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Worte Querdenker
Der Querdenker dreht die Zeit zurück ins Jahr, als Rolf Fringer mit dem FC Aarau Schweizermeister wurde. Seit da hat sich so einiges verändert – nicht alles zum Besten.

Willkommen im Jahr 1993: Adolf Ogi wird Bundespräsident, der europäische Binnenmarkt wird verwirklicht, der FC Aarau wird Schweizer Fussballmeister und «Wetten dass» steht auf dem Olymp der populärsten Eurovisionssendung. Und der Schweizer Franken? Er kostet eine D-Mark und zehn Pfennig. Es herrscht Aufbruchsstimmung in einer globalisierenden Welt. Und heute? Wer hat an der verdammten Uhr gedreht? Bonsai statt Boni. Clariden Leu war einmal, Sarasin ist Copacabana, Credit Suisse ist SKA und die UBS? Man hat den Eindruck, dass selbst die Murmeltiere trotz des ausbleibenden Winters abspecken müssten. Und selbst wenn dieser käme, käme keiner, denn der «Foifliber» kostet derzeit beachtliche acht Deutsche Mark. Im grossen Kanton ist das Schweigen der Kämmerer nicht minder himmelschreiend.
The show must go on. Auf Thomas Gottschalk folgt nun Sensenmannversteher Mark Benecke, der das Grauen in der Pathologie zum erfolgreichen Unterhaltungsthema macht. Griechenland ist verkohlt, Spanien lodert und Italien ist Ötzi? Man braucht kein «Call of Duty»-Videospiel, um sich bildhaft vorzustellen, wie sich eine Wirtschaftskrise durch die Gesellschaft frisst. Euroland ist abgebrannt. Es herrscht Krieg in Europa. Keine Toten weit und breit – Wirtschaftkrieg vom Feinsten. Was die Wehrmacht damals nicht schaffte, wird nun Europa vollenden. Der totale Wirtschaftskrieg steuert hemmungslos auf den Endsieg des Eurobonds zu. Der Obersalzberg wurde hierzu kurzerhand nach Brüssel verlegt und steuert die Generalmobilmachung gegen den internationalen Devisenterrorismus. Und wer hat’s erfunden? Jacques Delors, der geistige Vater des kompromisslosen Machterhaltungswahns.
Nur, wer terrorisiert wen? Im Namen des Volkes schlägt der Konsumentenschutz eine Schneise der Verwüstung durch das allgemeine Zoll- und Handelsabkommen. Der passive Dienstleistungsverkehr nach Deutschland wird dieser Tage abgeschafft. Mit anderen Worten: Der Himmel ist nicht purpurdunkel Abendrot, weil Kekse gebacken werden, sondern weil das Gatt-Abkommen lichterloh brennt. Es kokelt wieder einmal nach Notstandsgesetzgebung. Die zentrale Frage lautet: Wie lange kann die Schweiz das Endspiel um den Euro noch von der Ehrentribüne aus mit ansehen? Es wird anscheinend wieder Zeit für Verdingbuben, Wolfskinder, Arbeitslosentrecks und die Schweizer Anbauschlacht. Anstatt jene zu bekämpfen, die das Budget-Waterboarding zu verantworten haben und somit das sprichwörtliche Fass hemmungslos abfüllten, wurde der berühmte Tropfen von der Occupy-Bewegung als Urquell der Krise ins mediale Rampenlicht gezerrt.
Der politische Offenbarungseid ist tatsächlich eine Demokratiekrise. Die Europäer wurden nicht verführt. Sie haben es selbst getan oder haben jenen dazu verholfen, die es für sie getan haben. Was der Wiener Kongress 1815 nicht schaffte, vollendet nun der Kapitalmarkt im Eiltempo. Wer hätte gedacht, dass «MonteCarlos», der einstige Euro-Staatsfeind Nummer Eins, die neue treibende Kraft im europäischen Einigungsprozess wird? Kaum auszuhalten, wenn man sich vorstellt, dass der Rädelsführer des Widerstandes nicht selten das künftige Staatsoberhaupt ist. Wer könnte das wohl sein? Es ist nicht aller Tage Abend. Das wird schon wieder, keine Frage. In diesem Sinne: Maikäfer flieg!