Lohnschere – Dougan und Messi
Worte David Fehr
Während Topmanager für ihre hohen Löhne und Boni von allen Seiten Prügel einstecken müssen, werden die Monstereinkünfte der Topsportler selten hinterfragt. Warum es so ist.
Gross war der Aufschrei, als die CS bekannt gab, dass CEO Brady Dougan für die vergangenen fünf Jahre Boni von 70 Millionen Franken in Aktien erhielt. Dies zusätzlich zum regulären Bonus (17,9 Millionen) und dem Basissalär (1,25 Millionen) für 2009. Über die Einkünfte eines Roger Federer hingegen – Forbes Magazine schätzt sie für 2009 auf zirka 36 Millionen Franken – regt sich niemand auf. Dass er für sein, zugegeben traumhaftes, Tennisspiel bezüglich Preisgelder demnächst die 50-Millionen-Marke knacken wird, erntet nicht Missgunst, sondern Bewunderung. Weder Dougan noch Federer sind Ausnahmen, Sportlern wird der Lohn gegönnt, Managern nicht. Tatsache ist auch, dass beide gut verdienen, selbst wenn ihre Arbeitgeber Verluste schreiben – wobei das bei Sportlern nie zum Thema gemacht wird. Die Unterschiede sind es, die dazu führen, dass Sportlerlöhne akzeptierter sind, und Unterschiede gibt es durchaus. Die Selektion der Topsportler beispielsweise erfolgt im Vergleich mit Managern um einiges fairer. Man tritt einem Sportclub bei und mit Glück, Talent und viel Einsatz hat man die Chance, Profi zu werden. Bildung hingegen ist je nach Land prinzipiell nur für Geld zu haben (USA) oder schwer zugänglich (überall sonst), vor allem, wenn man in einem bildungsfremden Milieu aufwächst. Je nach Region oder Branche reicht eine gute Bildung sowieso nicht, um für wirklich lukrative Stellen in Betracht gezogen zu werden. Dank funktionierenden, aber oft kaum zu knackenden, Netzwerken sind diese in der Regel schnell besetzt. Und Hocharbeiten dauert. Ein Protegieren ist im Profisport undenkbar, einer der wenigen bekannten Fälle ist Al-Saadi Gaddafi, Sohn von Wüstensturm Muammar, der in der Saison 2005/2006 bei Udinese Calcio in der italienischen Serie A unter Vertrag stand, aber gerade mal ein einziges Mal und nur wenige Minuten zum Einsatz gelangte. Verständlich, schliesslich ist er nur ein durchschnittlich begabter Fussballer. Beispiele von Managern, die trotz Unfähigkeit schon in unzähligen Startformationen standen, gibt es zuhauf. Apropos Zeitdauer. Während einem Manager 40 bis 60 Jahre bleiben, um Geld zu verdienen, muss der Sportler dasselbe in zehn bis 20 Jahren erledigen. Das muss dann reichen, weil die reguläre Bildung und Karriere neben dem häufigen Training oft vernachlässigt wird/werden muss. Nicht jeder ist ein
Jakob Hlasek und verdient in seiner zweiten Karriere (Immobilien) mehr als je zuvor. Auch hat nicht jeder das Glück wie der einstige Wimbledon-Sieger und langjährige Top-Ten-Spieler Goran Ivanisevic nach Karriere-Ende eine, wie er im Interview anlässlich des diesjährigen BNP Paribas Zurich Open selbst sagt, lukrative Trainerstelle antreten zu können. Die Diskussion ist sowieso endlos. Jeder soll sich selber fragen, ob er ein unverschämt hohes Angebot ausschlagen würde oder nicht. Oder man heftet sich an die Fersen von Lionel Messi, dem bestverdienenden Fussballer 2009. Der kleine Argentinier in Diensten des FC Barcelona erzielte gemäss France Football inklusive Werbeeinnahmen ein Einkommen von über 45 Millionen Franken – und fast jeder gönnt ihm jeden einzelnen Rappen. Sein Vertrag läuft bis 2016, seine Ablösesumme beträgt rund 355 Millionen Franken. Klar mehr als die 13,2 Millionen, die UBS der CS für Oswald Grübel «bezahlte». Was meint der vermutlich auch beste Fussballer der Welt dazu? «Ich würde auch umsonst spielen, um professionell Fussball zu spielen.»














