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Nachhaltigkeit als Erfolgsbaustein
Worte Mirjam Staub-Bisang
Im Zug nach München ist die Welt noch in Ordnung. Liebliche Landschaften, saftige Weiden und dichte Wälder ziehen jenseits der Schweizer Grenze an mir vorbei. Einzig Solarpanels auf den Dächern stolzer Bauernhäuser wollen nicht zur Beschaulichkeit passen. Dem Unpassenden zum Trotz, jene Anlagen liefern sauberen, mitunter staatssubventionierten, Strom. Der Bauer 2.0 denkt unternehmerisch und handelt ökologisch, braucht es doch für diese Energieform «lediglich» Sonnenlicht. Bei allen Vorbehalten gegenüber dem Staat ist es sinnvoll, dass er solche Bauten fördert. Initialzündungen dieser Art kann in der Praxis nämlich nur derselbige auslösen. Doch wo Subventionen sind, sind auch Kritiker. Sie nörgeln, die Solarzellen seien in der Herstellung so aufwändig, dass deren Installierung mehr Schaden denn Nutzen bringe. Nun, der Bau ist in der Tat aufwändig, jedoch nicht aufwändiger als jede andere Investition zur Infrastrukturverbesserung.
Fakt ist, die Welt wäre sauberer und das Klima gesünder, wenn wir alle unseren Strom mit Sonnenlicht produzierten, in besser isolierten Gebäuden lebten und diese mit Erdsonden statt Erdöl heizten. Analog wäre unser Planet potenziell reicher und das soziale Klima ausgewogener, würden wir beim Einkaufen auf Fair Trade achten. Jeder kann im Alltag einen nachhaltigeren «Modus Vivendi» praktizieren, bei dem natürliche Ressourcen schonender genutzt werden und ausserdem versucht wird, Rücksicht auf andere, selbst für uns unbekannte, zu nehmen. Nachhaltiges Handeln bedeutet, ökologische und soziale Kriterien mit wirtschaftlichen Überlegungen zu verknüpfen. «Sustainability» schafft mithin auch in der Vermögensverwaltung Mehrwert. Im Fokus verantwortungsbewusster Anleger stehen deshalb nachhaltig geführte Firmen und Körperschaften. Sie verfügen über bessere Risikokontrollen und haben dank Wahrnehmung sozialer Verantwortung auch motivierte(-re) Mitarbeiter.
Nachhaltigkeit bietet Chancen, auch wirtschaftliche. Dieser Erkenntnis nachzuleben, ist allerdings nicht Staatsaufgabe, sondern liegt in der Verantwortung institutioneller und privater Investoren. Exemplarisch greife ich den Geschäftsführer einer Pensionskasse heraus, der Kapital verwaltet, das Mitglieder heute einzahlen und morgen mit Zinseszins als Altersrente beziehen. Mit der Strategie und der Auswahl von Anlageinstrumenten ist er mitverantwortlich, dass Zahlungsverpflichtungen in der Welt von morgen tatsächlich nachgekommen werden kann. Das gilt ebenfalls für Privatpersonen, denn letztlich dient auch ihr erarbeitetes oder geerbtes Vermögen der Zukunftssicherung. Fragen Sie Ihren Bankberater nach nachhaltigen Anlagen! Denn nachhaltig Investieren ist mehr als nur ein Trend. Umso bedauerlicher ist es, dass viele Berater noch immer ungenügend geschult und gewisse nachhaltig ausgerichtete Anlagevehikel Mogelpackungen sind. Mit entsprechendem – nachhaltigem! – Druck können Sie -bewirken, dass Ihre Bedürfnisse gedeckt werden. Wenn nicht, nutzen Sie Tram, Elektroauto oder Fahrrad und suchen Sie sich einen besseren Berater.
Dr. Mirjam Staub-Bisang ist Gründungspartnerin sowie Verwaltungsratsdelegierte von Independent Capital Management AG. Die Rechtsanwältin und (angehende) Buchautorin hält zudem einen MBA-Abschluss der INSEAD.

















