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Worte Cyril Schicker
Er spricht viel und laut, er igelt sich nicht ein, er zeigt gerne, was er hat oder hätte haben können. Hans Leutenegger, der Mann aus dem Thurgau, hat die Welt erobert, sich Klaus Kinski zum Freund gemacht und nicht wenige Wirtschaftskrisen gemeistert.
Bedient man sich der Telefonauskunft und fragt nach der Nummer eines Leutenegger, dann kommen schweizweit beinahe 500 Personen in Frage. Von einer bestehenden Sicherheit, auf die Schnelle und auf diesem Wege den richtigen Leutenegger ausfindig zu machen, kann hier also kaum die Rede sein. Doch auch die Auskunftsdame ist verunsichert, normalerweise hätten die Anrufer eben mindestens einen Anhaltspunkt mehr.
Selbstverständlich weiss die freundliche Stimme am anderen Ende der Leitung nicht, dass nicht irgendein Leutenegger aus irgendeiner Region in der Schweiz gesucht wird, sondern vielmehr der wohl bekannteste Leutenegger überhaupt: Hans Leutenegger. Leutenegger ist ein Tausendsassa, den – zu Unrecht – noch immer viele in die Kategorie Cervelatprominenz stecken. Leutenegger ist aber viel zu «gross», viel zu kosmopolitisch, viel zu erfahren, viel zu talentiert, viel zu erfolgreich, viel zu ehrlich und viel zu geerdet, um sich derart lapidar in dieser Schublade versorgen zu lassen.
Der Mann, der aus einfachen Verhältnissen stammt, ist wie ein Bauchladen voller spitzbübischer Anekdoten, glanzvoller Errungenschaften und einmaliger Erfolge. Angesichts seines biografischen Zickzackkurses dürfte das eigentlich auch nicht weiter erstaunen, doch Hans Leutenegger ist dennoch eine Ausnahmeerscheinung. Dies natürlich nicht nur, weil ihn (dreistelliges Millionenvermögen) die «Bilanz» regelmässig in der Liste der reichsten Schweizer führt. Denn all das Geld musste der 69-jährige Thurgauer selber erarbeiten. Und so schätzt er die Höhe seines Bankkontos umso mehr: «Reichtum ist etwas sehr Schönes, er gibt eine gewisse Sicherheit.»
Er weiter: «Doch Sie müssen sehen, ich musste mir das regelrecht erkämpfen oder besser gesagt erarbeiten. Nun pflege ich mein geschätztes Umfeld damit.» Damit meint er übrigens nicht das Börsenumfeld, denn wenn sein Geld nicht auf dem Sparbuch liegt, dann ist es in Immobilien angelegt. Und davon hat er einige, so beispielsweise in der «französischen» Schweiz, in der Innerschweiz und auf den Kanarischen Inseln. Der ehemalige Bauschlosser und Kranzschwinger erwartet, dass sich die Börsenwogen wieder glätten und rät, sich nur dann ins Börsengetümmel zu stürzen, wenn man das eigene Geld investiert.
Den grossen Reibach hat Leutenegger mit seiner Hans Leutenegger AG, einem der führenden Personaldienstleister im Bereich Industrie, Chemie, Bau und Technik, gemacht. Die Leutenegger’sche Firma macht derzeit rund 100 Millionen Franken Umsatz und beschäftigt um die 1000 Mitarbeitende. «Hausi», so wird er von der ganzen Nation genannt – dies als direkte Folge der gewonnenen Medaillen, als ihn auch ausländische Bewunderer «Goldhausi» riefen –, leitete die Geschicke während ehrvollen 45 Jahren und hat als überdurchschnittlicher Manager vier härtere Krisen überstanden. Der Stolz ist ihm denn auch anzumerken: «Dazu muss ich sagen, dass wir laufend neue Mitarbeitende gesucht haben.»
Auch beim Firmenthema kommt er mächtig in Fahrt: «Wir sind auf lange Sicht hinaus tätig und erachten die Belegschaft als wichtigstes Standbein unseres Erfolges.» Damit greift er gleich der nächsten Frage (nach dem Erfolgsrezept beziehungsweise den Führungsgrundsätzen) vor. «Nun, Ehrlichkeit ist eines der Gebote. Mitarbeitervertrauen geht in diese Richtung, es herrscht bei uns absolut kein Kontrollzwang. Dies alleine führt schon zu einem prosperierenden Geschäftsgang», meint Leutenegger, der jetzt dort noch als Verwaltungsratspräsident amtet. Ohne gross Luft zu holen, schlägt der gewiefte Selfmade-Millionär den Brückenschlag zur aktuellen Wirtschaftslage.
«Es kommt mir sicher auch zugute, dass 100 Prozent der Firmenanteile in Familienbesitz sind.» Sicherheit scheint noch immer sein steter Wegbereiter zu sein. Wie steht es denn um die Sicherung seiner Nachfolge? Wie ist diese geregelt respektive greift das sogenannte Business Continuity Management in seiner Industriefirma? Leutenegger wäre nicht Leutenegger, wenn dem nicht so wäre: «Selbstverständlich, meine Tochter, mein Sohn und mein Schwiegersohn arbeiten bereits in meiner Firma.» Er weiter: «Dem Generaldirektor, Urs Vögele, – ihn kenne ich relativ gut – obliegt jetzt die operative Führung. Das alles gibt mir viel Zuversicht.»
Es ist unbestritten, einige aus den landesweiten Führungsetagen können vom «alpinen Burt Reynolds» noch immer viel lernen. Die grösste Herausforderung hinsichtlich seiner Firma sieht er nicht im jetzigen Wirtschaftsumfeld, sondern in der längst eingeläuteten Deutschland-Expansion. Das Nachbarland liegt ihm am Herzen, entsprechend wichtig ist ihm diese länderübergreifende Firmenvergrösserung: «Auch wenn ich in Genf wohne, mit den Franzosen geht es weniger gut als mit den Deutschen. So sind wir bereits in Eschbach und in Karlsruhe vertreten. Das reicht uns aber nicht, zumal ich es eben mit ‹diesen Nachbarn› sehr gut habe.» Leuteneggers Stimme erhöht sich angenehm leicht, wenn der umsatztechnisch wichtigste Handelspartner zur Sprache kommt.
«Momentan rennen mir deutsche Fernsehstationen beinahe die Türe ein. Jeden Tag kriege ich auch Fanpost oder sonstige Aufmunterungsbriefe. So etwas freut mich ungemein. Dass ich früher bei der Serie Tatort mitgemacht habe, trägt aber sicher zur Popularität bei. Sie müssen es sich mal vorstellen, ich habe sogar schon etliche Anfragen von inwie ausländischen Firmen erhalten, die meinen Namen verwenden möchten.» Dass diese Art von Franchise lukrativ wäre – auch wenn er es nicht nötig hat, noch mehr Geld zu verdienen –, ist nicht von der Hand zu weisen. Goldhausi «jongliert» nun mit Zahlen: «Bei einer Schätzung bezifferte man alleine den Wert meines Namens auf bis zu 100 Millionen Franken.»
Das ist ein durchaus eindrücklicher Wert. Eindrücklich ist auch Leuteneggers Sportpalmarès. Hat er sich doch nicht nur zum Nationalturner hinaufgeturnt, sondern an der Olympiade in Sapporo (Japan) auch gleich eine Goldmedaille im Viererbob eingeheimst. Auch jetzt noch fährt der angefressene Golfer, sein aktuelles Handicap liegt bei elf, mehrere Tausend Kilometer Rad im Jahr, vorzugsweise auf den Kanaren. Winters fährt er ganz gerne Ski, am liebsten mit seinem eigenen Skiclub. Welche Steckenpferde reitet der umtriebige Selbstmacher denn sonst noch? «Ich lese viel, verschlinge dabei nicht nur jede erdenkliche oder erhältliche Zeitung, sondern ebenso gerne Bücher. Darüber hinaus schaue ich gerne fern und was mich nicht minder brennend interessiert, das sind Vögel.»
Da möchte man natürlich gleich wissen, welche Arten der «Hobby- Ornithologe» gerne hat und welche er gar nicht mag: «Elstern und Krähen sind mir ans Herz gewachsen, die sind schlau, das gefällt mir gut. Fünf Papageien wohnen bei mir auf den Kanarischen Inseln, die entzücken mich ebenso.» Der eine könne sogar «guten Morgen» sagen. Zu den weniger Gesprächigen oder besser gesagt weniger vom Tierfreund Wertgeschätzten: «Ach, das ist der Spatz, der ist nur frech.» In Bezug auf seine Lieblingsbeschäftigungen offenbart Leutenegger ausserdem, dass sein Lieblingshobby natürlich schon seine Familie sei.
«Der enge, teils tägliche Kontakt ist mir ganz wichtig und eine meiner Antriebshilfen», so das sympathische «Perpetuum mobile». Generell brauche er, trotz oder gerade wegen seines Erfolges, eine Stütze im engsten Umfeld. Dass hierzulande Neid oder Missmut oft anzutreffen sind, ist unbestritten – davon ist auch Leutenegger betroffen: «Man muss immer akzeptieren, dass sich Neidhammel um einen scharen, sobald Geld oder eben Erfolg im Spiel ist.» Leutenegger folgert: «Im ersten Halbjahr 2009 habe ich doch ‹zig› Titelseiten geziert. Das macht mir so schnell keiner nach – und entsprechend heften sich Missmutige an meine Fersen.»
Mit einem Sprichwort verleiht er dem (leidigen) Thema eine gewisse Frische: «Hast Du Neider, hast Du Brot, hast Du keine, bist Du in Not.» Chuzpe! Wie erachtet er denn generell die typischen Schweizer Gepflogenheiten? Immerhin attestierten viele mehr oder minder ausgewiesene Experten der Eidgenossenschaft, dass sie speziell wegen ihrer Eigenschaften auch in fehlbaren Wirtschaftszeiten obenaus schwingen wird. Der Ur-Schweizer dazu: «Wir werden immer jassen oder Ländlermusik hören. Kontinuität ist uns wichtig, alte Bräuche gefallen uns, die sind uns heilig. Ein bisschen stolz sind wir auch. Und selig.» Als sollte sich das Positive mit dem Negativen die Waagschale halten: «Doch es gibt auch ganz viel Trauriges, das erste Beispiel ist die Swiss(-air).»
Diesmal verdüstert sich seine Miene ein wenig: «Wäre ich dort involviert gewesen, ich hätte dem Verwaltungsrat Beine gemacht. Aber wieder zurück zu unseren Eigenschaften. Aufhol- oder Verbesserungspotenzial haben wir in Sachen Vertrauen. Wir sollten uns auch nicht so stark beeinflussen lassen. Hierzulande haben die Medien ein relativ grosses Gewicht, viele lassen sich diesbezüglich ins Bockshorn jagen.» Der Mercedes-Freund (er hat deren vier) ist in Fahrt: «Es dünkt mich, dass – wenn es ums Autofahren geht – wir hier doch drakonische Massnahmen oder Regelungen zu schlucken haben. Das ist weniger löblich; ebenso wenig lobenswert ist das politische Umfeld.»
Wie meint er das? Meint er womöglich, dass zu wenig Respekt zwischen den Parteien herrscht und das politische Treiben generell auf der Angst aufgebaut ist? «Sie haben’s erfasst. Man spielt sich gegenseitig aus, anstatt zusammenzuarbeiten. Das kann doch auf längere Sicht nicht gut gehen.» Nicht gut gehen tut es übrigens auch denjenigen, die sich mit dem verstorbenen Egozentriker aka Schauspieler Klaus Kinski umgeben mussten. Nur einer hat es verstanden, gut mit ihm auszukommen beziehungsweise eine einzigartige Freundschaft zu ihm aufzubauen: Hans Leutenegger. Um dieses vitale Duo ranken sich Gerüchte und Mythen. Zu erzählen hat der ehemalige Bauernsohn auch in diesem Zusammenhang ganz viel.
«Klaus war ein ganz Verrückter. Noch viel durchgedrehter, als alle schreiben. Er machte allen Angst, nur mir nicht. Mich hat er, nur schon der Medaille wegen, akzeptiert. Mehr noch, wir wurden gute Freunde. Klaus wich jeweils keine drei Meter von meiner Seite.» Der deutsche Schauspieler (Anmerkung der Redaktion: «Tagebuch eines Aussätzigen» ist sehr empfehlenswert) wurde unter anderem bekannt durch seine Rollen in «Nosferatu», «Fitzcarraldo», «Doktor Schiwago» und verschiedenen Edgar-Wallace-Filmen. Natürlich machten auch seine von Jähzorn gespickten, bizarren Ausbrüche von sich reden. Doch er scheint auch seine lieben Seiten gehabt zu haben. «Klaus kam oft mit mir zu meinem Vater und ass von Herzen und voller Zufriedenheit Papas Kartoffelstock.»
Nebst dem leiblichen Wohl hat Kinski aber auch oft für Situationskomik gesorgt. Eine Anekdote gefällig? «Es war an den Filmfestspielen in Cannes. Klaus und ich kriegten je eine wunderbare Suite im Hotel Excelsior. Abends gingen wir japanisch essen und weil ich das nicht mag, ging ich früher ins Hotel zurück. Kurzerhand kam auch Klaus nach und brabbelte was von einer kaputten Klimaanlage und dass er nun nach unten gehe, um Terror zu machen. Gesagt getan. Er schrie und tobte, beschimpfte die Angestellten, drohte ihnen. Das war mir zu viel, ich habe ihn förmlich zurückgepfiffen und gesagt, wenn er nicht aufhöre, dann würde ich abreisen. Und plötzlich war es angenehm ruhig.»
Der beste Kinski Kenner (Eigenaussage) Olympiamedaille brachte ihn zum Film, ohnehin die exotischsten Plätze und Leute verschiedenster Couleur kennen gelernt. Zum Beispiel seinen «Zwillingsbruder», der offensichtlich nicht mit ihm verwandt ist, ihm aber erschreckend stark ähnelt, – den US-Schauspieler Burt Reynolds. In Hollywood wollten sie Leutenegger sicher auch deswegen auf den Starschild hieven. Actionfilme seien ohnehin sein favorisiertes Genre gewesen. Leutenegger betont, dass er jeden Stunt selber gemacht habe. Im Allgemeinen hätten gerade solche Filme alles abverlangt, was er mitgebracht habe: Kraft, Schnelligkeit, Mut, Abenteuerlichkeit, Intelligenz.
Dessen nun einmal ungeachtet: Kennt Goldhausi sein amerikanisches Spiegelbild denn auch persönlich? «1995 sass ich in Las Vegas anlässlich eines Boxkampfes (Foreman vs. Schulz) neben ihm.» Und was meint er zu der frappanten Ähnlichkeit, wer macht seiner Meinung nach den frischeren Eindruck? «Ich bin vier Jahre jünger – und treibe noch immer viel Sport», so seine augenzwinkernde Antwort. Schliesslich nimmt es einem doch noch wunder, weshalb der (helvetische) Reynolds die Hollywoodkarriere nicht voranschreiten liess. «Das hat schlicht und einfach mit meiner Firma zu tun. Auch wenn es lukrativ und erstrebenswert gewesen ist, das Unternehmen hat meine absolute Priorität verdient.»
Leutenegger hat in seinem Leben bislang schon ziemlich alles erreicht. Auf seinen Erfolg angesprochen, antwortet er oft, dass man jeweils bei seinem Leisten bleiben soll, um denn auch nicht unterzugehen, wenn der Wind für einmal eisig bläst. Abschliessend stellt sich aber die Frage, wie er, der einstige Kranzturner, Bobfahrer, Maschinenbauschlosser, Teppichshampoo-Vertreter, Schauspieler und derzeitige Unternehmer dies denn tatsächlich meint. Beisst sich seine Antwort nicht ganz fies mit seinem breitgefächerten Werdegang? «Ich musste einfach vieles ausprobieren, um zu sehen, wo ich am stärksten bin. Und stark bin ich als Manager. Am meisten gelernt habe ich jedoch in meiner kurzen Vertreterzeit, vor allem im Bereich der Psychologie.»
Ja, und sonst? «Das sportliche Talent scheint mir einfach angeboren zu sein. Dort habe ich entsprechend auch am meisten Erfolg und Bestätigung gesucht respektive erhalten. Ich war schon als Jungspund überzeugt davon, dass nach einer international beachteten Medaille jede erdenkliche Tür für mich offen steht.» Fürwahr, zielstrebig war er schon in jungen Jahren – und ein Visionär ebenfalls. Das passt bestens zu all seinen Eigenschaften und macht ihn zu dem, was er auch heute noch ist. Unser aller Freund, ein bahnbrechender Wegbereiter, ein Vorbild für viele, ein zweischneidiges Schwert und ein Tante-Emma- Laden voller Überraschungen.
PUNKTmagazin Sie haben sich stets Neuem hingegeben und entsprechend verschiedenste Berufe anvisiert. Was kommt für Sie auf keinen Fall in Frage?
Hans Leutenegger Der Boxsport. Ich bin absolut gegen Prügeleien, auch im sportlichen Rahmen. Nicht einmal Tieren kann ich etwas zuleide tun. Ach ja, als Jäger hätte ich mich wohl auch nie durchsetzen können.
Ihre Memoiren haben Sie bereits geschrieben, seit Februar 2009 ist das Buch erhältlich. Musste das wirklich sein?
Wissen Sie, es ging mir dabei hauptsächlich darum, den Jungen zu zeigen, dass man auch ohne akademische Titel oder reiche Eltern etwas erreichen kann. Ehrlichkeit, Korrektheit, Wille, Fleiss und einen gewissen Respekt will ich damit wieder aufleben lassen. Das Buch wurde sogar ein Bestseller, bislang sind knapp 30 000 Exemplare über den Ladentisch gegangen.
Bleiben wir beim Thema. Die Biografie dürfte teils hohe Wellen geschlagen haben. Plaudern Sie doch ein wenig aus dem Nähkästchen. Wer oder was fällt Ihnen ein?
Da wäre zum Beispiel mein ehemaliger Leutnant. Er war übrigens an meinem Unfall schuld, der mich aus der Bob-, ähm Sportbahn geworfen hat. Ich habe ihn sehr gemocht und dennoch hat er mich in dieser Zeit nie besucht. Das habe ich so in der Biografie geschrieben. Daraufhin hat er mir einen entschuldigenden Brief geschickt, in dem stand, dass er inhaftiert gewesen sei und nicht hätte kommen können. Wir treffen uns aber demnächst, ich freue mich «schaurig» drauf.
Die derzeitige Wirtschaftsmisere hat Löcher ins Vertrauen der Menschheit gerissen. Top-Manager sind gestrauchelt, Anlagegelder geschmolzen und auf der Weltbühne findet ein jäher Umbruch statt. Was ist nur los?
Es ist zwar nicht alles so einfach, wie es sich jetzt anhört, aber ich bin davon überzeugt, dass unseriöse Banker einen grossen Teil der Schuld auf sich nehmen sollten. Ihre Gier führte schliesslich zum Schlamassel. Die Gier hat sich nun zwar ein wenig zurückentwickelt, wird jedoch eindeutig wiederkommen. Ansonsten sehe ich auch gewisse Aktionen unter der Ägide Bush als Grund für den Missstand. Ich habe einige Krisen überlebt, generell haben sie mich nur im kleinsten Rahmen getroffen. Dies hauptsächlich deshalb, weil ich nie fremdfinanziert war und den Boden nie unter den Füssen verloren habe. Die Charaktereigenschaften aus der «Antwort B» halfen mir ebenso.
Sie arbeiteten an den diversesten Schauplätzen rund um den Globus und haben mehrere Wohnsitze an verschiedenen Orten. Wo gefällt es Ihnen am besten und weshalb?
Ich war sechs Mal in meinem Leben auf Hawaii. Diese Inselkette betört mich einfach und speziell die Insel Maui ist mir total ans Herz gewachsen. Wenn ich nicht immer so sehr Heimweh hätte – nicht zu lange von zu Hause weg sein kann oder will –, hätte ich mich dort längst schon niedergelassen. Es ist einfach paradiesisch.
Wie wird Mutter Helvetia ausserhalb ihrer Landesgrenzen wahrgenommen?
Die Schweiz ist noch immer ein Paradies, zumindest für mich. Das Ausland sieht Helvetia aber ebenso als Paradies oder Wohlfühloase an. Positiv erlebe ich oder erleben meine Freunde hauptsächlich das Essen und die Versorgung (Infrastruktur inklusive Spitäler). Was ich aber ganz und gar nicht begreifen kann, das ist der Fakt, dass die Grenzen immer mehr aufgemacht werden.
Welche Lehren kann die Wirtschaft aus der Welt des Sports ziehen, et vice versa?
Viel Wille braucht es sowohl in der Welt des Sports als auch im Wirtschaftsuniversum. Der Erfolg stellt sich dann zwar nicht von alleine ein, doch mit Ehrlichkeit, Langfristigkeit und der entsprechend nötigen Geduld ist man auf sehr gutem Wege.
Zufriedenheit
Ich bin glücklich! Und was ich in meinen knapp 70 Jahren immer wieder festgestellt habe, ist die traurige Tatsache, dass meistens die wohlbegüterten Menschen neidisch sind auf andere. So viel zum Thema, Geld mache glücklich – oder eben zufrieden.
Rauchverbot
«Isch än Chabis!» So etwas darf man nicht verbieten, die Selbstverantwortung wird dadurch grobfahrlässig in die Knie gezwungen.
Netzwerk
Habe ich ein unheimlich grosses. Gott und die Welt habe ich quasi darin verflochten. Und es ist auch einer der gewichtigsten Erfolgspfeiler.
Komplexes Weltgeschehen
Mein Vater war Kleinbauer und Bäcker. Der hatte nicht gemerkt, dass es nebst Schweizerdeutsch auch andere Sprachen gibt. Heute lernen sie bereits im zarten Alter verschiedene Sprachen. Ach und das Internet, ja, das ist ein anderes Thema. Grundsätzlich aber ist es eine normale Entwicklung, die mich nicht aus den Socken haut.
Normaler Tagesablauf
Um sechs Uhr aufstehen, Swimmingpoolrunden drehen, Zeitungen lesen, Post im Büro durchgehen. Oft spiele ich auch Golf oder fahre Rad, im Winter Ski. Freunde oder Geschäftsleute treffen, die Familie um mich scharen …