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Worte Dmitrij Gawrisch
Werbeartikel landen meist umgehend im Müll. Dass es auch anders geht, lernen nun auch vermehrt die Verantwortlichen in der Werbeindustrie, wie die neusten Entwicklungen aufzeigen.

Glaubt man dem aktuellen Wirtschaftsslang, könnte man meinen, die Marktwirtschaft sei, anders als von Karl Marx prophezeit, nicht in der Hölle, sondern im Paradies angekommen. Eine Beschönigung – auch bekannt als Euphemismus – jagt die andere. So spricht der Manager nicht mehr vom knallharten Konkurrenten, sondern vom wohlwollenden Marktbegleiter.
Überschuldete Staaten wie Griechenland werden nicht in die Pleite, sondern zum Frisör geschickt, wo ihnen ein fescher «Hair Cut» verpasst wird. Sogar der einer Bilanzfälschung angeklagte Buchhalter wird eher als kreativ denn betrügerisch bezeichnet. Die aktuell liebste Wortschöpfung der Werbefachleute ist indessen «dreidimensionales Marketing».
Was sich dahinter verbirgt, dürfte Laien besser unter dem vorparadiesischen Namen bekannt sein: Werbegeschenke. Also hauptsächlich mit Firmenlogo bedruckte Stifte, USB-Sticks, Schlüsselanhänger, T-Shirts, Taschen, Kalender, Feuerzeuge, Bierdeckel, Mützen, Becher, Poster, Mausunterlagen, Plüschtiere, Kaugummis, Regenschirme, Taschenmesser und unzählige weitere Kleinigkeiten, die Kunden für ein Unternehmen gewinnen und durch Dauertorpedierung binden sollen. Ein verlockendes Geschäft, setzte doch die Branche allein in den USA im vergangenen Jahr rund 2,8 Milliarden Franken um.
Verlockend, aber kaum nachhaltig. Rund 90 Prozent der weltweit vertriebenen Werbeartikel stammen aus chinesischer Produktion. Dort werden sie aus teils giftigen Materialien wie PVC zu Niedrigstkosten hergestellt und CO2-verursachend nach Europa verschifft oder geflogen. Landen tun sie schliesslich fast immer im Müll. Die Geburtsstunde der Werbeartikel setzen Historiker übrigens 1789 an. Einige Monate vor Ausbruch der Französischen Revolution wurden in den USA Erinnerungsplaketten an George Washingtons Wahl zum ersten Präsidenten verteilt.
Wiederum in den Vereinigten Staaten, genauer in Coshocton im Bundesstaat Ohio, soll im 19. Jahrhundert der Drucker Jasper Meeks als erster Schultaschen mit dem Logo eines lokalen Schuhhändlers versehen haben. Eine neue Industrie war geboren, die allerdings erst in den 90-er Jahren des 20. Jahrhundert zu ihrer vollen Blüte gelangte.
Doch nun muss sie umdenken, denn der Umsatz sank 2010 in der Schweiz um 11,8 Prozent, wie der Branchenverband Promoswiss festhält. Immer mehr Kunden verlangen nachhaltig hergestellte Werbeartikel – und sind auch bereit, für diese tiefer in die Tasche zu greifen. Besonders Werbepflanzen sind beliebt. Hauptsache, das Produkt kann rezykliert werden. Hoch im Kurs steht überdies der sogenannte Logoapfel, auf dem das Firmenlogo «eingraviert» wird. Werbung, die gesund ist und erst noch schmeckt.