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Worte Rino Borini
Die Schuldenkrise nimmt auf beiden Seiten des Atlantiks kein Ende. Während Griechenland Europas Sorgenkind Nummer eins bleibt, ist die jüngste Diskussion um eine allfällige Staatspleite Italiens eher marktgesteuert.
Die Diskussion um die desaströse finanzielle Lage Griechenlands ist schon seit längerem im Gange. Nun befindet sich auch Italien in Schieflage. Eine allfällige Staatspleite hätte weitreichende Folgen, immerhin ist der Stiefelstaat das drittgrösste Land innerhalb der Eurozone. Doch die beiden Südstaaten unterscheiden sich in vielen Bereichen stark. Auf den ersten Blick bereitet Italien die grössten Sorgen, schliesslich ist deren Staatsschuld mit 1740 Milliarden Euro rund fünf Mal grösser als die griechische. Doch diese Zahlen sind mit Vorsicht zu geniessen. Denn betrachtet man die Schuldenlast in Relation zum Bruttoinlandprodukt (BIP), dann liegt immer noch Griechenland an vorderster Stelle. Zudem ist Italien eine der führenden Industrienationen (G7) und Heimat einiger globalen Unternehmen, wie etwa Autobauer oder Modeschöpfer.
Bessere Schuldenstruktur
Müsste Griechenland seine Schulden am Markt finanzieren, würde die Staatsverschuldung innerhalb von fünf bis sechs Jahren auf 300 Prozent des BIP steigen. Einen derart rasanten Schuldenanstieg hat Italien nicht zu befürchten, im Gegenteil. Bei der Neuverschulung 2010 ist Italien sogar ein wahrer Musterschüler. So betrug die Defizitquote im letzten Jahr gerade einmal 4,6 Prozent. Griechenland wies mit 10,6 Prozent eine mehr als doppelt so hohe Neuverschuldung auf.
Auch die Schuldenstruktur beider Nationen ist verschieden. Bei den Italienern liegen die Verbindlichkeiten zu 45 Prozent im Ausland, bei den Griechen sind es deren 80. Während die italienischen Zinszahlungen also zu einem grossen Teil im Inland verbleiben, fliessen sie bei den Griechen mehrheitlich ins Ausland. Die private Sparquote unterscheidet sich übrigens ebenfalls deutlich. Italiener sind sogar richtige Sparfüchse, rund 14 Prozent beträgt die private Sparquote. Bei den Griechen läuft sie gegen Null. Dies hat zur Folge, dass die Italiener ihre Staatsobligationen im Gegensatz zu den Griechen auch im Inland platzieren können.
Balsam für die Zinslast sind die langen Laufzeiten der Verbindlichkeiten. Denn je länger diese ausfallen, desto geringer sind die zu befürchtenden Schwankungen bei den Refinanzierungskosten. Auch hier trumpft Italien auf. Gemäss IWF Country Report Italien sind 75 Prozent der öffentlichen Schulden langfristiger Natur. Bei den griechischen Staatsschulden hingegen fällt die Hälfte in den nächsten fünf Jahren an. Griechenland benötigt darum immer wieder frisches Geld. Aufgrund der aktuell schlechten Lage muss dieses jedoch zu (noch) ungünstigeren Konditionen aufgenommen werden.
Natürlich steht in Italien überhaupt nicht alles zum Besten. So sind die Lohnstückkosten bei unserem südlichen Nachbarn viel zu hoch, was unter anderem die Exporte verteuert. Und je weiter man in den Süden reist, desto mächtiger werden Korruption und Schattenwirtschaft. Eine schlechte Infrastruktur und ineffiziente Behörden verschlimmern die Situation zusätzlich. Und trotzdem ist die Situation nicht mit Griechenland vergleichbar. Kurzum: Die Hellenen sind und bleiben Europas Hauptproblem.
Peter Bänziger, Anlagechef bei Swisscanto, ist davon überzeugt, dass Griechenland die Märkte bis in den Winter beschäftigen wird. Die Probleme sind somit noch lange nicht vom Tisch, und auch die Ansteckungsgefahr für andere Staaten bleibt gross. Mehr dazu im nachfolgenden Videogespräch.