Rosiges für afrikanische Kunst
Worte Cyril Schicker
Der afrikanische Kunstmarkt ist eine Nische für Liebhaber. Aufsehen erregende archäologische Funde und das fortschreitende Interesse des Westens könnten ihm jedoch neue Impulse bescheren.
In Bezug auf seine Länder, Sprachen, Ethnien, Gruppierungen und Farben ist Afrika ein wahres Quodlibet. Das Kunterbunte überträgt sich auch auf die Kunst. Nur schon die unzähligen Geheimbunde wie Poro (für Männer) und Bundu (für Frauen) mit ihren kunstvollen Masken. So individuell das Maskenwesen der Geheimgesellschaften ist, gemein ist ihnen jeweils der ideelle Wert – und für gewisse Kunstinteressierte zunehmend der monetäre. Afrikanische Kunst geht aber weit über das Maskenwesen hinaus. Dr. Dirk Boll, Leiter Christie’s Schweiz, über die zentralen Eigenschaften: «Der westliche Betrachter ist in seiner Rezeption generell auf die Autorenschaft fixiert, eine Folge des Geniekults der Renaissance. Die afrikanische Kunst hingegen ist unsigniert, man kann die Werke einer Region oder einem Stamm, aber in aller Regel nicht einem einzelnen Meister zuordnen. Inzwischen hat die kunsthistorische Forschung aber von diversen Künstlern eine Handschrift, das heisst Gestaltungs- und Ausführungsmerkmale, identifiziert. Damit kann es Zuschreibungen zu einem Künstler geben, der aber nach wie vor anonym ist. Vor allem bei frühen Bronzearbeiten ist die Ausführungsqualität überwältigend, wenn man die Entstehungsepoche bedenkt – eine Überraschung für jeden, der romantische Ideen des ‹wilden Afrika› hat.» Überraschungen lieben wir doch alle. Dessen für einmal ungeachtet, wie hat sich Afrika durch die Kunstbrille betrachtet entwickelt? Und wie steht es um Nachfragetrends? Boll dazu: «Afrikanische Kunst wird seit über einem Jahrhundert gesammelt. In den letzten zwei Dekaden gab es starke Impulse für ihre Märkte. Einerseits stieg das Bewusstsein für den Einfluss afrikanischer Kunst auf Künstler der Moderne wie Picasso oder Braque. Anderseits gab es grössere Museumsaktivitäten wie die Neupräsentationen in Berlin-Dahlem und London oder die Eröffnung des Musée du quai Branly in Paris. All das hat zu einer Interessens- und Nachfragezunahme geführt.» Renditejäger und monetäre Trophäensammler können sich afrikanische Kunstobjekte übrigens ohne Gewissensbisse auf den Radarschirm holen. Denn (nicht nur) für sie hat der sympathische Kunst-Aficionado Boll eine Antwort parat, die wie Seelenbalsam wirken dürfte: «Es ist an und für sich schwierig, die Entwicklung der Märkte für afrikanische Kunst abzuschätzen. Die generelle Verknappung von Objekten wird für Werke hoher Qualität mit grosser Wahrscheinlichkeit einen Wertzuwachs bedeuten, denn die Zahl der Käufer steigt nach wie vor. Obgleich Sammler von ‹Arts Premiers› eher selten zeitgenössische Kunst aus Afrika sammeln, wird das zunehmende Interesse der internationalen Szene an nicht-europäischer, zeitgenössischer Kunst den Kontinent in den Fokus rücken. All das verspricht eine überdurchschnittliche Wertbeständigkeit.» Der in Zürich ansässige Deutsche abschliessend (und dabei den Stellenwert afrikanischer Kunst bei Christie’s ins Spiel bringend): «Afrikanische Kunst wird von Christie’s seit dem 19. Jahrhundert versteigert und ist ein klassisches Sammelgebiet für den kenntnisreichen, erpichten, weltoffenen und grenzüberschreitend denkenden Sammler. Unsere englischen Kollegen würden vom sogenannten Gentleman Collector sprechen, quasi ein Traumkunde. Zudem gibt es in diesen Sammlungen häufig auch Werke der westlichen Kunst des 20. Jahrhunderts, das wichtigste Gebiet der Kunstmärkte überhaupt. Nicht zuletzt ist das Feld der afrikanischen Kunst auch kommerziell hochinteressant, wie Verkäufe im Millionenbereich zeigen.»














