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Wandelanleihen – clevere Zwitter
Worte Rino Borini
Wandelanleihen sind Hybride und vereinen die Ertragskraft von Aktien mit den regelmässigen Zinserträgen und der Sicherheit von Obligationen.

Wandelanleihen (Convertible Bonds) sind altbekannt. Ihre Historie begann im Jahr 1856, als amerikanische Eisenbahngesellschaften auf der Suche waren nach Kapital zur Finanzierung ihrer ambitiösen Investitionen. Da die US-Wirtschaft zu dieser Zeit ein starkes Wachstum erfuhr, war Kapitalbeschaffung schwierig. Weder die Emission von neuen Aktien (Eigenkapital) noch die Ausgabe von Obligationen (Fremdkapital) waren möglich. Aus der Not entstand schliesslich die neue Finanzierungsform, die Wandelanleihe. Trotz der langen Geschichte stand dieser Finanzzwitter bislang im Schatten von Aktien und Anleihen.
Integriertes Wandelrecht
Doch worum gehts überhaupt? Die Wandelanleihe weist eine hybride Form auf, das bedeutet, sie besitzt charakteristische Merkmale einerseits von Anleihen und andererseits von Aktien. Zu Beginn handelt es sich immer um eine Anleihe, die der Anleger zum jeweiligen Nominalwert erwerben kann. Anbieter von Wandelanleihen, die Emittenten, sind normalerweise private Unternehmen, die auf diese Weise frisches Kapital beschaffen. Wie traditionelle Obligationen haben auch Wandelanleihen eine vereinbarte Laufzeit und zahlen eine fixierte Zinszahlung, die dem Inhaber jährlich gutgeschrieben wird. Die Besonderheit der Wandelanleihe – und zugleich der wichtige Unterschied zu den klassischen Anleihen – liegt in der Möglichkeit, die gekaufte Obligation in Aktien einzutauschen. Der Inhaber verfügt somit über ein integriertes Wandlungsrecht, das, wie es der Begriff schon sagt, keine Verpflichtung ist, sondern eben ein Recht. Der Anleger kann davon Gebrauch machen, muss aber nicht. Natürlich kann nicht in beliebige Aktien getauscht werden: Sowohl die Aktie als auch das Wandelverhältnis werden bei Lancierung in den Bedingungen der Anleihe festgelegt.
Definiertes Wandelverhältnis
Macht der Investor von seinem Wandlungsrecht nicht Gebrauch, wird das in der Wandelanleihe angelegte Kapital wie vorgesehen am Ende der Laufzeit zurückbezahlt. Entscheidet sich der Inhaber des Wertpapiers hingegen für den Tausch in Aktien, verfällt die Obligation und der ehemalige Inhaber der Anleihe ist fortan Aktienbesitzer mit allen dazugehörigen Rechten. Da das Umtauschverhältnis – die Anzahl Aktien, die man für den Nominalwert erhält – von vornherein feststeht, macht der Tausch vor allem dann Sinn, wenn der aktuelle Kurs der Aktie höher ist als der Kurs, der im Wandelverhältnis definiert wurde.
Bei unsicheren Marktverhältnissen kann sich der Besitzer seine Obligation auszahlen lassen. Klettern die Kurse, kann er in Aktien wandeln und vom steigenden Markt profitieren. Für Ersteres sorgen die klassischen Anleihenkomponenten. Diese Konstruktion sorgt zudem für ein stabiles Einkommen in Form regelmässiger Zinszahlungen. Wandelanleihen zahlen jedoch einen vergleichsweise geringen Coupon.
Kollektive Anlageformen
Convertible Bonds verfügen über weitere spezielle Merkmale, die Anleger unbedingt beachten sollten. So können niedrige Aktienkurse dazu führen, dass auch der Kurs der Wandelanleihe während der Laufzeit sinkt. Anleger sollten deshalb nur jenen Teil des Vermögens in Wandelanleihen investieren, den sie bis zur Fälligkeit des Papiers nicht benötigen. Dazu kommt das Bonitätsrisiko, das von der Finanzkraft des Unternehmens abhängt und dem Ausfallrisiko der herkömmlichen Unternehmensanleihen entspricht. Für Anleger existieren heute zahlreiche Anlagefonds mit verschiedenen Wandelanleihen, die auf unterschiedliche Investment-Szenarien fokussieren, sei das nun geografisch, thematisch oder abhängig von der Bonität. Mit einem solchen Vehikel wird das Management in professionelle Hände gelegt und das im Fonds verwaltete Vermögen wird breit diversifiziert, wodurch das Risiko sinkt.















