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Worte Rino Borini
Altersvorsorge beginnt nicht erst mit der Pensionierung. Wer den gewohnten Lebensstandard im Ruhestand halten will, sollte das Thema möglichst früh anpacken.

Susi Feldmann_ Nein, das wird es definitiv nicht. Das Hauptproblem ist die Überalterung der Gesellschaft. Die steigende Lebenserwartung führt dazu, dass die Vorsorgewerke ihre Altersleistungen heute deutlich länger auszahlen müssen als noch vor zwanzig Jahren. AHV und Pensionskassen müssen sich diesen Veränderungen anpassen. Wir werden um Abstriche bei den Leistungen nicht herumkommen. Am besten fährt, wer nicht allein auf staatliche und berufliche Vorsorge angewiesen ist, sondern zusätzlich selbst für sein Alter spart.
Das Einkommen aus AHV und Pensionskasse beträgt bei den meisten Angestellten nur etwa sechzig Prozent des letzten Lohns. Besser stehen Arbeitnehmende da, deren Pensionskasse mehr als die minimalen Leistungen versichert. Aus meiner Erfahrung weiss ich, dass die meisten Leute nach der Pensionierung etwa gleich viel Geld ausgeben wie vorher. Wer nicht privat vorsorgt, muss sich im Alter einschränken.
Ja, in meinen Augen hat das mit Selbstverantwortung zu tun. Ich kenne Selbständige, die beim Sozialamt anklopfen müssten, wenn sie zum Beispiel längere Zeit krank wären. Das ist kein gutes Gefühl. Mir persönlich ist es wichtig, dass ich auch dann gut weiterlebe, wenn ich nicht mehr arbeiten kann oder wenn ich alt bin. Wer Familie hat, möchte sicher sein, dass Partner und Kinder auch nach seinem Tod gut versorgt sind. Allein das Wissen, dass alle gut abgesichert sind, ist viel wert.
Die meisten Kunden beginnen sich für ihre Vorsorge zu interessieren, wenn sich in ihrem Leben etwas Wichtiges verändert, beispielsweise Konkubinat, Heirat, Scheidung, Nachwuchs, Kauf von Wohneigentum, unbezahlter Urlaub, Veränderung des Arbeitspensums oder Gründung einer eigenen Firma. Bei einem Arbeitgeberwechsel überprüfen wir oft, wie gut die Leistungen der neuen Pensionskasse im Vergleich zur bisherigen sind. Wenn Kunden deutlich mehr verdienen, zeigen wir die Auswirkungen auf ihre Vorsorge auf. Ab 45 Jahren beginnen sich Kundinnen und Kunden erfahrungsgemäss auch für ihre Altersvorsorge zu interessieren.
Auch junge Menschen können aufgrund einer Krankheit oder eines Unfalls arbeitsunfähig werden. Deshalb lohnt es sich zu prüfen, wie viel Geld man in so einem Fall erhielte. Wer es vermag, kann schon in jungen Jahren beginnen, für sein Alter sparen. Je länger es bis zur Pensionierung dauert, desto stärker hilft der Zinseszinseffekt beim Sparen. Wer Ende Jahr Geld auf die Seite legen kann, sollte in die Säule 3a einzahlen und vom Vorzugszins und der Steuerersparnis profitieren. Sinnvoll sind Vorsorgekonten oder -depots bei einer Bank.
3a-Sparpläne bei Versicherungen enthalten Todesfalldeckungen, die Geld kosten. Für alleinstehende Personen, von deren Einkommen niemand abhängig ist, sind solche Versicherungen unnötig. Dazu kommt, dass man in der Regel nicht jedes Jahr frei entscheiden kann, wie viel man einzahlen möchte.
Was hat man für Möglichkeiten, wenn man Wohneigentum kaufen möchte, das angesparte Geld aber auf einem Vorsorgekonto liegt?
Geld, das in der Säule 3a und in der Pensionskasse gebunden ist, kann man vorzeitig beziehen, wenn man selbstbewohntes Wohneigentum kauft. Bei der Auszahlung werden Steuern fällig. Stammt das Geld aus der Pensionskasse, sind freiwillige Einzahlungen erst dann wieder steuerbegünstigt, wenn der Bezug für das Wohneigentum vollständig zurückbezahlt ist. Wer plant, Wohneigentum zu kaufen, sollte die 3a-Säule unbedingt bei einer Bank und nicht bei einer Versicherung abschliessen. So steht mehr Kapital zur Verfügung, das man als Eigenmittel anrechnen lassen kann.
Wenn die Person, von dessen Einkommen die Familie lebt, invalid wird oder stirbt, ist eine ausreichende Vorsorge unverzichtbar, damit die Familie wie bisher weiterleben kann und sich nicht einschränken muss. Bleibt jemand zu Hause, um den Haushalt zu besorgen oder die Kinder zu betreuen, sollte die Familie abgesichert sein für den Fall, dass eine Haushaltshilfe gebraucht wird oder die Kinder fremdbetreut werden müssen. Solange Kinder minderjährig sind, bekommen sie nur eine minimale Rente, wenn sie invalid werden. Wer seinem Kind mehr finanzielle Sicherheit und Unabhängigkeit bieten will, kann eine Kinderrentenversicherung abschliessen.
Soll man sich sein Pensionskassenvermögen auszahlen lassen oder doch besser über die Jahre als Rente beziehen? Auf diese Frage gibt es keine allgemeingültige Antwort. Dieser Entscheid wirkt sich nicht nur auf die Höhe und die Sicherheit des Einkommens nach der Pensionierung aus, sondern auch auf die finanzielle Flexibilität, die Steuerbelastung und die Absicherung der Angehörigen. Deshalb ist es wichtig, die Unterschiede zu kennen und sorgfältig abzuwägen, welche Lösung den Familien- und Vermögensverhältnissen entspricht. Wir erstellen für unsere Kunden eine Einkommens-, Steuer- und Vermögensplanung für 25 bis 30 Jahre über die Pensionierung hinaus. Das hilft beim Entscheid, wie viel Pensionskassenkapital sie als Rente beziehen und wie viel sie auszahlen lassen wollen.
Bei einer Frühpensionierung fallen die Renten niedriger aus. Was gilt es in so einem Fall zu beachten?
Eine Frühpensionierung ist teuer. Wenn jemand mit 64 statt mit 65 Jahren aufhört zu arbeiten, kostet das erfahrungsgemäss ungefähr ein Jahresgehalt. Wer schon früh auf eine Frühpensionierung hin spart, ist am ehesten in der Lage, die Mehrkosten des vorzeitigen Ausstiegs zu finanzieren.
Die Säule 3a bezeichnet man auch als gebundene Vorsorge, die Säule 3b als freie Vorsorge. Zu letzterer gehören alle Mittel, über die man frei verfügen kann: Sparkonten, Wertschriften, Liegenschaften, Sparversicherungen, Antiquitäten, Schmuck et cetera. Wer mit der Säule 3a vorsorgt, kann über dieses Vermögen nicht frei verfügen. Dafür winken Steuervorteile, die es bei der Säule 3b nicht gibt. Eine Säule 3b hat jedermann. Wer zusätzlich Geld für sein Alter oder für Wohneigentum reservieren möchte, ergänzt seine freie Vorsorge um die Säule 3a.
Überlegen Sie, ob in Ihrer Situation eher ein Vorsorgeprodukt einer Bank oder einer Versicherung passt: Wie flexibel möchten Sie sein, wie viel Risiko sind Sie bereit einzugehen, welche Zukunftspläne haben Sie? Wo ist das Sparen am günstigsten, wer bietet den besten Zins, wer hat den besten Leistungsausweis bei Investitionen in Wertschriften? Und wie ist Ihr Geld geschützt, wenn die Bank beziehungsweise die Versicherung Konkurs geht?
Gebundenes Vorsorgekapital, das vorzeitig bezogen wird, muss versteuert werden. Je nach Wohnsitz und Höhe der Auszahlung beträgt die Steuer vier bis zwölf Prozent des ausbezahlten Betrags. Bei der Pensionierung kann die Steuerbelastung optimiert werden, indem das Geld aus der 2. Säule und der Säule 3a nicht im selben Steuerjahr bezogen wird. Um diese Staffelung noch effektiver zu machen, sollte man die Einzahlungen in die Säule 3a auf mehrere 3a-Produkte verteilen. So können diese Guthaben über mehrere Jahre verteilt bezogen werden; bei Frauen zwischen 59 und 64 und bei Männern zwischen 60 und 65. Dieses Vorgehen ist zurzeit in den meisten Kantonen möglich. RB
Susi Feldmann ist Vorsorgeexpertin beim VZ Vermögenszentrum Zürich.