Haben Emails ausgedient?
Worte David Fehr
Der IT-Dienstleister Atos will Emails innert 18 Monaten komplett aus dem Geschäftsalltag verbannen. Verrückt? Nicht unbedingt.

Dass Emails oft mehr Ablenkung als Arbeitshilfe sind, ist nur zu gut bekannt. Gemäss Atos-CEO Thierry Breton sind nur gerade zehn Prozent aller Emails relevant, der Rest überflüssig – und zeitraubend. Er beabsichtigt daher, den unternehmensinternen Email-Verkehr innert 18 Monaten komplett abzuschaffen. Stattdessen sollen die Mitarbeiter wieder vermehrt persönlich oder zumindest per Telefon miteinander kommunizieren. Oder über die extra geschaffene Kollaborations-Plattform. Der Plan von Breton ist ehrgeizig, findet aber durchaus Zuspruch.
Technologie für Feiglinge
Manch einer ist gar der Ansicht, Email sei sowieso nur eine Übergangstechnologie: zu statisch, zu langsam, zu umständlich – und vor allem unpraktisch. Darauf deutet unter anderem die Tatsache hin, dass die Betreffzeile in den allermeisten Fällen gar nicht, oder höchstens für Begrüssungsfloskeln wie «Hey», «Sali» oder «Gugus» genutzt wird. Zudem wird die Kommunikationsform Email oft gewählt, um unangenehme Sachverhalte anzusprechen, mit anderen Worten: Email ist für Feiglinge.
Dass eine erfolgreiche Karriere ohne Emails möglich ist, beweist Luis Suarez. Der IBM-Ingenieur hatte vor vier Jahren ein für allemal genug von der täglichen Email-Flut und hörte- ganz einfach auf, sie zu beantworten. Kommunizieren tut er seitdem insbesonders über öffentliche Netzwerke wie Twitter und Google+. Das sei praktischer und darüber hinaus könnten Doppel-spurigkeiten verhindert- werden. Einzig für Sitzungseinladungen prüft der auf Gran Canaria lebende Manager gelegentlich seine- Inbox. Seit er nicht mehr so viel Zeit mit der Beantwortung von Emails verbringe, habe er mehr Zeit für andere Dinge, sagt -Suarez. Arbeiten zum Beispiel.

















