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Worte Dmitrij Gawrisch
Keine andere Metropole bringt so viele neue Modelabels hervor wie die Deutsche Hauptstadt Berlin. Die Konkurrenz ist gross, das Leben als Modemacher dementsprechend entbehrungsreich.
Motten fliegen zum Licht, Modedesigner fahren nach Berlin. Kaum eine andere Metropole der Welt, weder Paris noch Mailand, weder London noch New York, weder Shanghai noch Tokio, verfügt über eine vergleichbare Dichte an jungen, aufstrebenden Modelabels wie die deutsche Hauptstadt. IchJane, Gretchen, Fortschritt Berlin, Nix, Prodotyp, Starbeit, Stulle oder Winschu nennen sich die teils Ein-Frau- oder Ein-Mann-Schneidereien, deren ausgefallene, manchmal auch gewöhnungsbedürftige Kreationen in den zahlreichen Boutiquen an der Kollwitzstrasse oder der Kastanienallee im hippen Stadtteil Prenzlauer Berg anprobiert werden können.
Über 2500 Modedesign-Ateliers hat die Berliner Investitionsbank im Juni 2011 in Berlin gezählt. Zwischen 2000 und 2008 hat deren Anzahl um knapp 30 Prozent zugenommen – während sie deutschlandweit um 24,5 Prozent zurückging. Jährlich setzt die gesamte Berliner Modewirtschaft umgerechnet 2,3 Milliarden Franken um, damit macht sie 9,9 Prozent des Umsatzes der gigantischen Berliner Kreativindustrie aus. Zu dieser zählen 25 000 Unternehmen mit 85 000 Beschäftigten, die im vergangenen Jahr einen Umsatz von 23,1 Milliarden Franken erwirtschafteten.
Beheimatet ist die Mehrheit der Labels nach wie vor in Hinterhöfen und stillgelegten DDR-Fabriken im Ostteil der ehemals geteilten Stadt. Die Konfektionen werden nicht nur in Berlin designt, sondern auch geschneidert. Möglich macht dies eine lebendige Textilindustrie, die auf ökologische Rohstoffe und Hightech-Materialien setzt. Reich werden allerdings die wenigsten. Im Gegenteil: So mancher Nachwuchsdesigner zieht nach einem Tag im Atelier abends das Kellneroutfit an, um über die Runden zu kommen.