Organe auf Reisen
Worte Cyril Schicker
Mit Organtransplantation wird oftmals illegaler Organhandel assoziiert. Diese Gedankenspielerei ist problematisch, greift sie doch zu kurz. In der Schweiz liegen die Probleme bei der Verfügbarkeit und Zuteilung.
Haben Sie sich, lieber Leser, schon gefragt, welche Organe hierzulande am häufigsten transplantiert werden? Nein? Kein Prolem, Dr. Franz Immer, Direktor Swisstransplant, Schweizerische Nationale- Stiftung für Organspende und Transplantation, bringt Licht ins Dunkle: «Gut zwei Drittel des Volumens betreffen Nieren. Eine solche kostet rund 80 000 Franken.» Er erhellt weiter: «Schweizweit geschehen jährlich rund 450 Transplantationen.» Dass diese herausfordernder sind als Kaugummi kauen, ist klar. Doch was genau geschieht während der Transplantation und welche Hürden gilt es zu überspringen?
Dr. med. Sacha P. Salzberg, nicht Hürdenläufer, dafür Oberarzt der Herz- und Gefässchirurgie am Zürcher Universitätsspital, dazu: «Mittels moderner Transplantationsmedizin werden Organe oder Gewebe ausgetauscht. Die Herausforderung liegt in der Kompatibilität, da jeder eine eigene ‹Gewebeidentität› besitzt. Relevant für das Gelingen sind ausserdem zahlreiche organisatorische Aspekte. Die Zeit, in der ein Organ nicht an den menschlichen Kreislauf angeschlossen ist und in der die Organzuteilung sowie das exakte Implantations-Timing erfolgt, nennt man Koordinationszeit. Für rund 60 Menschen pro Jahr endet überdies der Organmangel tödlich.» Der Spezialist ergänzt: «Technisch anspruchsvoll sind Lunge und Leber. Immunologisch ist das Knochenmark die höchste Hürde. Beim Herz liegt die Schwierigkeit darin, rechtzeitig ein Organ zu erhalten. Je länger Patienten in der Herzinsuffizienz warten müssen, desto eher leiden auch alle anderen Organe, die einen verminderten Blutdurchfluss sehen. Zahlreiche Patienten benötigen deswegen ein Kunstherz als Überbrückungstherapie bis zur Transplantation.»
So heikel die Transplantation an sich ist, so oft geht die Bedeutung des Transports vergessen. Oberarzt Salzberg lässt einblicken: «Das Herz sollte innert vier Stunden am menschlichen Kreislauf angeschlossen sein. In dieser Phase muss es auch transportiert werden. Hierbei geht ein Herzchirurg des Transplantationszentrums ins Spenderzentrum und führt die Entnahme durch. Er lufttransportiert es auch zurück, wo es unmittelbar nach Ankunft implantiert wird.» Direktor Immer von Swisstransplant vervollständigend: «Nieren werden meist über den Strassenverkehr transportiert. Bei längeren Distanzen werden Herzen und Lungen von unserem offiziellen Partner, der Rega, luftbefördert. Auch die Leber wird mehr und mehr geflogen, da die sogenannte Ischämie-Zeit schädigend sein kann.» Abschliessend bietet Rega-Mediensprecherin Ariane Güngerich Zahlen feil: «Der Organtransportanteil macht weniger als ein Prozent aller Flüge aus. Die von Jahr zu Jahr variierende, absolute Anzahl bewegt sich zwischen 40 und 90.»
So klein diese Anzahl auch immer ist, an Wichtigkeit sind solche Arten von Transporten kaum zu überbieten!

















