji Dieng, zum Healthy- Living-Thema: «In erster Linie braucht es positives Denken und täglich Gegebenheiten, die mich und mein Umfeld zum Lachen bringen. Darüber hinaus, auch wenn es ein wenig esoterisch wirken mag, ist es wichtig, anderen zu helfen.» Das Topmodel weiter: «All das kombiniert führt zu einer gesünderen Einstellung und damit auch gesünderem Leben.»
Dji Dieng abschliessend prägnant: «Good spirit brings good health and that leads to a good life.» Das tönt simpel und ist einfach verständlich. Aber auch schwierig, tatsächlich zu erreichen. Diengs Aussagen machen dafür deutlich, wie breit gefächert Healthy Living tatsächlich ist. Immer mehr Bereiche spielen da mitrein. Der wachsende Wohlstand und der weitverbreitete Wunsch nach Selbstverwirklichung machen Körper, Schönheit und Gesundheit zu Statussymbolen. Und dieses «Triumvirat» reicht sich quasi gegenseitig die Hände. Das eine kann nicht mehr sein ohne das andere. Der daraus entstehende Gesundheitsboom dürfte wirtschaftliche, gesellschaftliche und politische Entwicklungen über Jahre hinweg prägen.
Die verstärkte Sensibilisierung für Healthy Living legt(-e) die Grundlage für Wachstum in Industrien wie Pharma, Ernährung, Schönheit, Hygiene und Pf lege, Textilien, Wellness sowie Tourismus. Dieser Trend fördert aber gleichzeitig auch Ängste und Phobien vor Krankheiten. Der Leistungsdruck (davon betroffen ist auch der Arbeitsalltag) steigt ausserdem stetig, zuweilen ins Unermessliche. Vor diesem Hintergrund ist eine ausgeglichene «Work-Life-Balance» ein Ziel, das es unbedingt zu erreichen gilt. Selbstredend dürfte sein, dass diesbezüglich nicht nur Arbeitnehmer, sondern auch Arbeitgeber mit gutem Beispiel vorangehen müssen.
Laut «Looking Ahead 09», dem SRI-Newsletter aus dem Hause Dexia AM, macht dies beispielsweise die Firma Gamesa sehr gut. Der Windkraftdienstleister gehört zu den Marktführern im Bereich erneuerbare Energien und beschäftigt weltweit über 7000 Mitarbeiter. Gamesa bietet seiner Belegschaft umfassende Weiterbildungs- und Entwicklungsmöglichkeiten. Darüber hinaus werden Sicherheits- und Gesundheitstrainings offeriert. Im vergangenen Jahr habe jeder Angestellte während durchschnittlich 32,8 Stunden solche Massnahmen «genossen». Alle Bemühungen werden jedoch schnell einmal obsolet, wenn die Ernährung der Gesundheit ein Bein stellt. Anstelle von blutigen Knien gibt es zum Beispiel Übergewicht oder eine latente Müdigkeit beziehungsweise Trägheit.
Wer handumkehrt ganz wenig bis nichts – aus welchen Gründen auch immer – isst, der ist selbstredend nicht besser dran. Der wird viel mehr von einem steten Hungergefühl getrieben, der ist abgelenkt, sprich geistig (und körperlich) geschwächt. Klar, Hunger ist für die meisten unter uns ein Echo von gestern. Und man kann sagen, dass die Sattheit, vor allem in der westlichen Gesellschaft, gar als Problem punkto Entwicklungsfähigkeit zu sehen ist. Wir nehmen zu viel vom Falschen auf, in jedweder Hinsicht. Aber das ist ein anderes Thema und schrammt an der eigentlichen Essensproblematik vorbei. Tatsache ist, dass Essen das erste Element aller Wirtschaft ist, auf dem alle anderen aufbauen.
Die verzweigte Industrie, die uns den Hunger nimmt, uns satt macht, ist denn auch gewaltig. Alleine die rund 180 Mitgliedfirmen von fial, der Föderation der Schweizer Nahrungsmittel- Industrien, sichern – per Ende 2008 – von über 34 000 Mitarbeitern eine Lohnsumme in Milliarden-Höhe. An der «eigentlichen» (Branchen-)Schublade schnitzen aber weit mehr mit. Dazu gehören Bauern, Köche, Kellner, Lebensmittelproduzenten, Düngemittelhersteller, Marktfahrer, Chemiker, Restaurant- und Hotelbesitzer sowie Kioskbetreiber. Zulieferfirmen für Rohstoffe, Halbfabrikate, Zusatzstoffe und Verpackungsmaterialien sowie die Maschinen-/Gerätehersteller gehören ebenfalls dazu.
Laut fial wurde 2008 ein Jahresgesamtumsatz von knapp 18 Milliarden Franken erzielt, was gegenüber der Vorjahresperiode einer Steigerung von 4,5 Prozent entspricht. Langeweile ist in der Branche ein Fremdwort, Neuerungen sind stets zu erwarten. Das macht auch der jüngst veröffentlichte Jahresbericht der UNDP deutlich. UNDP steht für United Nations Development Programme. Von der Hungerproblematik einmal abgesehen, sind die Gesundheitsprobleme, die von Übergewicht und Fettleibigkeit herrühren, eine unsägliche finanzielle Bürde. Die Healthy-Living-Studie von SAM, einem Vermögensverwalter mit Fokus auf «Sustainability», zeigt, dass bereits 2015 in den USA jene Kosten satte 685 Milliarden Dollar betragen werden.
SAM hat übrigens einen (Investitions-)Ansatz zu Prävention und Minderung sowie Umgang mit den Folgen von Fettleibigkeit entwickelt. So oder so, derselbigen Studie ist ausserdem zu entnehmen, dass Healthy Living über «Nahrung, ein Brennstoff für den Körper» weit hinausgeht. Beherbergt werden bereichsnahe Themen wie «Aktivität & Wohlbefinden» und «Gesundheitspflege», was sich mit den eingangs erwähnten Aussagen von Hans- Peter Münger und Dji Dieng durchaus in Einklang bringen lässt. Die von SAM evaluierten (Anlage-)Opportunitäten sind etwa Hersteller und Verkäufer von Fitnessausrüstungen. In dem Zusammenhang spielt die Mode eine gewichtige Rolle. Moderne Sportkleidung (Nike) wird – das gilt ebenfalls für Outdoor-Kleider (Deckers Outdoor) – auch ausserhalb der Trainingsräume getragen.
In die gleiche Kategorie gehören auch auf Software basierende Fitnessplattformen. Der körperlichen Ertüchtigung vor dem Fernsehbild oder Computer sind heutzutage selbst Kinder kaum mehr abgeneigt. Daneben profitieren sicherlich Anbieter von Fitnessdienstleistungen vom anziehenden Interesse seitens Regierungen und Unternehmen. In der Welt der Gesundheitspflege stehen laut SAM therapeutisches Gewichtsmanagement (Medikamente, Chirurgie et cetera) und die Behandlung ernährungsbedingter Krankheiten im lodernden Brennpunkt. Insbesondere dem diesbezüglichen Medikamentenmarkt attestiert das Hause SAM ein überdurchschnittliches Wachstumspotenzial – und das auf Jahre hinaus. Orthopädischen Unternehmen mit Spezialisierung auf Knie- und Hüftimplantate sowie Medizinaltechnikfirmen, die für angenehmes Schuhwerk und spezielle Transportsysteme besorgt sind, sollte ebenso grosses Augenmerk beigemessen werden.