Biver Jean-Claude – ein Synonym für Erfolg
Worte Cyril Schicker
Er ist charismatisch, charakterstark und zeigt immer wieder seine Macherqualitäten. Etlichen Marken oder Unternehmen hat er jeweils neues Leben eingehaucht – dafür aber nicht zwingend Arbeitsplätze ausgehaucht. Die Rede ist von Jean-Claude Biver, CEO von Hublot.
Was für ein Diversikum: «Die Spleens der Alpha-Tiere: Jean-Claude Biver – ein Herz für Rinder», «Jean-Claude Biver hat innert kürzester Zeit die Genfer Marke Hublot auf Vordermann gebracht», «Jean-Claude Biver ist eine Dampfmaschine, selbst wenn er spricht, hallt es von den Wänden wider», «Der Zeitzauberer», «In der Welt der Luxusuhren gilt er als graue Eminenz», «Jean-Claude Biver ist einer der erfolgreichsten Manager der Schweiz», «Er hat die Schweizer Uhrenbranche massgeblich geprägt», «Charismatisches Enfant terrible der Luxusuhren-Industrie» …
Nicht nur die hiesige Medienwelt spricht unentwegt wie auch in allen Formen und Farben über den imposanten Luxemburger, der schon seit seinem zehnten Lebensjahr in der Schweiz wohnt, sondern ebenso die ausländische. Und es sind überwiegend wohlwollende Berichte. Wo Jean-Claude Biver ist, da werden keine Wogen geglättet, da bleibt kein Auge trocken, nein, es wird umgekrempelt, gewitzelt, gefragt, geantwortet, da werden Metaphern ausgetauscht, entwickelt und diskutiert. Spannend, dieser charakterstarke Uhren-Aficionado.
Uhren sind zwar seine grosse Leidenschaft, eine noch grössere jedoch entfaltet sich, wenn es um seine Frau geht: «Wir lieben uns sehr.» Dasselbe sagt der CEO von Hublot, einem der momentan wohl aufregendsten Hersteller von Luxusuhren, auch über seine Kinder. Fünf hat er, drei davon wohnen in Idylle und Harmonie noch bei ihm und seiner Frau in La Tour-de-Peilz, Kanton Waadt. Der jüngste Spross aus dem Hause Biver ist gerade mal neun Jahre alt. Jean-Claude Biver ist trotz seines gewaltigen beruflichen Pensums viel daheim. Eintracht ist ihm wichtig, wie er sagt.
Der gelungene Spagat
Doch wie kriegt er diesen Spagat überhaupt hin? Oder anders gefragt, wie sieht denn ein gewöhnlicher Arbeitstag bei ihm aus? «Der Tag beginnt bei mir zu Hause gegen vier Uhr morgens. Aufstehen fällt mir relativ leicht. Ich mache meine ‹Hausarbeiten› und beantworte die unzähligen Emails. Parallel dazu tüftle ich an Ideen herum und instruiere das Büro entsprechend. Drei Stunden später gebe ich mich, gemeinsam mit der Familie, dem Frühstück hin.» Er weiter: «Gegen halb neun komme ich in mein Büro und fahre gegen 18 Uhr wieder nach Hause. Dort heisst es wiederum, einige geschäftliche Dinge zu erledigen, die Familie zu geniessen, um dann gegen 22 Uhr im Bett zu sein.»
Das alles hält Biver natürlich nicht davon ab, nebenher einige Steckenpferde zu reiten. Was interessiert ihn denn in diesem Zusammenhang? «Ich fahre ganz gerne Rad. Das hält mich fit und macht mir den Kopf frei. Skifahren und in den Bergen spazieren gehören ebenfalls zu meinen Freizeitbeschäftigungen. Ach – und Segeln, ja, dieses Hobby hat es mir schon länger angetan.» Letzteres führt sicher auch dazu, dass Hublot bereits mehrere prestigeträchtige Allianzen mit der Segelwelt eingegangen ist. Nach Engagements beim Yacht Club Monaco, bei Real Club Palma, Vendée Globe, Hublot PalmaVela, Solitaire du Figaro und Wally wurde mit Luna Rossa eine Partnerschaft beim America’s Cup eingegangen. Die Affinität zum Segeln ist selbstverständlich aber auch auf die Geschichte und den Namen – Hublot heisst Bullauge – zurückzuführen.
Engagements – hüben wie drüben
Das ist aber längst nicht alles, Hublot hat seinen (Sponsoren-)Fuss in etliche, nicht minder spannende Türen gestellt. So ist der Luxusuhrenhersteller beispielsweise einer der Hauptsponsoren der Schweizer Fussballnationalmannschaft, er ist mit Manchester United «verschachtelt», an verschiedenen Polo- Turnieren zugegen und bei Autoshows (Morgan) sowie an exklusiven Weinanlässen präsent. Dieses Kunterbunt ähnelt stark einem Zickzackkurs und man ist auf den ersten Blick dazu geneigt zu denken, der Herr könne sich nicht entscheiden, wo und wie sich Hublot positionieren soll. Natürlich ist das Humbug.
Die einfache Erklärung Bivers verdeutlicht dies: «Alle unsere Engagements waren beziehungsweise sind äusserst spannend. Denn allesamt waren Premieren. Zum Beispiel im Bereich des Fussballs, noch nie war eine Luxusmarke dort zugegen.» Der CEO führt weiter aus: «Wir positionieren uns hauptsächlich gegenüber dem High-End-Kunden. Das ist heutzutage einer, der Polo spielt, tagsdrauf Golf, am Wochenende Fussballspiele besucht und ein Boot in St. Tropez unterhält. Deshalb sind wir an so vielen Anlässen dabei. Der Kunde soll den Eindruck kriegen, dass Hublot zu seiner Welt gehört.»
Und in dieser Welt tummeln sich reichlich viele Berühmtheiten. Nicht wenige Adlige schmücken sich mit diesen uhrentechnischen Kostbarkeiten. Dazu gesellen sich unter anderen Céline Dion, Jamie Foxx, Michael Douglas, Bode Miller, Usain Bolt, Cristiano Ronaldo, Wayne Rooney und Stanislaw Wawrinka. Bei dieser Ansammlung an internationalen Topstars drängt sich unweigerlich die Frage nach dem typischen Hublot-Kunden auf. Ebenso fragt man sich, woher diese Magnetwirkung herrührt. «Das ist ein sich frei fühlender Mensch, der zudem zukunftsorientiert und erfolgreich ist. Ein Entrepreneur …»
Erfolgsrezept, Erfolgspfeiler, Erfolg …
Und Biver kommt, ohne gross Luft zu holen, zu der Hublot’schen Magnetwirkung: «Diese rührt sicher vom eigentlichen Erfolg der Marke her. Ist ein Produkt oder eben ein Brand erfolggekrönt, dann kaufen es die Stars automatisch. Wir befinden uns angenehmerweise in dieser Situation.» Apropos Hublot- Erfolg, alle reden davon, doch wie zeigt sich dieser beziehungsweise wird in diesem Zusammenhang auch mit Zahlen um sich geworfen? «Seit Hublot in den LVMH-Konzern eingegliedert worden ist, werden keine konkreten Zahlen mehr veröffentlicht.» Die Verflechtung geschah allerdings vor nicht allzu langer Zeit. Um genau zu sein, wurde Hublot im April 2008 aufgekauft.
Das lässt uns unsere Ohren spitzen. Herr Biver, wie sah es zahlentechnisch davor aus? Was ist geschehen seit Ihrem Amtsantritt 2004? «Generell ausgedrückt kann ich Ihnen sagen, dass wir den Bekanntheitsgrad drastisch erhöhen konnten. In Bezug auf den Umsatz kann ich Ihnen verraten, dass wir innert dieser fünf Jahre, wo ich nun als Hublot-CEO fungiere, den Umsatz ums Achtfache gesteigert haben. Zum Erfolg hat darüber hinaus sicher auch die Bankenunabhängigkeit geführt, Hublot ist schuldenfrei.» Bei der Gretchenfrage nach dem eigentlichen Erfolgsrezept winkt er ab, denn es gäbe nun einmal keine Antwort darauf. Doch Biver wäre nicht Biver, liesse er sich nicht doch einige Ausführungen entlocken: «Ich lege Wert auf Ethik. Dies betrifft sowohl das Private als auch das Geschäftliche. Die drei damit verbundenen Gebote sind Teilen (Erfolge, Wissen, Fehler, Gewinne), Respekt (sich selber, aber auch zum Beispiel Konkurrenten, Mitarbeitern und Lieferanten gegenüber) und die Offenheit, verzeihen zu können.»
Der traumhafte Urknall
Uhrenspezialist Biver ist sich seines Erfolges absolut bewusst. Aber Überheblichkeit hat keinen Platz in seinem Leben. Dies, obwohl ihn das Thema Erfolg schon jahrelang auf Schritt und Tritt verfolgt. Natürlich sind es angenehme Schritt und Tritte. Diese führen uns gesprächstechnisch gleich zum Modell «Big Bang», dem Flaggschiff von Hublot: «Damit haben wir eine führende Position erlangt, diese gefestigt und gleichzeitig neue Massstäbe gesetzt sowie gewisse Trends eingeläutet.» Die meistenModelle aus der Big-Bang-Kollektion (zu Deutsch: Urknall) sind eine wahre Augenweide, ebenso Kunststücke. Vor allem die «All Black», die in Zusammenarbeit mit dem Schweizer Luxus-Skihersteller zai auf den Markt gebracht worden ist.
Das rabenschwarze Wunderwerk vereint unter anderem die Rohstoffe Kevlar, Karbon und Keramik. Ein äusserst rares Rohwarentrio, das es in der Welt der Uhren bislang (in dieser Kombination) nur bei Hublot gegeben haben dürfte. Das Gros der «Zytmesser» besticht schon seit jeher durch eine gewagte, aber immerzu gelungene Rohstoffe-Triage. Welche sonstigen Commodities werden mit diesen Produkten verflochten? «Man findet nebst den gängigen Rohstoffen wie Gold, Platin und Stahl auch Magnesium, Zirkonium, Titan sowie Tantalum und Keramik», so der Familienmensch. Keramik, Kevlar und Karbon komplettieren das Rohstoffsammelsurium, All Black sei Dank. Ein quasi rotes Tuch seien alle Rohstoffe, die sich seiner Meinung nach qualitativ nicht für eine Hublot- Uhr eignen. Da gäbe es einige …
Das Jahrhundertthema Rohstoffe ist bei Hublot allerdings noch lange nicht ausgereizt: «Sehr gerne würde ich einmal mit einem kratzfesten Gold oder Ruthenium arbeiten.» Ruthenium bildet zusammen mit Rhodium, Palladium, Osmium, Iridium und Platin eine Elementgruppe, die als die Platin-Gruppen- Metalle bezeichnet werden. Ruthenium findet man unter anderem in Nord- und Südamerika. Ruthenium wird sehr leicht flüssig und ist für den Menschen hoch giftig. Die Rohwaren bezieht Hublot von überall her. Keramik etwa komme laut Biver aus Korea und Japan. Aus dem Tibet kommt zwar keiner der bei Hublot verwendeten Commodities, dafür aber ein Sprichwort, dessen sich der Uhrenspezialist gerne und oft bedient: «Wenn Du den Gipfel erreicht hast, dann klettere weiter.»
Die Biver’sche Zuversicht
Wir glauben zu verstehen, bitten aber dennoch um Erläuterung. Wie meinen Sie das, Herr Biver, wie lässt sich dieser Satz auf Sie persönlich übertragen? «Ich liebe diesen Sinnspruch besonders, weil es das Leben oder zumindest den Lebenssinn in einem einzigen Satz zusammenfasst. Man muss alles jeden Tag aufs Neue (zurück-)erobern. Man soll und kann seine Erfolge erst am Ende einer ‹Etappe› wirklich geniessen. Es ist ein wenig wie bei der Tour de France. Das gelbe Trikot zu tragen, ist erst richtig schön, wenn man es in Paris, dem Schlussziel, trägt.» Doch kehren wir, medial, der Stadt der Liebe den Rücken zu und geben uns nun konkret der Schweiz hin.
Wie viel Wert hat die «Marke Schweiz» in Bezug auf die Uhrenindustrie? «Sehr, sehr viel. Die Schweiz oder eben das ‹Swiss Made› ist ein absolutes Muss für eine Luxusuhr. Wir Schweizer besitzen so etwas wie das weltweite Monopol im Bereich der Luxusuhren. Dieses Privileg, das selbstverständlich hart erarbeitet worden ist, verteidigen wir hartnäckig. Das ist folgerichtig, das wollen wir auch so beibehalten.» Ja, die Marktstellung verteidigen, da kennt sich der Uhrenvirtuose gut aus. Noch besser aber weiss er Bescheid, wenn es um das erfolgreiche Ausbauen einer Position geht. Biver hat nebst Hublot zum Beispiel die Uhrenmarke Blancpain auf Vordermann gebracht und diese dann 1992 an die Swatch Group weiterverkauft. Seine Macherqualitäten in Kombination mit sozialen Skills werden allenfalls noch sonst wo gefragt sein, denn immerhin hört man von
oben wie unten, von links und rechts, dass die hiesige Uhrenbranche am Zerbröckeln sei. Ist dem tatsächlich so – verblasst das einstige Glanzlicht der Schweizer Wirtschaft wirklich? Was läuft da falsch und was muss getan werden? «Es geht der schweizerischen Uhrenbranche gut und wir haben wie gesagt noch dazu das Luxusuhr-Monopol, weltweit. Das ist nicht zu unterschätzen, gibt es doch auf unserem Planeten kaum eine hochwertige Uhrenmarke, die nicht schweizerischen Ursprungs ist. Entgegen vielen Stimmen kennt die Branche auch keine strukturellen Probleme – wie wir sie beispielsweise während der ‹Quarz-Revolution› hatten.» Das vielsprachige Hublot-Aushängeschild abschliessend: «Wir leiden natürlich wie viele andere Industrien, wenn eine weltweite rezessive Phase auf uns überschwappt. Das ist klar. Der Uhrenabsatz verlangsamt sich selbstverständlich in einer derartigen Situation. Aber ich bin überzeugt davon, dass die Einöde wieder vorbei geht und die Uhrenindustrie wird wieder richtig ticken, ähm, glänzen.»
PUNKTmagazin Gibt man Ihren vollen Namen bei Google ein, dauert es knappe 0,3 Sekunden und es erscheinen rund 89 000 Einträge. Was macht Sie derart populär?
Jean-Claude Biver Ich glaube, dass es im Allgemeinen die Folge meines (je nach Optik) hohen Alters ist. Ich bin schon rund 35 Jahre in der Uhrenbranche. Nach so langer Zeit gibt es etwas zum schreiben. Und dann darf man nicht vergessen, dass ich jeweils mit sehr guten Marken verbunden war. Das hilft natürlich auch.
Was hat Sie dazu bewogen, sich in Richtung Uhrenwelt zu bewegen?
Schuld daran hat mein Freund Jacques Piguet. Er ist der Sohn von Frédéric Piguet; meiner Meinung nach war Frédéric der beste, feinste und hochwertigste Werkhersteller weltweit. Na ja, durch Jacques habe ich mein Faible für Uhren entdeckt. Er hat mir auch den ersten richtigen Job in dieser Branche (Audemars Piguet) besorgt.
Audemars Piguet wollte ich gerade ansprechen bz w. fragen, was Sie dazu veranlasste, diese Nobeladresse zu verlassen?
Die Stelle bei Audemars Piguet war mein erster seriöser Job, diesen nahm ich 1976 an. Vorher hatte ich nicht vieles gemacht respektive kurz davor meine Studien beendet. Audemars Piguet verliess ich nach nur drei Jahren bereits wieder, weil man mir eine Verbesserung der Verantwortlichkeiten oder eine höhere Hierarchiestufe erst dann anbieten konnte, wenn ich satte 14 Jahre dort gearbeitet hätte. Ich wollte in meinen besten Berufsjahren die reichhaltigen und interessanten Emotionen der «Führung und Eroberung» viel früher kennen lernen. Der Pioniergeist schlummerte schon zeitlebens in mir und diesen konnte ich lediglich mit einem Stellenwechsel wecken.
Welche Fähigk eiten muss man mitbringen, wenn man sich als CEO von Hublot behaupten will?
Man muss gewisse ethische Grundsätze verinnerlicht haben und diese auch vorleben. Das ethische Grunddenken beinhaltet in meinem Fall jetzt Respekt, Selbstlosigkeit, Toleranz. Ich für meinen Teil fordere damit von mir selber, teilen, respektieren und verzeihen zu können. Dadurch habe ich übrigens schon viel Treue und Hilfe von vielerlei Seiten her erfahren. Wenn man bereit ist, dies so hinzunehmen, kommt oft noch das Glück dazu, ebenfalls eine gewisse Besessenheit nach Innovation sowie Kreativität – und schon ist man in der Lage, etwas zu erreichen.
Das hört sich wunderbar an, in welchen Märkten hat Hublot bislang viel Konkretes erreicht?
Wir sind natürlich im Heimatland, also der Schweiz, sehr stark verankert. Aber auch in Mexiko, Frankreich und den Vereinigten Staaten sind wir äusserst gut positioniert. Noch relativ gut stehen wir da, wenn es um den Mittleren Osten und Russland geht. Hingegen ein wenig «schwach auf der Brust» sind wir in Bezug auf Japan, machen dort aber riesige Fortschritte. Ach, und da wäre noch das Reich der Mitte (sprich China), da sind wir momentan ein bisserl flau aufgestellt.
Welches Modell ist am erfolgreichsten und welches entpuppt sich eher als «Hinkebein»?
Hinkebeine haben wir zum Glück keine, ich kann Ihnen sagen, alle sind gesund. Von der Stückzahl her gesehen ist das Modell «Big Bang» (Stahl und Keramik) Spitzenreiter und wenn Sie es seitens Umsatz betrachten, dann ist derzeit die Big Bang in der Ausführung mit Gold und Keramik erfreulich. Das Modell Big Bang ist übrigens auch das Aushängeschild von Hublot, gerade die Fusion der Materialien macht es speziell.
Schwarz steht zumindest in unseren Breitengeraden für Leere oder Trauer. Wieso hat es Ihnen gerade diese Farbe angetan?
Diese – für viele zweischneidige – Farbe ist mir insofern ans Herz gewachsen, weil sie absolut perfekt zu den Hublot-Modellen passt. Sie gibt auch jedem einzelnen Produkt den gewünschten «Hightech-Look». Fabelhaft.
Produktpiraterie. Wie sehr macht Ihnen dieses Unding zu schaffen?
Das ist ein grausames Problem, das wir mit mehreren Millionen Franken im Jahr stark bekämpfen. Das ist gewiss viel Geld, gleichzeitig aber auch ein Zeichen des Erfolges und hoffentlich kein Kampf gegen Windmühlen.
Wenden wir uns also etwas Herzerwärmendem zu – Charity …
Da sind wir hauptsächlich an vorderster Front, wenn es um Kinder geht. Wir arbeiten intensiv mit dem «Instituto Ayrton Senna» zusammen und haben da schon zwei spezifische Modelle herausgebracht. Mit jedem Verkauf einer solchen Uhr geht ein gewisser Betrag an diese Stiftung. Dasselbe passiert in Bezug auf «Smiling Children». Anlässlich dieser konkreten Wohltätigkeit lancierten wir eine spezielle Hublot-Uhr mit Cherie Blair, der Ehefrau des einstigen englischen Premierministers.
Kinder, die Brücken zum Himmel, sollten nicht zu früh fernsehen. Hublot unterhält ja ein eigenes (Internet-)Fernsehen. Wozu?
Wir möchten einfach versuchen, so viele Leute wie möglich auf unsere Webseite zu kriegen. Dazu gehört nicht nur das tägliche Update, sondern auch ein bisschen Lebendigkeit. Und das offerieren wir mit Hublot TV. Wissen Sie, unsere Homepage darf ruhig auch attraktiv daherkommen. Die Leute schätzen dies übrigens sehr, schauen doch monatlich rund 300 000 Besucher während durchschnittlich knapp zehn Minuten rein. In Stunden ausgedrückt und aufs Jahr hochgerechnet sind dies stolze 600 000. Das macht Freude.
Eine Uhr ist heutzutage weit mehr als nur ein Accessoire. Was stellt sie alles dar?
Eine Uhr kann vieles sein. Ein Traum, ein Schmuck, eine Emotion oder aber sie ist ein Kommunikationsinstrument der eigenen Persönlichkeit. Mit einer Uhr kann ich auf gewisse Art und Weise zeigen, wer ich bin – oder zumindest sein möchte. Die geringste Rolle, die eine Luxusuhr heute noch innehat, das ist diejenige des Zeitmessers.
Ist eine Uhr denn nicht auch eine Wertanlage, im übertragenen Sinn quasi ein krisenresistenter Portfoliobaustein?
Ja, gewiss. Je nach Wert und Modell ist eine Uhr durchaus als Wertanlage zu betrachten. Das verdeutlicht sich auch immer wieder an den verschiedenen Auktionen. Ich persönlich betrachte aber keine Uhr als Portfoliobaustein, da ich in diesem Zusammenhang viel mehr für Leidenschaft als für das Investieren bin. Aber es steht fest, dass gewisse Uhren ihren Wert nicht verlieren und im Gegenteil sogar teils massiv an Wert zu legen.
Ich frage sie jetzt nicht, wie Sie etwa Werke von Alain Silverstein oder hiesige Bahnhofuhren finden. Interessanter ist mehr die Grösse Ihrer Sammlung.
Ich besitze da nicht so viele Uhren, wie Sie womöglich jetzt denken mögen. Dafür aber haben meine Uhren einen relativ hohen Wert. Insgesamt sind es gut 60 Exemplare. Für manche hört sich das schon nach sehr viel an. Doch nach fast 35 Jahren Tätigkeit im Uhrenumfeld kommt man relativ rasch zu dieser Menge.
Luxus ist für Sie kein Fremdwort, sondern im Gegenteil ja fast eher ein Synonym. Was bedeutet Luxus für Sie?
In meinem Privatleben geht es luxuriös zu und her, wenn folgende drei Aspekte abgedeckt sind. Erstens die Gesundheit, zweitens die Leidenschaft für die tägliche Arbeit und drittens die Liebe (lieben zu können wie auch geliebt zu werden). Wer dieses «Dreierlei» für sich beanspruchen kann, der besitzt einen absoluten, unbezahlbaren Luxus.
Sie sind in Luxemburg zur Welt gekommen, seit Jahrzehnten in der Schweiz wohnhaft und schon an vielen Orten auf der Erde gewesen. Ein Weltenbummler?
Mit zehn Jahren auf dem jungen Buckel bin ich in die Schweiz gekommen und lebe inzwischen bereits 50 Jahre hier. Ich fühle mich nun schon eher als Schweizer denn als Luxemburger und finde Helvetien ein traumhaftes Land. Durch meine Weltenbummlerei, wie Sie so schön sagen, erfahre ich übrigens immer wieder, dass das Ausland die Schweiz weitaus besser beurteilt und sieht, als der Schweizer selber. Das erscheint mir doch ein wenig paradox. Wir müssten mal endlich lernen, das eigene Land, dazu gehört auch die Bevölkerung, mehr wertzuschätzen. Immerhin geniessen wir hier ein relativ abwechslungsreiches Leben.















