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Worte David Fehr Bild Elias Ulli
Ursprünglich stammt das Konzept der Nachhaltigkeit aus der Forstwirtschaft. Wie steht es 2011, im Internationalen Jahr der Wälder, um das hiesige Gehölz?

Ein erstes Mal Erwähnung fand der Begriff «Nachhaltigkeit» 1713 in einer Publikation des Kameralisten (heute Buchhalter) Hans Carl von Carlowitz. In dieser forderte er eine «continuierliche beständige und nachhaltende Nutzung» der Wälder, jedoch ohne diese genauer zu erläutern. Dies tat schliesslich Forstwissenschafter Georg Ludwig Hartig 1732 in seiner Schrift «Anweisung zur Taxation und Beschreibung der Forstbestände». Erstmals überhaupt mit der Thematik auseinandergesetzt – freilich ohne den Begriff Nachhaltigkeit zu benutzen – hat sich die Forstordnung des Bistums Speyer bereits 1442. Schon damals sah man ein, dass ein nachwachsender Rohstoff wie Holz für künftige Generationen nicht zerstört werden darf.
Dieser Konsens gilt auch heute noch, nicht zuletzt deshalb ernannte die UNO 2011 zum Internationalen Jahr der Wälder. Anlass genug, die Situation hiesiger Wälder genauer unter die Lupe zu nehmen – dem «Jahrbuch Wald und Holz 2010» des Bundesamtes für Umwelt (BAFU) sei Dank. Gemäss diesem sind hierzulande rund 30 Prozent (über 1,2 Millionen Hektar) der Fläche bewaldet, wobei jährlich etwa 120 Hektar, vor allem für Verkehr, Entsorgung und Rohstoffgewinnung, gerodet werden. Der haushälterische Umgang hat zur Folge, dass der Waldbestand seit 1945 um fast 25 Prozent gestiegen ist.
Auch das Waldsterben in den 80-er Jahren tat dem keinen Abbruch. Denn wie man heute weiss, ist ein gewisser Anteil kranker Bäume normal. Nicht normal waren dagegen diese Unmengen an Schwefeldioxid und Blei, die damals in die Luft gelangten. Doch dieses Problem konnte eingedämmt werden: Der Schwefeldioxidausstoss wurde von 34 Mikrogramm pro Kubikmeter (1988) auf deren 6 (2007) gesenkt. Der Bleiausstoss konnte gar von 250 Nanogramm pro Kubikmeter (1991) auf praktisch 0 (2007) reduziert werden. Auch darum gehts den helvetischen Wäldern heute gesundheitlich prima. Die Massenvermehrung der Borkenkäfer nach dem Sturm Lothar und dem Hitzesommer 2003 ist vorüber, der Totholzanteil beträgt wieder normale 20 Prozent. Mit 32 Prozent liegt die Kronenverlichtung zwar etwas höher, als sie maximal sein sollte (25 Prozent), doch die Sterberate von 0,2 Prozent ist nicht alarmierend.
Die grösste Gefahr ist, wen wunderts, immer noch der Mensch. Durch Unachtsamkeit beim Feuerentfachen brannte es 2009 rund 52 Mal auf insgesamt 42,5 Hektar Fläche – der Grossteil der Brände geschah übrigens im Winter. Der gute Allgemeinzustand hiesiger Wälder ist kein Zufall, sondern eine Folge cleverer Forstpolitik. Nicht umsonst ist die schweizerische Waldgesetzgebung, zusammen mit fünf anderen Regelwerken, für den Future Policy Award nominiert, der im September 2011 am Hauptsitz der UNO verliehen wird.