Kronzeugnis – und mehr
Worte Querdenker
Wer hätte das gedacht? Nun hat auch das Internet seinen ersten Freiheitskämpfer hervorgebracht. Pünktlich zur Weihnachtszeit werden wir Zeitzeugen einer Hetzjagd. Hollywood und Herodes gemeinsam hätten es nicht besser inszenieren können, denn der Internet-Tell vereint die Charaktere von Dr. Richard Kimble, Calimero und Austin Powers. Er ist aus der Internet-Retorte auferstanden, um die wohl wahnsinnigste Persönlichkeit aller Zeiten zu werden. Ein durchgeknallter Freimaurer? Sonderbar ist er alleweil, was die Chancen einer erfolgreichen Diffamierung seiner Person zusätzlich erhöht. Zurzeit irrt er als digitaler Kachelmann durch das Web. Aus Sicht der Obrigkeit ist der Freidenker gesellschaftliches Napalm, versehen mit dem Marschbefehl, die Obrigkeit zu brandschatzen. Ihm geht es sicherlich nicht um Gerechtigkeit oder um die Suche nach der absoluten Wahrheit. Es liegt auch nicht an uns, das Cyber-Findelkind als den absoluten Weltverbesserer hinzustellen, der das Internet für seinen persönlichen Selbstfindungsprozess missbraucht. Sein Scheitern in der Zivilgesellschaft, sein Wissen um die eigene Grenzwertigkeit und der Drang nach Anerkennung machen ihn zum radikalsten Internetaktivisten aller Zeiten. Die zentrale Frage lautet, ob seine Ideologie von der Internetgemeinde auf die Analoggesellschaft überspringt und eine neue Massenbewegung auslöst. Der Wahnsinn hat einen Namen: Julian Assange. Der Mitbegründer von Wikileaks greift mit seinen weltweiten Whistle-Blower-Servern den US-Staat frontal an, der nun selbst am peinlichen Internetpranger hängt. Wer hätte gedacht, dass sich das ach so moralische Amerika mit seinem eigenen Anspruchsniveau und den schonungslosen Verwerfungen seiner Aussenpolitik konfrontiert sieht. Wikileaks ist das webbasierte Awacs-System gegen politische Skrupellosigkeit und wird somit ungewollt zum Konkurrenten von Amnesty International. Google wird zweifelsfrei mittels vollkommener Transparenz seinen erheblichen Beitrag am zukünftigen Erfolg von Wikileaks leisten. Das Internet wird zur Heimat der einflussreichen Hinweisgeber, mit der Hoffnung, Verbrechen an der Menschlichkeit endgültig auszurotten. Kaum zu glauben, dass das Internet – seineszeichens voller Kinder-Pornographie – einmal die Weltmoral beheimaten würde und das vollzieht, was der Dalai Lama über Jahrhunderte hinweg vergeblich versucht hat. Pazifismus ist gut, Öffentlichkeit und Wahrheit sind besser. Wird die virtuelle Welt zum Geburtshelfer einer neuen Weltmacht, die endlich Waffen offener Kommunikation und Transparenz in den Dienst der Menschlichkeit stellt? Wird uns Assange an der «Leidplanke» hängend von den Sünden unserer Politiker und derer, die sie gewählt haben, befreien können? Es bleibt nur zu hoffen, dass Wikileaks nicht Opfer von staatlich manipulierten Beweisen wird. Ich bin mir sicher, dass mit Hilfe von Wikileaks die Massenvernichtungswaffen-Weltlüge der Herren Blair und Bush bereits im Vorfeld des Irak-Feldzuges aufgeflogen wäre. Colin Powell, damaliger US-Aussenminister, wäre dann wohl der bekannteste Kronzeuge aller Zeiten geworden. In diesem Sinne: «I have a dream!»
Der Querdenker hat sich die «etwas andere Informationsvermittlung» auf seine Fahne geschrieben. Diese ist stets gehisst, auch dann, wenn der Wind eisig bläst.















