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Swisscanto Marktperspektiven
Nachgefragt Barbara Kalhammer
Gemeinsam mit Swisscanto präsentiert PUNKTmagazin quartalsweise die «Swisscanto Marktperspektiven». In dieser Ausgabe erläutert Anlagechef Peter Bänziger die Entwicklungen an den Finanzmärkten hinsichtlich Schuldenkrise und Rezessionsgefahr. Zudem gibt er einen Ausblick auf das kommende Jahr und zeigt Investmentchancen auf.
In einer koordinierten Aktion vereinbarten die Zentralbanken der USA, der Euro-Zone, Grossbritanniens, Japans und der Schweiz, dem Bankensektor mehr Geld zu niedrigen Zinsen zur Verfügung zu stellen. Dadurch habe sich die Lage etwas entspannt, erklärt Peter Bänziger im Interview. Ebenfalls Entwarnung gibt der Experte für die USA, wo die Rezessionsgefahr gebannt sei. Anders sieht das Bild für den Euroraum aus. Bänziger zeigt auf, worauf sich Anleger einstellen müssen und wo sich trotz der anhaltend hohen Unsicherheiten dennoch Chancen bieten.
Interessierte finden die Anlageperspektiven auf der Swisscanto Website.
PUNKTmagazin_Herr Bänziger, die Märkte werden weiterhin belastet durch die Schuldenkrise und die drohende Rezession. Wie schätzen Sie die Lage ein?
Peter Bänziger_Zuerst zur Schuldenkrise: Hier hat sich die Lage etwas entspannt. Nach der konzentrierten Aktion der Zentralbanken sind die Renditen der kritischen Länder wie Italien, Spanien deutlich gesunken. Dennoch sind nach dem jüngsten EU-Gipfel die Probleme längst nicht gelöst, sodass sich die Situation jederzeit wieder verschlechtern kann.
Ist Rezession ein Thema?
Wichtig waren hier die Zahlen aus Amerika, und diese haben zuletzt positiv überrascht. Einerseits von Seiten der Konsumenten, andererseits sind die Arbeitslosenzahlen deutlich gesunken. Für die USA erwarten wir demnach keine Rezession, sondern ein Wachstum von etwa zwei Prozent für 2012. Das gibt Hoffnung.
Gilt diese Hoffnung auch für Europa?
In Europa sieht die Lage leider etwas düsterer aus. Im ganzen Euroraum wird es 2012 eine leichte Rezession geben. Und davon ist auch die Schweiz betroffen, hier sehen wir nur noch ein geringes Wachstum von maximal einem Prozent.
Wo bieten sich trotz der grossen Unsicherheiten Chancen?
Die grössten Chancen bieten die Aktienmärkte, die immer noch deutlich unterbewertet sind. Zudem gehen wir davon aus, dass sich die gute Gewinnsituation weiter fortsetzt. Augrund der besseren Wachstumsaussichten würden wir innerhalb der Aktienmärkte amerikanische Werte übergewichten. Weil die Unterbewertung in den europäischen Aktienmärkten am stärksten ausgeprägt ist, würden wir auch diese leicht übergewichten.
Wie sieht es mit den Schwellenländern aus?
In den grossen Schwellenländern Brasilien, China und Indien wird sich das Wirtschaftswachstum in den kommenden Monaten leicht abschwächen. Dies geschieht allerdings auf einem deutlich höheren Niveau als in den Industrieländern und ist nicht unwillkommen. Vor allem China versucht seit einiger Zeit, eine konjunkturelle Überhitzung zu verhindern. Die Titel bleiben weiterhin interessant, wir würden die Schwellenländer-Aktien ebenfalls übergewichten.
Sollten bestimmte Werte bevorzugt werden?
Im Moment ganz klar grosskapitalisierte Werte, die klassischen Blue Chips mit sehr guten Bilanzverhältnissen, aber auch sehr tiefen Bewertungen. Large Caps leiden zudem weniger unter der strengeren Kreditvergabepolitik der Banken als die Small Caps, deswegen bleiben geringer kapitalisierte Werte untergewichtet. Ausserdem beurteilen wir die Kurschancen von Wachstumstiteln grösser als jene von Substanztiteln. Das schöne an diesen Blue Chips ist, dass sie in der Regel eine sehr hohe Dividendenrendite aufweisen. Wenn man eine Kombination machen will, dann könnte man die billigsten Aktienmärkte, also Europa, und die Titel mit hoher Qualität wählen.
Viele Anleger flüchten trotz der tiefen Zinsen weiterhin in Staatsanleihen. Ist das Ihrer Ansicht nach eine gute Wahl?
Das ist höchstens dann eine gute Wahl, wenn man bereit ist, einen Preis zu bezahlen für diese Sicherheit. Weil die Realrenditen teilweise bis zehn Jahre oder länger negativ sind. Auf der anderen Seite gehen diese Anleger, je nachdem, wie lange sie investieren, auch ein ziemlich hohes Zinsrisiko ein. Nur schon ein kleiner Zinsanstieg würde zu Kursverlusten führen.
Also sind Engagements in Staatsanleihen nicht empfehlenswert?
Ich würde insbesondere vor langlaufenden Staatsanleihen abraten. Und ich muss schon festhalten, dass sich der Anlagenotstand für risikobewusste Anleger verschärft hat.
In welchen Bereichen machen Obligationeninvestments weiterhin Sinn?
Es ist tatsächlich eine schwierige Situation bei den Obligationen. Sie müssen sehen, ohne das Eingehen von Risiken sind die Renditen derart tief, dass sie nach Inflation negativ sind. Chancen bieten sich aus Franken-Sicht einerseits in Währungen, die eine Top Qualität aufweisen und gleichzeitig gegenüber dem Franken unterbewertet sind. Durch Fremdwährungen wie die norwegische Krone können Mehrrenditen generiert werden. Andererseits hat die jüngste Finanzkrise auch dazu geführt, dass die Renditen der Unternehmensanleihen deutlich gestiegen sind. Hier ist das Rendite-Risiko-Verhältnis attraktiver als bei Staatsanleihen.
Welche Strategie soll bei Deviseninvestments verfolgt werden?
Aus Franken-Sicht würde ich mit dem Euro wie folgt verfahren: Wenn der Euro-Kurs gegenüber dem Franken knapp über 1,20 liegt, dann muss die Währung aufgrund der Garantie der Schweizerischen Nationalbank nicht mehr abgesichert werden. Es hat sich aber auch gezeigt, dass Kurse über 1,24 nicht dauerhaft sind. Bei einem solchen Niveau sollte abgesichert werden.
Wie sieht die Situation beim amerikanischen Dollar aus?
Der Dollar ist nach wie vor deutlich unterbewertet, je nach Rechnung bis zu 30 Rappen. Hier raten wir im aktuellen Umfeld, die Bestände nicht abzusichern.
Zu einer beliebten Alternative haben sich Immobilieninvestments entwickelt. Worauf sollten Anleger bei solchen Investitionen achten?
Schweizer Immobilien und Immobilienfonds waren während der Krise tatsächlich die stabilsten Erbringer von positiven Renditen. Immobilienfonds weisen immer noch eine sehr hohe Ausschüttungsrendite aus. Sie liegt etwa zwei bis zweieinhalb Prozent höher als die Rendite von zehnjährigen Schweizer Obligationen. Allerdings gilt es zu beachten, dass die Differenz zwischen den Börsenkursen und dem inneren Wert, das sogenannte Agio, im Durchschnitt 25 Prozent oder mehr beträgt.
Was bedeutet das für Anleger?
Wenn die Zinsen wieder ansteigen sollten, wird dieses Agio sinken und die Anleger erleiden Kursverluste. Wer glaubt, dass das Zinsumfeld langfristig tief bleibt, der kann solche Immobilieninvestments halten oder auch noch kaufen. Ansonsten wäre ich eher vorsichtig. Leicht untergewichten würden wir auch im Ausland kotierte Immobilienwerte.
Welche Alternativen Anlagen, besonders im Rohstoffbereich, sind Ihrer Meinung nach einen Blick wert?
Kurzfristig sind wir gegenüber Rohstoffen eher vorsichtig eingestellt, dies auch aufgrund der Konjunkturabschwächung. Der langfristige Ausblick für Rohstoffe ist trotz der erwarteten Wachstumsabschwächung aber positiv. Als strategische Diversifikation sind Rohstoffe durchaus eine gute Wahl. Eine Alternative, für die wir besonders gute Chancen sehen, sind Goldminenaktien.
















