L’Entrepreneur: Carlo Magnano
Nachgefragt Rino Borini
«L’Entrepreneur» schaut hinter die Kulissen von Unternehmen und stellt die dahinterstehenden Personen vor. Dieses Mal: Carlo Magnano von Vital Punkt.
Carlo Magnano wagte mit Vital Punkt den Schritt in die Selbständigkeit bereits in jungen Jahren. Mittlerweile werden die Gesundheits-, Bio- und Vitalprodukte auch in Lokalen in Zürich, Basel, St. Gallen, Olten und Baden verkauft. Daneben ist Magnano im Immobiliengeschäft tätig. 2008 übernahm er zudem die traditionsreiche Tirggel-Bäckerei Biscuits-Suter in Schönenberg. Insgesamt beschäftigt Carlo Magnana über hundert Mitarbeiter.
PUNKTmagazin_War die Gründung eine Bieridee oder von langer Hand geplant?
Carlo Magnana_ Bei mir war der Drang zur Selbständigkeit schon immer gross. Nach ein paar Jahren im Detailhandel und Weiterbildungen wusste ich, was mir Spass machen würde und hatte entsprechende Ideen. Als dann in der Nähe des Zürcher Paradeplatzes zufällig ein geeignetes Ladenlokal frei wurde, wagte ich den Schritt. Ich war damals 24 Jahre alt.
Ihre Vision?
Es gibt Visionen, die man umsetzen kann und solche, die Luftschlössern gleichen. Ich verfolge keine Vision, sondern Ziele. Die möchte ich aber nicht verraten. Am Ende gilt jedoch immer: Egal, was ich als Unternehmer mache, es muss wirtschaftlich sinnvoll und tragbar sein.
Wie viele Seiten umfasst Ihr Businessplan? Spielt er im Alltag eine Rolle?
Beim Start hatte ich gar keinen Businessplan. Mittlerweile, auch bedingt durch die Grösse des Betriebs, gibt es einen. Darin sind auch alle Strukturen klar definiert, das ist schon wichtig.
War es einfach, an Kapital zu kommen?
Für mich war die Finanzierung kein Problem, da ich etwas angespart hatte. Entscheidend war meine Einstellung: Zu Beginn habe ich alles allein durchgeboxt. Das erste Ladenlokal richtete ich mit Secondhand-Möbeln ein. Auch die Wände habe ich selber gestrichen.
Was war rückblickend die grösste Herausforderung?
Eine fortwährende Herausforderung ist es, zu den Mitarbeiten ein Vertrauensverhältnis aufzubauen. Aber ganz allgemein ist der Aufbau einer Firma mit harter Detailarbeit verbunden. Das gilt umso mehr für Betriebe, bei denen ich branchenfremd war.
Wie gehen Sie mit Herausforderungen um?
Ganz unterschiedlich. Wichtig ist eine offene und vor allem ehrliche Kommunikation. Sie ist der Schlüssel zum Erfolg.
Was war der grösste Misserfolg?
Was ist schon ein Misserfolg? Ich werte eine Filialschliessung – und diese hatten wir bei Vital Punkt – nicht als Misserfolg. Es gab wirtschaftliche Gründe, die dazu führten. Nach solchen Entscheidungen gehen dafür wieder neue Türen auf. Dieses Verständnis ist wichtig.
Das Ärgerlichste, das Sie bisher erlebt haben?
Ich habe kein besonderes Erlebnis im Kopf. Grundsätzlich ärgert es mich, wenn Versprechen nicht eingehalten werden. Und wenn dies der Fall ist, kann schon auch mal mein sizilianisches Blut zu Kochen beginnen. Dann bin ich nicht mehr der liebe und nette Carlo.
Was würden Sie tun, wenn Ihr Unternehmen morgen Pleite ginge?
Das Leben geht auch in einem solchen Moment weiter. Mir würde es definitiv nicht langweilig werden, bei all den Ideen, die ich im Kopf habe.
Wie lautet Ihre Devise als Unternehmer?
Ehrlichkeit. Und damit meine ich nicht nur ehrliches Geschäften – das ist sowieso eine Selbstverständlichkeit –, sondern auch einen ehrlichen Meinungsaustausch. Ich spreche Probleme direkt an. Das passt nicht immer allen, aber erleichtert einiges. Auch mir soll man direkt ins Gesicht sagen, wenn etwas nicht passt.
Wie viele Stunden arbeiten Sie pro Woche?
Das kann ich nicht sagen. Wenn viel läuft, dann arbeite ich viel. Wenn es etwas weniger läuft, geniesse ich ein bisschen mehr Freizeit.
Und zum Schluss: Wer sind Sie eigentlich?
(lacht) Das frage ich mich auch jeden Tag. Ich bin einfach nur ein Mensch, der Freude am Leben hat, der gerne kreativ ist. Als Privatperson ist mir Geld nicht so wichtig, denn Geld allein macht nicht glücklich. Abwechslung zum Alltag finde ich beim Singen und Leistungssport.



















