L’Entrepreneur: Peter Heimlicher
Worte Rino Borini
«L’Entrepreneur» schaut hinter die Kulissen von Unternehmen und stellt die dahinterstehenden Personen vor. Dieses Mal: Peter Heimlicher von Contrinex.

Contrinex ist Weltmarktführer für Miniatursensorik und Technologieführer im Bereich der induktiven Sensoren. Das Schweizer Unternehmen mit Sitz in Givisiez wuchs von einem Einmannbetrieb zu einer kleinen multinationalen Unternehmensgruppe mit über 500 Mitarbeitern. 2011 erwirtschaftete Contrinex einen Umsatz von rund siebzig Millionen Franken. Entrepreneur, Gründer, CEO und Hauptaktionär ist Peter Heimlicher.
PUNKTmagazin_ War die Gründung eine Bieridee oder von langer Hand geplant?
Peter Heimlicher_ Vor der Gründung gab es während rund drei Jahren Ad-hoc-Arbeiten und Projekte. Als sich zeigte, dass daraus etwas werden kann, habe ich Contrinex gegründet. Dies, obwohl viele Freunde wenig Verständnis zeigten und meinten, eine Karriere in einer angesehenen Firma wäre viel aussichtsreicher.
Ihre Vision?
Ich bin kein Freund dieses Modebegriffs und zitiere dazu gerne Helmut Schmidt: «Wer Visionen hat, sollte lieber gleich zum Arzt gehen.» Mir geht es darum, als Forscher und Entwickler Produkte auf den Markt zu bringen, die besser sind als die der Konkurrenz. Als Unternehmer will ich innovative Wege gehen und eine führende Marktposition einnehmen.
Wie viele Seiten umfasst Ihr Businessplan? Spielt er im Alltag eine Rolle?
Eine einzige. Er ist nur Ausdruck des unternehmerischen Wollens und nicht umgekehrt.
War es einfach, an Kapital zu kommen?
Ich startete ohne Kapital und der Grundstock wurde sogar durch Fronarbeit erarbeitet. Die ersten Prototypen habe ich abends und an den Wochenenden in meiner Studentenbude in Zürich entwickelt. Produziert habe ich diese – wohlgemerkt immer noch während meiner Studienzeit – im Elternhaus. Erst nach dem Verkauf dieser ersten Produkte hatte ich das Kapital, um die Firma schliesslich zu gründen.
Was war rückblickend die grösste Herausforderung?
Das Jahr 2009 zu überleben. Wir hatten einen Umsatzeinbruch von 38 Prozent – das bringt einen um! Wir waren dennoch von unseren Produkten überzeugt und mit Kurzarbeit konnten wir dafür sorgen, dass wir keine Stellen abbauen mussten. Bereits im Folgejahr haben wir wieder ansehnliche Zahlen erwirtschaftet. Ich gehe mit Herausforderungen grundsätzlich rational und energisch um.
Der grösste Misserfolg?
Die von den Gründungspartnern erzwungene Trennung. Daraus habe ich gelernt, entweder nicht mit Partnern zu arbeiten, oder sich nach einer bestimmten Anzahl Jahren auf eigene Initiative zu trennen.
Das Ärgerlichste, das Sie bisher erlebt haben?
Die Beziehungen zu den Banken. Es gibt aber – leider nur wenige – Ausnahmen. Ein Albtraum war auch die Expansion nach Brasilien. Auf dem Zollgelände wurden ein paar wenige Produktbestandteile gestohlen und dann stimmte natürlich der Lieferschein nicht mehr. Solche und weitere bürokratische Hürden führten dazu, dass unsere Maschinen während sechs Monaten beim brasilianischen Zoll lagen.
Was würden Sie tun, wenn Ihr Unternehmen morgen Pleite ginge?
In Pension gehen. Ich werde demnächst 67 Jahre alt.
Wie lautet Ihre Devise als Unternehmer?
Produkte auf den Markt zu bringen, von denen der künftige Anwender noch nicht weiss, dass er sie benötigen wird. So haben wir beispielsweise 1978 spezielle Sensoren entwickelt, von denen man damals gesagt hatte, sie seien technisch gar nicht möglich, und sowieso: Niemand brauche so etwas. Von diesen wenig aufmunternden Rückmeldungen liessen wir uns nicht beirren. Das war damals unser Durchbruch.
Wie viele Stunden arbeiten Sie pro Woche?
Sechzig bis siebzig.
Und zum Schluss: Wer sind Sie eigentlich?
Ich bin ein begeisterter Ingenieur, Unternehmer und Pianist. Zudem versuche ich, die Kulturen der Kunden zu verstehen, nur so hat man Erfolg. Schliesslich macht der Mensch das Geschäft, nicht die Technik. Deswegen lernte ich beispielsweise chinesische Schriftzeichen und las einige Bücher über die chinesische Geschichte, bevor wir nach China expandierten.















