Sport als Wirtschaftsarena
Worte Barbara Kalhammer
Nichts geht mehr – ohne Sport. Besonders für das eigene Wohlbefinden spielt die körperliche Betätigung eine entscheidende Rolle. Aber auch das Interesse an Sportereignissen wächst. Profiteure sind Sportartikelhersteller, Wettanbieter aber auch die Austragungsländer.
Heutzutage lautet die Devise «Moveo ergo sum» – Ich bewege mich, also bin ich. Die beiden Hauptmotive für sportliche Betätigung sind Gesundheit und Spass. Das ergab eine Studie des Observatoriums Sport und Bewegung Schweiz aus dem Jahr 2008. Bewegung ist im Alltag der Menschen fest verankert. Knapp drei Viertel der Schweizer Bevölkerung im Alter von 15 bis 74 Jahren treiben zumindest ab und zu Sport. Bei 40 Prozent der Befragten werden drei oder mehr Stunden wöchentlich für die körperliche Bewegung genutzt. Ein gutes Viertel ist mindestens einmal pro Woche sportlich aktiv.
Das ist gut so, denn dem Sport wird auch eine psychische Komponente zugeschrieben. Er hellt die Stimmung auf und trägt zu besserem Wohlbefinden sowie einer Steigerung des Selbstwertes bei. So lässt sich der anfängliche Spruch erweitern zu «Mens sana in corpore sano» – Ein gesunder Geist in einem gesunden Körper. Um davon zu profitieren, bieten sich in erster Linie Aktien von Sportausrüstern an. Die bekanntesten Kandidaten sind Nike, Adidas und Puma. Zu den Vertretern gehören aber auch Head, Columbia Sportswear, Asics und Amer Group. In den USA sind auch der Sportgerätehersteller Nautilus und die Fitnesskette Lifetime Fitness an der Börse.
Regenbogenpalette an Produkten
Anlegern, die das direkte Wachstum der EmMa nutzen möchten, bieten sich der chinesische Sportartikelhersteller Anta Sports oder die japanische Daiwa Seiko an. Vertreter für Golf-Ausrüster sind beispielsweise Callaway Golf (Wunderkind Michelle Wie gehört zu den Werbeträgern) und Aldila. Viele «Sport-Firmen» sind zusehends auch im Lifestyle-Bereich aktiv und produzieren Mode, Sonnenbrillen, Taschen und Uhren. Bekannte Unternehmen in dieser Sparte sind K-Swiss und Quiksilver. Positive Auswirkungen ergeben sich aber auch für Pharmakonzerne. Jene Exponenten haben sich vielfach auf die Fahne geschrieben, die Gesundheit zu fördern und das Leben zu verlängern. So produzieren sie Nahrungsergänzungsmittel oder Medikamente, die für die Behandlung von Sportverletzungen notwendig sind.
Die eigene sportliche Aktivität schlägt sich in einem hohen Sportinteresse nieder. In diesem Jahr kommen Sportbegeisterte voll auf ihre Kosten. Nachdem die Olympischen Spiele – inklusive Paralympics – in Vancouver durchgeführt worden sind, steht schon der nächste Grossanlass auf dem Programm, die FussballWeltmeisterschaft in Südafrika. An solchen Megaevents partizipieren Akteure in unterschiedlicher Form. Involviert sind neben Zuschauern und Spielern ebenso Verbände, Sponsoren, Medien und Sportartikelhersteller. Aber auch andere Branchen sind daran beteiligt.
Geringe Langfristwirkung
Der südafrikanische Botschafter in Deutschland, S.E. Sonwabo Eddie Funde, bezifferte in einer Stellungnahme Ende 2009 die Investitionen seines Staates in die Infrastruktur des Verkehrs- und Transportwesens, der Energiegewinnung und Telekommunikation sowie in den Stadienbau auf über sieben Milliarden Franken. Die Privatwirtschaft investierte weitere 3,6 Milliarden in die touristische Infrastruktur. Die Vermögensverwaltung SJB FondsSkyline hat ausgerechnet, dass Aktien drei bis fünf Jahre vor der jeweiligen Veranstaltung die grössten Zuwächse verzeichnen. Gemäss Professor Dr. Henning Vöpel, Senior Economist vom Hamburgischen Weltwirtschaftsinstitut (HWWI), profitieren als erstes die Branchen Infrastruktur, Logistik, Bauwirtschaft und Medien/Werbung. Später, besonders auch während des Events, kämen noch Tourismus, Gastgewerbe und die Konsumgüterindustrie dazu.
Gemäss Vöpel ist die langfristige ökonomische Wirkung solcher Events gering. Was jedoch für Südafrika bleiben könnte, ist der Imageeffekt. «Das Land könnte sich als guter Tourismus- und auch Wirtschaftsstandort beweisen. Damit wären auch in der Zukunft Investitionsflüsse verbunden», meint der gestandene Experte. Open-End-Produkte auf den FTSE/JSE-Africa-Top-40-Index und den S&P-Africa-40-Index gibt es von der Royal Bank of Scotland. Index-Zertifikate auf den S-Box-Africa führt die Deutsche Bank im Angebot. Ausserdem bietet Goldman Sachs Tracker- und Bonus-Produkte auf den FTSE/JSE-Africa-Top-40-Index an. Natürlich aber wirken sich solche (Gross-)Ereignisse auch auf die Umsätze von Sportartikelherstellern aus. So erwartet Adidas für 2010 einen Umsatz von 1,9 Milliarden Franken.
Sonderfall Brasilien
Da der Grossteil der Summen bereits Jahre vor dem eigentlichen Event in den Ländern investiert wird, sollten Anleger den Blick bereits auf die nächsten Veranstaltungen legen. Dazu zählen 2012 die Fussball-EM in Polen/Tschechien und die Olympischen Sommerspiele in London sowie die Winterspiele in Sotschi (Russland) 2014. In Brasilien finden 2014 die Fussballweltmeisterschaft und 2016 die Olympischen Sommerspiele statt. Für London und Brasilien 2014 bietet die deutsche West LB bereits Zertifikate an. In der Vergangenheit haben solche Sport-Produkte jedoch oft enttäuscht. Als Alternative können Zertifikate auf bestimmte Sektoren dienen. So gibt es von DWS Go das Russia-Infrastructure-Index-Zertifikat. Aber auch Fonds und ETF auf die Länderindizes bieten Chancen. Kombiniert werden zwei Länder im Brazil-Russia-Basket von Julius Bär.
Da in Brasilien in den nächsten Jahren zwei wichtige Events stattfinden, ergibt sich eine Sondersituation. Laut Vöpel könnte das Land nämlich versuchen, Investitionen zu koordinieren, um sie auch nachhaltig nutzbar zu machen. Für die Olympischen Spiele ist ein Etat von etwa 13 Milliarden Franken vorgesehen. Davon fliessen voraussichtlich drei Viertel allein in den Ausbau der maroden Infrastruktur von Rio de Janeiro. Ähnliche Summen werden auch für die Fussball-Weltmeisterschaft benötigt. Für rund 1,5 Milliarden Franken wird das Olympische Dorf errichtet, 770 Millionen fliessen in den Energiesektor, rund 800 Millionen in den Bereich Sicherheit. Positive Effekte dürfte es auch bei der Verkehrs- und Sicherheitsinfrastruktur sowie für Baukonzerne und Zulieferer geben. Um einfach und transparent in das Land zu investieren, bieten sich ETF an. Neben dem Lyxor-ETF-Brazil (Ibovespa) gibt es von iShares und db-x-trackers ETF auf den MSCI Brazil. In beiden Indizes sind die Sektoren Rohstoffe, Energie und Finanzen am stärksten gewichtet. Aus-serdem stehen den Investoren eine Vielzahl an Fonds und Zertifikaten zur Verfügung. Bonus- und Indexzertifikate auf den Bovespa gibt es von Goldman Sachs. Auch die RBS hat ein Tracker-Produkt auf den brasilianischen Leitindex im Angebot. Zusätzlich bietet RBS das Brasilien-Top-15-Basket-Zertifikat an.
Wetten auf die Gewinner
Vöpel meint, Anleger könnten auch bereits auf die Vergabeentscheidung der Fifa und des Olympischem Komitees eine Wette abschliessen. Zum Beispiel mit dem Kauf von Indexzertifikaten der verschiedenen Bewerberstaaten. Denn mit der Nennung des Landes zum Ausrichter würde sich bereits ein positiver Effekt einstellen. Der Entscheid für die Europameisterschaft 2016 wird Ende Mai 2010 gefällt. Im Rennen sind Italien, Frankreich und die Türkei. Risikofreudige können auf Wettanbieter wie Unibet, William Hill, Oddset, bwin und Sportingbet setzen. Vielfach sind die selbst börsenkotiert und profitieren natürlich in Jahren von Sportereignisse ebenso. Zusammengefasst werden die Anbieter im S-Box-Sportwetten-Index-Zertifikat.
Eine besonders wichtige Rolle kommt Fussballevents in Europa zu. Die Sportart hat sich zu einem komplexen Business gewandelt. Ähnlich hoch wie die Zahl der Akteure ist das Investitionsfeld breit. Wer seine Begeisterung für den Sport mit Aktien verbinden möchte, der findet zahlreiche börsennotierte Clubs, darunter den FC Porto, Borussia Dortmund, Juventus Turin, die AS Roma, Ajax Amsterdam und Benfica Lissabon. Zudem gibt es einen Fussballindex «Dow Jones Stoxx Football». Die Aktien von Fussballvereinen sind jedoch eher für Fans als für Renditejäger geeignet.

















