Wider die Unvernunft
Worte Barbara Kalhammer
Männer lieben es schnell und risikoreich. Frauen hingegen schalten öfters einen Gang zurück. Vor allem bei der Kapitalanlage macht das Sinn: Im Durchschnitt erzielen Frauen höhere Renditen.

Das liebe Geld ist in vielen Haushalten Streitgrund Nummer eins. Bei Fragen nach Ausgaben und Einnahmen kochen die Emotionen schnell hoch. Dafür verantwortlich ist unter anderem die grundlegend verschiedene Haltung der Geschlechter zum Geld. Besonders klar zeigen sich die Unterschiede beim Investitionsverhalten. Während Männer risikofreudig sind, oft irrational handeln und sich von Zahlen und Diagrammen beeindrucken lassen, informieren sich Frauen besser und überdenken ihre Entscheidungen länger.
Höhere Gewinne, tiefere Verluste
Zwar können die männlichen Attribute durchaus hohe Gewinne abwerfen – so etwa bei der Ergreifung kurzfristiger Chancen – doch im Durchschnitt sind die Frauen besser, wie eine Studie der deutschen DAB-Bank aus dem Jahre 2009 gezeigt hat. Sie verfügen zwar über deutlich kleinere Depotvermögen, investieren ihr Kapital jedoch rentabler als Männer. Im Jahr 2007 beispielsweise erzielten männliche Anleger durchschnittlich ein Plus von 14 Prozent, bei den weiblichen betrug die Rendite 18 Prozent. Auch im schwierigen Folgejahr 2008 gewannen die Frauen.Während sie «nur» 30 Prozent einbüssten, waren es bei den Männern 36 Prozent.
Auch bei der Produktauswahl macht sich die weibliche Vorsicht bemerkbar. Auf den Kauflisten finden sich sichere Obligationen und Anlagefonds. Männer hingegen greifen lieber zu Einzeltiteln oder Hebelprodukten. Ausserdem sind sie in ihren Investments unbeständiger und überschätzen sich selbst. Das zu häufige Umschichten der Portfolios führt zudem zu höheren Transaktionskosten. Frauen hingegen lassen sich mehr Zeit für ihre Investitionen und studieren die Produkte genau. Frauen suchen eben die perfekte Lösung, bleiben ihrer Entscheidung dafür länger treu. Gemäss einer Untersuchung der University of California erzielten Frauen dank ihrem disziplinierten Anlageverhalten eine durchschnittlich um 1,4 Prozent höhere Jahresrendite.
Langsam, dafür sicher
Fähigkeiten wie langfristiges Denken, Beständigkeit und Risikobewusstsein machen Frauen auch zu beliebten Führungskräften. Darüber hinaus zeichnet sich weibliche Führungskultur durch höhere Sozialkompetenz, bessere Kommunikation und eine hervorragende Organisationsfähigkeit aus. Die McKinsey-Studien «Woman Matter» (2007 – 2010) belegen unter anderem einen Zusammenhang zwischen Erfolg eines Unternehmens und dem Frauenanteil in der Führungsetage. Gemäss der Studie sind die Gesellschaften mit dem grössten Frauenanteil in der obersten Führungsebene am erfolgreichsten, sowohl in finanzieller als auch in organisatorischer Hinsicht. Dem weiblichen Geschlecht wird jedoch eine geringere Investitionsbereitschaft nachgesagt – und ihre Unternehmen würden somit langsamer wachsen.
Am besten wäre also – sowohl bei der Kapitalanlage als auch auf der Führungsebene – ein Mittelweg: männliche Risikobereitschaft gepaart mit weiblicher Weitsicht. Solange aber jeder für sich schaut, könnte es besonders für Männer Sinn machen, bei Kapitalfragen öfters mal die Frau um Rat zu fragen.
















