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Worte Rino Borini & Cyril Schicker Bild Elias Ulli
Umweltkatastrophen, Schuldenberge, schändliche Unternehmenstaten und Ozeanien-Missbrauch sorgen für den anhaltenden Nachhaltigkeitshöhenflug. Nachhaltigkeit als solche hat sich zeitgleich zum Modewort gewandelt, was denn auch viele Trittbrettfahrer auf den Plan ruft. Obacht vor Mogelpackungen, halbseidener Imagepflege und unwahre Labels, Zertifizierungen.
Schlagworte wie «Bio» und «Öko» werden oft und ohne gross zu überlegen mit Nachhaltigkeit gleichgesetzt. Diese Art der Gewissensberuhigung machen sich wiederum andere, und das sind nicht wenige, in schändlicher Art und Weise zu Nutze. Nachhaltigkeit ist ein arg ausgefranster Begriff, der alles vereint und gleichzeitig eben gar nichts. Klare Grenzen gibt es scheinbar nicht.
Sowohl Institutionen als auch Experten schreiben sich Sustainability auf die Flagge, ohne aber in Tat und Wahrheit sozial oder ökologisch zu handeln. Viel mehr steht das Ökonomische beziehungsweise der individuelle Eigennutz im Fokus. Eine rasche Gewinnmaximierung, der hierbei mit Etikettenschwindel Hand in Hand geht, beschneidet die Symbiose Soziales-Ökologie-Ökonomie.
Was Nachhaltigkeit konkret alles beinhaltet, ist nicht einhellig klar respektive wird von jedermann anders gehandhabt. Gängig ist die Interpretation, man solle nicht auf Kosten zukünftiger Generationen und anderer Bevölkerungsgruppen leben und wirtschaften. Das ist zutreffend, lässt jedoch viel Freiraum. Egal ob aus unternehmerischer oder aus persönlicher Optik, umweltbezogene, soziale sowie wirtschaftliche Ziele müssen gleichzeitig und ebenbürtig verfolgt werden.
Diesem «Drei-Säulen-Prinzip» gehört die ungeteilte Aufmerksamkeit. Soziale Verantwortung übernehmen ist das eine, das Verschmelzen von Umweltfürsorge mit betriebswirtschaftlichen Prozessen das andere. Nachhaltigkeit muss Bestandteil jedweder Risikokontrolle sein.
Auf sozialer Ebene geht es unter anderem um Einhaltung der Menschenrechte, vereinfachten Bildungszugang und Vermeidung sozialer Spannungen. Weiterhin in Nachhaltigkeitsüberlegungen eingebettet gehören Themen wie Armut, Bevölkerungswachstum und Überalterung. Auf ökologischer Ebene wird ein Ressourcen schonendes Dasein gefordert.
Hier spielen Probleme wie zum Beispiel Klimawandel, Wasserverknappung und -verschmutzung, Entwaldung, Wüstenbildung sowie Verlust der Biodiversität rein. In Bezug auf Ökonomisches gehen Verhältnismässigkeit, Preisstabilität, hoher Beschäftigungsgrad und langfristiger Fortbestand der Unternehmenslandschaft einher.
Dr. Axel Kölle, Gründer Leiter des ZNU-Zentrums für Nachhaltige Unternehmensführung (Universität Witten/Herdecke, Deutschland) aus Firmensicht: «Nachhaltiges unternehmerisches Wirken ist ein langfristiger Denk- und Lernprozess. Viele Unternehmen haben immer noch die kurzfristige operative Brille auf, statt Nachhaltigkeit als mittel- bis langfristiges strategisches Ziel zu betrachten. Ein Handeln, nur mit Blick auf die Quartalszahlen ist falsch. Nachhaltigkeit bedeutet, und das ist ganz zentral, sämtliche Anspruchsgruppen und nicht nur den ‹Shareholder Value› zu berücksichtigen.»
Auch wenn längst klar sein sollte, dass fehlendes nachhaltiges Handeln überdurchschnittlich hohe Folgekosten fordert, klettert Sustainability in vielen Branchen nur langsam die Prioritätenliste hoch. Oft sieht man denn auch keine integrativen, umfassenden Annäherungen. Dr. Kölle warnt: «Unternehmen, die jetzt schnell auf diesen Zug springen, laufen Gefahr, ihre Glaubwürdigkeit zu verlieren, wenn der Ansatz nicht fundiert ist.»
Wenn Nachhaltigkeit lediglich zur Imagepolitur herangezogen und nicht wirklich ernst genommen wird, schadet sie der Glaubwürdigkeit mehr, als dass sie nützen würde. Eine nicht ganz einfache Ausgangslage, denn der Druck auf Unternehmen – nicht nur von der Konsumentenfront – wird weiter zunehmen. Zukünftig werden auch Kapitalmärkte, Politiker sowie Firmenkonkurrenten ehrliches grünes Verhalten fordern.
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