Panem et Circenses
Gastworte Mirjam Staub-Bisang
Staatskrisen in Griechenland und Italien, Atomkatastrophe in Japan, Bürgerkrieg in Syrien, der arabische Frühling – 2011 blieb kein Stein auf dem andern. Ein Annus Horribilis? War früher alles besser? Gewiss nicht.
Krisen gab es schon immer, sie folgen Übertreibungen und leiten Bereinigungsprozesse ein. Die Todsünden Habgier, Masslosigkeit, Faulheit und Feigheit sind so alt wie die Menschheit selbst. Beschränkung liegt nicht in unserer Natur, und dennoch ist sie notwendig, um das Überleben von Gemeinschaften zu sichern. Das römische Reich in seiner Endphase bleibt das Paradebeispiel eines verkommenen, nicht nachhaltig organisierten Staatswesens. Überbordende Kosten für Heer und Verwaltung schröpften die Staatskasse. Vetternwirtschaft und Korruption zerstörten das Vertrauen in die Führungseliten. Gelegentliche Wohltaten und Spektakel für das Volk sollten von Missständen ablenken. Aber auch Brot und Spiele – Panem et Circenses – konnten den Niedergang Roms nicht aufhalten.
Cleverer Oberhauptmann
Rund tausend Jahre später, im 18. Jahrhundert, drohte den Betreibern sächsischer Silberminen das Holz für Schmelzöfen und zur Abstützung der Stollen auszugehen. Getrieben von der Aussicht auf kurzfristige Gewinne, hatten sie zu viel abgeholzt und beraubten sich so der Quelle ihres Wohlstandes. In der Folge führte der kluge sächsische Oberberghauptmann Hans Carl von Carlowitz das Prinzip der Nachhaltigkeit in der Forstwirtschaft ein. Er schrieb vor, dass immer nur so viel Holz geschlagen werden darf, wie durch planmässige Aufforstung nachwachsen kann. Zwei Beispiele aus der Vergangenheit, die aktueller nicht sein könnten. Auch heute sind Misswirtschaft bei Staaten und Unternehmen, schlechte Führungsstrukturen und Korruption weit verbreitet. Exzesse sind an der Tagesordnung. Als Folge erleben wir einen epochalen Bereinigungsprozess. Einschneidende Massnahmen sind allgegenwärtig. Hochverschuldete Länder müssen ihre Produktivität erhöhen und die Staatsquote reduzieren. Private Unternehmen werden vom Markt zu Effizienzsteigerungen gezwungen. Industrien erfahren strukturelle Veränderungen, die zum Abbau von Überkapazitäten und Konsolidierungen führen. Der freie Markt sollte bestimmen, was Bestand hat.
Gute Schuldern, schlechte Schuldner
Für den langfristig orientierten Investor bedeutet das je länger je mehr, dass nur bestehen kann, wer nachhaltig aufgestellt ist. Staaten, die sorgfältig wirtschaften, sind gute Schuldner. Unternehmen, die ihren Ressourcen – Rohstoffe und Humankapital – Sorge tragen und sie effizient nutzen, bleiben langfristig erfolgreich. So finanziert beispielsweise Holcim innovative Energieeffizienzprojekte im Konzern durch den Verkauf überschüssiger CO2-Emissionszertifikate. Siemens setzt sich seit Jahrzehnten für Umwelt- und Arbeitnehmerschutzthemen ein. Neben dem Streben nach ökonomischem Erfolg sind transparente Strukturen sowie die Berücksichtigung ökologischer und sozialer Faktoren nachhaltige Zauberformeln. Von Carlowitz erkannte das schon vor fast 300 Jahren. Dank seinem Rat sind nachhaltig bewirtschaftete Waldgebiete auch heute noch eine gute Kapitalanlage













