Anarchokapitalist Patri Friedman
Nachgefragt Cyril Schicker
PUNKTmagazin Wofür steht TSI und welche Aufgabenbereiche werden verfolgt?
Patri Friedman TSI ist die Abkürzung für The Seasteading Institute. TSI ist Researchfirma und Anwaltskanzlei zugleich. TSI führt quasi die verschiedenen Seasteading-Städte.
Wie sind die jeweiligen Städte konstruiert?
Wir sind noch dabei, zu evaluieren. Aber wir haben die verschiedenen Möglichkeiten stark eingegrenzt. Vorstellbar ist nach unserem jetzigen Wissenstand eine Stadt, die ähnlich wie -eine Erdölplattform funktioniert. Wir nennen es «Semi Submergible».
Was ist für dich Gigantomanie, die sträflicherweise mit Grössenwahn gleichgesetzt wird?
Wenn es um Grössenwahn geht, sehe ich all die Korruption, das weltweit rücksichtslose Vorgehen. Viele Regierungen zerstören eher Werte, denn sie aufzubauen. Gigantomanie ist vielmals aber hauptsächlich positiv behaftet, gerade wenn man Steve Jobs, den CEO von Apple, als Beispiel heranzieht. Er kann seine Ambitionen, sein Wissen, seine Innovationskraft vereinen, kanalisieren und in richtige Bahnen lenken. Daraus entsteht Grosses.
TSI kann das Projekt ja nicht alleine schultern. Wer arbeitet sonst alles noch mit?
Wir kollaborieren beispielsweise mit Ingenieuren und Anwälten, beide sind sehr wichtig für uns. Auf gewisses externes Researchmaterial sind wir ebenfalls angewiesen. Anvisieren tun wir überdies Zusammenarbeiten mit Trend-forschern und wir haben verschiedene Competitions ausgeschrieben, bei denen auch die Allgemeinöffentlichkeit zugelassen ist. Schliesslich werden Personen jedweder Couleur mitgewirkt haben.
Kann Freiheit über Idealismus erreicht werden?
Ich glaube fest daran, dass, wenn man gemeinsam eine Vision verfolgt, diese auch umsetzbar ist. Und, das betrifft jetzt konkret unseren Fall, wird diese international anerkannt wie auch respektiert, dann ist Freiheit absolut in Reichweite.
Rechtliche und politische Ansichten?
Nun, ich bin fest davon überzeugt, dass es nichts bringt, nach gesetzlichen Verbesserungen, welche auch immer das sind, zu streben. Denn das Gesetz wird stets Mängel aufweisen, egal, was für Neuerungen geschehen. Zeitverschwendung ist es ausserdem, wenn man für politische Besserungen kämpft. Wir wissen ja nicht, was tatsächlich besser ist und gross etwas einführen, danach testen, also dafür fehlt schlicht und einfach die Zeit. Politischer Aktivismus braucht nicht zwingend einen akademischen Fokus, allerdings ist ein gewisse Portion «Entrepreneurship» Voraussetzung.
Wenden wir uns Persönliche(-re)m zu. Welche Rolle hält deine Familie inne?
Die Familie ist ganz klar meine Nummer eins, gefolgt von TSI. Mein ganzes Leben dreht sich darum. Durch die Hochzeit wurde ich weniger ungestüm, die eingegangenen Risiken lassen sich seither besser kontrollieren. Als Ehemann und Vater habe ich nun eine langfristige Denkweise angenommen. Und ihnen will ich auch ein gedeihliches Umfeld ermöglichen. Shannon, meine Frau, mein Sohn Tovar und meine noch ganz junge Tochter Iselle sollen dort leben, wo Innovation und Freidenken hoch-gehalten werden.
Tovar ist nicht gerade ein Allerweltsname. Wofür steht dieser?
Shannon und ich spielten einst ein sogenanntes Live Action Role Playing Game (LARP), das sind Rollenspiele mit Improvisationscharakter. Mein Charakter hatte parapsychologische Skills und hörte auf den Namen Tovar, der Einzigartige. Seit da konnten meine Frau und ich nicht mehr von Tovar loslassen, nichts hört sich schöner an.
Einem Perpetuum mobile gleich gehst du unterschiedlichen Projekten nach. Haben Hobbys, Wünsche, Träume überhaupt noch Platz?
Iselle ist inzwischen drei Monate alt und alleine dieser wunderbare Familienzuwachs beansprucht viel Zeit. Doch abgesehen von Familie und eben TSI habe ich spezielle Communities mitbegründet. In der einen, Tortuga in Mountain View, Kalifornien, wohnen wir derzeit mit einem Dutzend guten Freunden. TSI unterhält übrigens einige Nebenprojekte, die ich natürlich auch vorantreiben möchte. Für das Pokerspiel, ebenfalls eine meiner Leidenschaften, finde ich leider fast keine Zeit mehr. Ab und an tun mir auch Fernsehabende gut. Da mag ich etwa Dr. House, Dexter oder Lie To Me. Ansonsten: normale Gesellschaftsspiele und Klettern.
Ein weiteres Steckenpferd sind Festivals wie das Burning Man. Welche Parallelen zu Seasteading gibt es da?
Es gibt wirklich einige Analogien. Burning Man ist ja quasi ein Experiment, bei dem eine Alternativgesellschaft ihrem gedeihlichen, extravaganten Dasein fristet. Bei Seasteading wird dasselbe angestrebt. Das heisst, wir versuchen eine Atmosphäre zu kreieren, in der verschiedene Gesellschaftstypen vereint sind, sich gegenseitig geistig befruchten, voneinander lernen und sich dadurch entfalten können. Und ja, man muss Burning Man einfach einmal erlebt haben. Denn um zu erklären, was vor sich geht respektive wie es ist, dazu reichen alle Worte der Welt nicht.
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