Kostenstruktur bei ETF
Nachgefragt Rino Borini
Eines der Erfolgsgeheimnisse von Exchange Traded Funds sind ihre tiefen Kosten. Thomas Merz von der Credit Suisse erklärt welche Gebühren neben dem TER berücksichtigt und wie die Produkte ausgewählt werden sollten.
PUNKTmagazin_Wie wichtig ist die Kostenkennzahl TER?
Thomas Merz_Die Kosten sind ein wichtiger Faktor, wenn es darum geht, einen Index möglichst exakt nachzubilden. Der TER umfasst viele der expliziten Kosten, die bei einem Produkt anfallen. Dazu gibt es implizite Kosten und Gebühren, die es möglichst zu verhindern gilt, so dass das übergeordnete Ziel eines Indexreplizierers – die Kostenminimierung – erreicht werden kann. Ein guter Indexierer ist in der Lage, die Kostenfolge seiner Nachbildung möglichst gering zu halten. Dies erfolgt dadurch, dass er explizite Kosten tief hält und implizite Kosten wenn möglich gar nicht anfallen lässt – oder durch zusätzliche Einnahmen reduziert. Somit wird klar, dass die Beurteilung über die Abbildungsqualität eines ETF via TER deutlich zu kurz greift. Investoren sollten die Abbildungsgüte verschiedener ETF gegenüber dem Index mittels der relativen Renditeabweichung beurteilen, die sich auf NAV-Daten abstützt.
Wie sollte die Kostenevaluation erfolgen?
Eine Beurteilung sollte sich auf NAV-Daten stützen, denn darin sind sämtliche bei der Replikation anfallenden Kosten berücksichtigt. Allenfalls sind die NAV-Daten um die Ausschüttungen zu korrigieren, so dass ETF aufgrund ihrer Total-Return-Renditen miteinander und mit dem Index verglichen werden können. Will man zusätzlich die impliziten Kosten aus dem Handel eines ETF berücksichtigen, sollte ein zweiter Vergleich die on-exchange oder off-exchange fälligen Spreads analysieren.
Ist ein tiefer Spread das ausschlaggebende Kriterium?
Nein, soweit würde ich nicht gehen. Dies auch vor dem Hintergrund, dass die Spreads je nach Anlageziel und -horizont unterschiedlich wichtig sind. Wird ein ETF als strategische Position ins Portfolio gekauft, sind die anfallenden Handelskosten weniger bedeutend. Viel bedeutsamer ist in diesem Fall, den ETF auszuwählen, der über einen längeren Anlagehorizont die beste relative Performance zum Index aufweist. Wenn dort beispielsweise über drei Jahre Renditedifferenzen von mehreren Prozentpunkten relativ zum Index auflaufen, sind allenfalls etwas höhere Spreads von fünf oder zehn Basispunkten irrelevant. Weiter ist zu beachten, dass man unsere ETF für grössere Positionen auch immer als OTC-Transaktionen kaufen oder verkaufen kann. Der Market Maker ist in der Lage, eine individuelle Preisofferte zu unterbreiten, die eine allenfalls tiefere Kursspanne aufweisen kann. Anders ist die Situation, wenn die ETF-Position als taktisches Manöver eingesetzt werden soll. Hier kann die Performance durch die Handelskosten massgeblich beeinflusst werden, denn bei häufiger Umschichtung fallen Spreadkosten stärker ins Gewicht. Die Möglichkeit von OTC-Aufträgen besteht aufgrund des kleineren Transaktionsbetrags eventuell nicht.
Wie sollte ein Anleger nun vorgehen?
Ich persönlich befürworte ein dreistufiges Vorgehen. Als erstes sollten die zu vergleichenden ETF hinsichtlich ihrer Abbildungsqualitäten untersucht werden. Wie beschrieben sollen hierfür NAV-Daten (um die allfälligen Ausschüttungen gemäss Steuerstatus des Kunden) herangezogen werden und daraus die relative Renditeentwicklung abgetragen werden. Als zweiter Schritt gilt es, die impliziten Handelskosten zu vergleichen. Die Spreads sind für alle an der SIX Swiss Exchange gelisteten ETF relativ einfach abzurufen. Drittens sollten sich Anleger ein klares Bild machen über das Risikoprofil der zu vergleichenden ETF. Hierbei stehen aus der Replikationsmethode abgeleitete Themen wie etwa Gegenparteirisiken im Vordergrund. Wichtig in dieser Hinsicht scheint mir, dass Investoren nur diejenigen ETF kaufen sollten, bei welchen sie allfällige Risiken aus der Struktur vollständig verstanden haben.
Thomas Merz ist Head ETF für die Märkte Schweiz/Liechtenstein der Credit Suisse.
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