L’Entrepreneur: Marcus Kuhn
Nachgefragt Rino Borini
«L’Entrepreneur» schaut hinter die Kulissen von Unternehmen und stellt die dahinterstehenden Personen vor. Dieses Mal: Marcus Kuhn von connex.io.

Berufliche wie private Kontaktdaten werden mittlerweile auf unzählbaren verschiedenen Plattformen notiert. Wo befindet sich schon wieder der Kontakt von Geschäftspartner X? Bei XING oder doch im Gmail-Adressbuch? Adressbuch-Optimierer connex.io hilft, die Kontakte einfach und intuitiv zu verwalten und führt sie in einem duplikatfreien Adressbuch zusammen.
PUNKTmagazin_War die Gründung eine Bieridee oder von langer Hand geplant?
Marcus Kuhn_Die Idee entstand 2009 während eines Seminars an der Uni, als eine Kursleiterin erzählte, dass sie ihre Adressen mit Excel verwaltet. Ich dachte mir, dass es eine effizientere Lösung für die Verwaltung von Kontaktdaten geben muss. Die Gründung von connex.io erfolgte ein Jahr später, allerdings eher überraschend, da ich meinen kongenialen turkmenischen Mitgründer per Zufall in Singapur kennen lernte.
Ihre Vision?
Adressbücher automatisch zu verwalten so dass sich Leute um wichtigere Dinge kümmern und entspannen können.
Wie viele Seiten umfasst der Businessplan und wie wichtig ist er im Alltag?
Der Businessplan umfasst rund 15 Seiten mit dem Titelblatt und allem. Dazu kommt eine Finanzplanung. Der Businessplan wird bei uns periodisch der Realität angepasst, im Alltag selbst spielt das Dokument eine untergeordnete Rolle, die Finanzplanung ist da wichtiger.
War es einfach, an Kapital zu kommen?
Einfach nicht, aber auch nicht unmöglich. Ich habe gemeinsam mit meinem Mitgründer Ata eine gute Basis gelegt, fleissig genetzwerkt und zum richtigen Zeitpunkt ging es dann relativ rasch. Das Fundament für die Finanzierung zu legen, dauerte lange und war intensiv. Aber es hat sich gelohnt.
Wie haben Freunde reagiert?
Mein Freundeskreis hat ausschliesslich positiv reagiert und mich moralisch stark unterstützt. Bei meinem Vater war da schon ein wenig mehr Überzeugungsarbeit nötig. Einer der grössten Beeinflusser war und ist ein anderer Schweizer Unternehmer, welcher mich mit seinen kritischen Fragen in die richtige Richtung gelenkt hat. Unter anderem hat er mir klar gemacht, dass Entrepreneur sein immer nur Vollzeit geht.
Ihre grösste Herausforderung?
Immer jene, die einen aktuell unter Druck setzt.
Und wie gehen Sie mit Herausforderungen um?
Es gibt keinen anderen Weg, als die Sache in Angriff zu nehmen. Ich hole mir dazu oft Rat von Aussen und stürze mich dann ins Gefecht.
Der grösste Misserfolg?
Ich habe einen sehr guten Freund von mir ins Unternehmen genommen und daran ist die Freundschaft innerhalb kürzester Zeit zerbrochen.
Was haben Sie daraus gelernt?
Erwartungshaltungen klarer abzusprechen.
Ein verrücktes Erlebnis?
Nicht unbedingt verrückt, aber es war sehr erfreulich, als mein Mitgründer und ich uns nach 15 Monaten zum ersten Mal wieder sahen. Wir hatten bis zu diesem Zeitpunkt als virtuelles Team zusammen gearbeitet, um Geld zu sparen. In den drei Tagen, die wir in Dubai verbrachten, haben wir viel gelacht aber auch viel erledigt. Ata und ich arbeiten übrigens bis heute virtuell zusammen, da es für ihn als Turkmene nicht einfach ist, eine Arbeitsbewilligung für die Schweiz zu erhalten.
Das Ärgerlichste, das Sie mit connex.io erlebt haben?
Uns ist eine Investitionsrunde am Tag der Unterschrift geplatzt. Das war Bestandteil des Lernprozesses.
Was würden Sie tun, wenn ihr Unternehmen morgen Pleite geht?
Einen Monat Urlaub und dann das nächste Projekt in Angriff nehmen. Nach einigen Wochen nichts tun, wäre es mir auch ordentlich langweilig.
Wie lautet Ihre Devise als Unternehmer?
Machen und nicht nur reden.
Wie viele Stunden arbeiten Sie?
Etwas über sechzig Stunden die Woche.
Und zum Schluss: Wer sind Sie eigentlich?
Ich bin ein 28-jähriger Schweizer Unternehmer, der in St.Gallen und Singapur Betriebswirtschaft (BWL) studiert hat und dann eine ganz andere Karriere eingeschlagen hat, als dies seine Ausbildung erahnen lässt.















