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Worte Cyril Schicker
Seelisch-geistige Faktoren wie das Gefühl von Sicherheit oder Freiheit beeinflussen die Gesundheit merklich. Kreative Freiräume wie auch Freundschaften gehören ebenso zum Einflussbereich. In einer von Kriegen geprägten Welt, die darüber hinaus schmerzlich oft mit Naturgewalten, Attentaten und Pandemien oder Epidemien konfrontiert wird, dürfte das seelisch-geistige Wohlbefinden keine Selbstverständlichkeit mehr sein. Exemplarisch ist die «weltweit hausierende Schweinegrippe». Zuerst führte sie zu einer Art Panik, dann verebbte das Ganze und keimte nach nur kurzer Zeit wieder auf.
Dass lange die nötigen Impfstoffe fehlten und die Informationsgepf logenheit seitens Staat zu wünschen übrig liess, förderte das Ungemach merklich. In der Schweiz wurden Mitte November 2009 die ersten Schweinegrippentodesfälle bekannt gegeben. Laut Bundesamt für Gesundheit (BAG) gab es in der 46. Kalenderwoche 1911 neue bestätigte Fälle. Davon mussten 84 hospitalisiert werden, wiederum 16 davon befanden sich in der Intensivpflege. Deutschland war zum selbigen Zeitpunkt und in Bezug auf Schweinegrippe-Tote schon beim Dutzend angelangt.
Die Grippeaktivität nimmt in Asien und Europa gemäss Weltgesundheitsorganisation WHO weiterhin zu. In den USA, Island und Irland ist eine Abnahme erkennbar. Das gilt ebenso für die meisten tropischen Regionen Amerikas. An Orten wie Argentinien, Chile, Uruguay, Australien, Neuseeland und Südafrika sind die Grippeaktivitäten ebenfalls geringer geworden. Zu wissen, wo sich das H1N1-Virus zukünftig wohlfühlt, dürfte besonders für die Reisebranche interessant sein. Selbstverständlich ist das kaum prognostizierbar. Wie geht denn die Industrie damit um, wie sehr spürt sie das Ganze überhaupt? Grégoire Leresche, General Manager Switzerland bei STA Travel, dazu: «Sicher ist die Tourismusbranche von der Angst vor Pandemien betroffen, aber man ist auch im Umgang mit Krisen wie Pandemien, Naturkatastrophen oder Konflikten erprobt.»
Leresche relativiert weiter: «Wir stellen bei Kunden vereinzelte Reaktionen und Angst bezüglich Pandemien fest, allerdings nicht besonders stark. Es ist keine Panik spürbar. Wir erwarten daher auch nicht, dass die Pandemien beziehungsweise die Angst davor einen nachhaltigen Einfluss auf unser Geschäft haben werden.» Marcel Bürgin, Managing Director bei Manta Reisen, sieht das gleich: «Bei den von uns angebotenen Destinationen herrschen (noch) keine solchen Probleme. Eine eigentliche Angst spüren wir denn auch nicht.» Es ist schön zu hören, dass sich die Allgemeinheit nicht ins Bockshorn jagen lässt. Kann man den ungefähren Schaden einer solchen Pandemie beziffern? «Krisen und Konf likte können einen unterschiedlich grossen Einfluss auf die Tourismusbranche ausüben – je nach Ausmass, Schwere und Dauer. Die Welt ist in dieser Hinsicht aber relativ schnelllebig geworden. Entsprechend verebben die meisten Ereignisse rasch», so der General Manager Leresche.
Das Grippenungemach schürt also das Angstgefühl scheinbar kaum. Das beruhigt durchaus, gibt es doch viele andere auf Höchststufe brennende Gefahrenherde, die der Bangigkeit zuträglich sind. So zum Beispiel Kriege. Der kriegerische Missstand im Irak etwa, schätzen Experten, belastet dessen Budget mit rund 400 Millionen Dollar pro Tag. Die Kosten für die USA lassen sich hier längst nicht mehr in Milliarden messen. Finanzguru Dr. Marc Faber sieht das genauso respektive erachtet die US-Kriegslust als grössten Hemmschuh in Bezug auf eine gesundende amerikanische Volkswirtschaft. In dem Zusammenhang zitiert «Dr. Doom» den verstorbenen österreichischen Schriftsteller Karl Kraus: «Krieg. Zuerst hofft man zu gewinnen, dann erwartet man, dass der Feind verliert. Ein wenig später ist man schon zufrieden, wenn der Gegner Verluste hinnehmen muss. Und zu guter Letzt ist man überrascht, dass beide Seiten verloren haben.»
Ein warnendes Augenmerk legt Faber auch auf die sogenannten Mercenaries. Das sind von privaten Sicherheits- und Militärfirmen angeheuerte Söldner. Blackwater Worldwide, der wohl bekannteste «zweischneidige Goldesel», der sich neu Xe Services nennt, generiert Milliardenumsätze. Die Zahl von Unternehmen im Bereich Sicherheitsdienstleistung, so der Schweizer Friedensrat, geht in die Tausende. Sie heissen zum Beispiel KBR Inc., Halliburton, VeTriple Canopy Inc., Aviation, Dyn-Corp International LLC oder Aegis Defence Service Ltd. Die moderne Form des Söldertums stellt inzwischen einen Weltmarkt dar, der rund 100 Milliarden Dollar gross ist. 70 Prozent der Firmen haben ihren Sitz in den USA oder Grossbritannien. Dass längst auch Investmentbanken und Risikokapitalfonds oder Pensionskassen ihre dicken Finger im Spiel haben, mutet seltsam an. Das erwähnte Dreierlei investiert alleine in den USA in 628 verschiedene Militär- und Sicherheitsdienstleister.
Marktführer ist dabei Veritas Capital, eine Risikokapitalgesellschaft im Bereich Private Equity. Veritas wurde 1992 von Bob McKeon gegründet, mit dem Fokus auf Luftfahrt, Sicherheit und Infrastruktur. Sicherheit ist aber auch im kleinen Rahmen, also innert unseren Landesgrenzen, ein Geschäftsfeld, das durchaus Gewinne abwirft. Doch der Preis dafür ist hoch. «Täglich schütze ich mich mit Weste und Pfefferspray. Ausserdem habe ich verschiedene (Kampf-)Ausbildungen gemacht», so Marco Degani, GL-Mitglied und Sicherheitsinstruktor Novaprotect GmbH. Die Sicherheitsfirma beschützt vor allem Zürcher Clubs. Der Sicherheitsmann weiter: «Während meiner 15-jährigen Tätigkeit habe ich schon das Nasenbein gebrochen, die Lippe nähen und Zähne flicken lassen müssen. Mit einem Messer wurde ich auch schon mehrmals attackiert und verletzt.»