Lust am Lesen?
Abonnieren Sie PUNKTmagazin zu attraktiven Konditionen
Worte Joerg Suter
Holzklötzchen und Brio-Bahnen sind für Kinder lerntechnisch besonders wertvoll, nachhaltig und gesundheitlich unbedenklich. Weit gefehlt! Das zumindest sagen Studien über deren Schädlichkeit.
Elf Prozent betrug in der Schweiz das Umsatzwachstum bei traditionellen Spielwaren im ersten Halbjahr 2011 im Vergleich zur Vorjahresperiode. 450 Millionen Franken Jahresumsatz werden 2011 in diesem Sektor laut Rolf Burri, Präsident des Schweizerischen Spielwarenverbands, erwartet. Ähnlich viel wie beim elektronischen Spielzeug (500 Millionen Franken). Holz – seit das Waldsterben als Falschmeldung erklärt wurde der Inbegriff für Nachhaltigkeit – liegt bei Spielwaren voll im Trend, jedenfalls bei Eltern, Göttis und Tanten. Unmengen davon liegt in Form von Brio-Bahnen, Spielbauernhöfen, Klötzchen und Puppenhäusern alljährlich unter den Weihnachtsbäumen.
«Da hatten auch wir schon Freude- daran», spricht’s aus der heiligabendlichen Sofaecke. Verkäufer und Hersteller betonen, wie wertvoll das Material Holz für die Entwicklung der Kinder sei. Und gesundheitlich viel unbedenklicher als das giftige- Plastik aus China oder die nervösen und krank machenden Computerspiele. Da verdrängt man gerne auch jene Spielwarentests aus Deutschland, die – gerade- in Holzspiel-waren – wiederholt Schadstoffe nachgewiesen haben. So unter anderem Stiftung -Warentest, die in einer Untersuchung Ende 2010 in sämtlichen 15 untersuchten Holzspielzeugen schädliche Stoffe nachwies. Allein in den Eisenbahnen von Brio stellten die Forscher erhebliche Mengen Flammschutzmittel, polyzyklische aromatische Kohlen-wasserstoffe (PAK) und Nickel fest, das sich beim Berühren freisetzt. PAK wurde auch in einem Holzspielzeug für Kleinkinder von IKEA nachgewiesen. In Holzpuzzles fand man Formaldehyd und in Holzbausteinen Nonylphenol, dem ironischerweise schädigende Wirkung auf Fruchtbarkeit und Fortpflanzungsfähigkeit nachgesagt wird. Nur gerade 8 der total 50 getesteten Spielsachen sind gänzlich frei von Schadstoffen. Sechs davon sind aus Plastik. In der Testwiederholung im Oktober 2011 konnten keine wesentlichen Verbesserungen festgestellt werden.
Was soll’s, sagt der Nostalgiker: «Früher hat uns das ja auch nicht umgebracht.» Was soll’s, sagt auch der der Master of Advanced Studies in Education: «Hauptsache, sie werden optimal aufs Berufsleben vorbereitet und lernen, sorgsam mit der schadstoffbelasteten Umwelt umzugehen.»