Ratten zur Minen-Aufspührung
Worte Cyril Schicker
Synonyme und Akronyme haben Hochkonjunktur. Zu Recht, denn hinter ihnen verstecken sich oft wunderbare Institutionen. So etwa das Projekt Apopo, wo gewöhnliche Ratten zur Minen- und Tuberkulose-Aufspürung abgerichtet werden.
Für Stereotypisierte ist der Schwarze Kontinent auch heute noch oft Synonym für Drogen, Gewalt, Armut, Kriege, Voodoo und (Frauen-)Beschneidungen. An den Klischees ist sicher etwas Wahres dran, doch sollte daneben auch den unzähligen Akronymen, die Afrika mit sich bringt – in welcher Form auch immer – Augenmerk verliehen werden. OPEC, die Organisation erdölexportierender Länder, gehört sicherlich zu den bekanntesten. In dieselbe Kategorie fallen UNO (Vereinte Nationen), IWF (Internationaler Währungsfonds, auch bekannt unter IMF), OECD (Organisation für wirtschaftliche Zusammenarbeit und Entwicklung), Unesco (Organisation der Vereinten Nationen für Erziehung, Wissenschaft und Kultur) und Unctad (Konferenz der Vereinten Nationen über Handel und Entwicklung). In der Aufmerksamkeitsskala eher weiter unten befinden sich Aegis (Schweizer Afrikaforschung im europäischen Netz von Afrikazentren), Codesria (Development of Social Science Research in Africa), Nepad (New Partnership for Africa’s Development) und MEND (Movement for the Emancipation of the Niger Delta). Währenddem letztere einen staatlichen Hintergrund aufweisen, kommt der Impetus für Apopo von einer Privatperson (Stichwort Social Entrepreneurship). Das vom Niederländer Bart Weetjens initiierte Projekt ist darauf ausgerichtet, Landminen aufzuspüren. Doch weder Mensch noch Maschinen stehen, nebst Minen natürlich, im Fokus, sondern unser aller Lieblinge: (speziell trainierte Helden-)Ratten. Sie verfügen über ein dem Menschen um Welten überlegenes Riechorgan und werden ihres niedrigen Gewichts wegen selten bis nie in die Luft gesprengt. Heldenratten können täglich ein bis zu 16 Mal grösseres Gebiet abgrasen als ein Mensch und erfüllen inzwischen sogar die International Mine Detection Standards. Die intelligenten Tiere leben im Schnitt acht Jahre lang, sind kostengünstig im Unterhalt und ausserdem dazu befähigt, sofern so trainiert, Tuberkulose (jede Sekunde infiziert sich ein Mensch mit ‹Morbus Koch›) zu erschnüffeln. Apopo wird inzwischen von Privaten und vom Staat finanziert, mit dem Jahresbudget von 1,5 Millionen Franken konnten schon hunderte von Menschenleben gerettet werden. Doch wie vielerorts gilt: Das ist noch immer weitaus zu wenig.














