Quotenluder und Evastöchter
Worte Valerio Bonadei
Auf Führungsebene halten Frauen nach wie vor mehrheitlich als Reinigungskräfte Einzug. Die Politik schreitet indes vorbildlich voran. Zum ersten Mal in der Geschichte ist der Bundesrat mehrheitlich weiblich. Kann das Missverhältnis in der Privatwirtschaft nur durch Quoten korrigiert werden?

Nach seiner Wahl zum US-Präsidenten verkündete Barack Obama seine Erleichterung darüber, dass seine Frau nicht für den Präsidentenposten kandidierte: «Sie hätte mich vernichtend geschlagen.» Yes, she can! Gemischtgeschlechtliche Führungsteams sind erfolgreicher als Unisex-Teams, weiss die Empirie. Und welche Schäden derweil exklusive Männerclubs anrichten können, zeigt unter anderem das Lehman-Debakel.
Der dortige Ex-Kommunikationschef kommentierte entsprechend eindeutig, dass die fatale Selbstzufriedenheit und «ein übermächtiger Chef für den Niedergang verantwortlich waren. Ein zweiter Mann, der risikohungrig war und der Nummer Eins zu Diensten sein wollte. Ein Führungsteam, das offene Debatten scheute. Ein Machtkampf zwischen zwei Schlüsselfiguren. Und schliesslich noch ein Aufsichtsrat, der voll war mit Männern und einem beklagenswerten Mangel an Branchenkenntnissen.»
Sind also Männer und ihre Charaktereigenschaften wie Risikofreudigkeit, Killerinstinkt sowie Machtstreben Kernursache der Krise? Haben nicht Männer bisher für permanente Prosperität gesorgt und tolle zivilisatorische Errungenschaften wie das Internet, das Bügeleisen oder den Fussball erfunden? Richtig, doch die Zukunft ist zweifellos weiblich. An der Spitze der US-Börsenaufsicht begann letztes Jahr mit Mary L. Shapiro gar eine Frau mit dem Aufräumen des angerichteten Lehman-Schadens.
Aufholpotenzial
Im deutschsprachigen Wirtschaftsraum dagegen tut man sich schwer mit mächtigen Frauen. Gemäss einer Erhebung des Deutschen Instituts für Wirtschaftsforschung lag der Frauenanteil auf Führungsebene der 200 grössten Unternehmen Deutschlands bei lediglich 3,2 Prozent. In den USA sind es 15,7 Prozent. Wundern darf man sich über die kürzlich entflammte teutonische Debatte rund um die Frauenförderung nicht. In Deutschland mussten Ehefrauen noch vor 34 Jahren ihre Ehemänner um Arbeitserlaubnis fragen. Die Schweiz führte 1974 als letzter europäischer Staat das Frauenstimmrecht ein. In den Verwaltungsräten der 20 grössten Schweizer Firmen sitzen nur zehn Prozent Frauen, in den Geschäftsleitungen sogar nur sieben Prozent.
Vor diesem Hintergrund ist es erstaunlich, dass ausgerechnet ein Schweizer Unternehmer die Frauenförderung schon vor 13 Jahren konsequent und ohne aufoktroyierte Quote umgesetzt hat. Bei René Mägli, Chef der weltweit zweitgrössten Logistik-Reederei MSC Basel, ist das obere und untere Management ausschliesslich weiblich. Mit einer jährlichen Umsatzsteigerung von 25 Prozent führen sie die Reederei sehr erfolgreich. Teamgeist, Kostenbewusstsein und ein effizienter Einsatz der Energie in Lösungen statt Machtspiele, so laute das weibliche Erfolgsrezept.
Auch zahlreiche Studien beweisen: Je höher der Frauenanteil desto besser die Geschäftsbilanz. McKinsey führte in den Jahren 2003 bis 2005 bei 300 Unternehmen mit gemischten Managementteams Untersuchungen durch. Im Durchschnitt lag ihr Gewinn um 48 Prozent über dem Branchendurchschnitt. Ähnliches belegen Studien der renommierten London Business School und der Beratungsfirma Accenture.
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