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Geringe Kosten sind die beste Anlage
Worte Rino Borini
Die Kostenkontrolle im Anlageprozess ist ein einfaches Instrument, um die Gesamtrendite zu optimieren. Denn nebst den expliziten Kosten verursachen Indexfonds auch implizite Gebühren, die beachtet werden müssen. Hier können ETF ihre Vorteile ausspielen.
Für die Auswahl eines ETF können heute viele Kriterien beigezogen werden. Es liegt auf der Hand, dass die Präzision der Indexabbildung ein zentrales Auswahlkriterium darstellt. Die Kosten spielen ebenso eine wichtige Rolle. Von besonderer Bedeutung ist die Gesamtkostenquote, die mit der Kennzahl Total Expense Ratio (TER) ausgedrückt wird. Die TER beinhaltet die Summe aller periodisch erhobenen Kosten und Kommissionen, welche dem Fonds belastet werden, und zwar rückwirkend als Prozentsatz des durchschnittlichen Fondsvermögens.
Der grösste Kostenblock ist die Verwaltungsgebühr. Zusätzlich fliessen Kosten für Fondsleitung und Depotbank, Wirtschaftsprüfung, Werbung, Vertrieb, Druck und Versand des Geschäftsberichts ein. Doch die TER zeigt nur die eine Seite der Medaille, denn die im Fondsgefäss anfallenden Transaktionskosten sind in dieser Kennzahl nicht enthalten. Hierzu gibt die Portfolio Turnover Rate (PTR) Aufschluss. Die PTR gilt als Indikator für die Relevanz der Nebenkosten, die beim Kauf und Verkauf von Anlagen anfallen, und bezeichnet die Umschlagshäufigkeit des Fondsportfolios. Beide Kennzahlen werden nach Abschluss eines Geschäftsjahrs rückwirkend berechnet, nachdem alle Kosten bekannt sind.
Handelskosten nagen an der Rendite
Da ETF kein aktives Management benötigen, sind sie im Vergleich zu traditionellen Fonds kostengünstiger, was mittlerweile einer breiten Anlegerschar bekannt ist. Nebst den erwähnten Kosten dürfen die Handelskosten, also die Geld-Brief-Spanne (Spread), nicht vernachlässigt werden. Um keine wertvollen Renditepunkte zu verschenken, sollten diese so gering wie möglich gehalten werden. Für jede ETF-Zulassung verlangt die Schweizer Börse mindestens einen Market Maker, der sich verpflichtet, börsentäglich Geld- und Briefkurse für einen Mindestbetrag zu offerieren. Die Kursspannen dürfen eine vordefinierte Grösse nicht überschreiten, wobei die Vorschriften je nach Basiswert variieren.
So gilt beispielsweise für Indizes mit einem während den offiziellen Börsenzeiten gehandelten Aktienanteil von mehr als 50 Prozent ein Spread von maximal 2 Prozent (je 1 Prozent auf jeder Seite des indikativen Nettoinventarwerts, NAV). Werden mehr als 50 Prozent der im Index abgebildeten Aktien zu anderen Börsenzeiten gehandelt (beispielsweise japanische Werte), darf der Handelsspread die 5-Prozentmarke nicht überschreiten. Um die Qualität der Market Maker zu prüfen, führt die Schweizer Börse seit einigen Monaten Qualitätsmerkmale (MQM). Diese sind auf der Internetseite der Schweizer Börse für jeden ETF abrufbar.
Der Index bestimmt die Liquidität
Die höhere Liquidität zählt somit ebenso zu den Vorteilen der börsengehandelten Indexfonds. Je liquider ein ETF ist, desto einfacher und kosteneffizienter gestaltet sich der Handel. Umgekehrt kann eine schlechte Liquidität neben höheren Handelskosten auch Schwierigkeiten beim Kauf und Verkauf von Positionen bedeuten. Generiert wird Liquidität einerseits durch den börsentäglichen Handel im Sekundärmarkt, andererseits durch den sogenannten Creation-/Redemption-Prozess auf dem Primärmarkt. Bei letzterer Handelsmöglichkeit können Fondsanteile jederzeit ausgegeben oder zurückgenommen werden. Der Prozess sorgt dafür, dass der Kurs eines
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ETF seinem zugrundeliegenden Nettoinventarwert entspricht und gewährleistet, dass die Liquidität grösstenteils aus den zugrunde liegenden Wertpapieren im ETF gewonnen wird. Die Liquidität eines ETF ist dementsprechend so hoch wie die des ihm zugrunde liegenden Indexes. Eine einfache Eselsbrücke kann hierbei helfen: Je höher die Marktabdeckung eines Indexes, desto niedriger seine Liquidität, was zu höheren Geld-Brief-Spannen führt.
Ebenfalls zu berücksichtigen ist der Faktor Marktzugang. Bei einem Emerging-Market-Index beispielsweise ist er nicht immer gegeben, was zu erheblichen Problemen führen kann. Auch hier kann eine Faustregel herbeigezogen werden: Je schwieriger der Marktzugang, desto höher sind die jährlichen Verwaltungskosten und die Geld-Brief-Spanne. Bei Indexfonds auf entwickelte Märkte stellt sich diese Problematik nicht.
Kosten kontrollieren
Die hohe Liquidität und die damit verbundenen günstigen Handelskosten kommen insbesondere bei der taktischen Vermögensaufteilung zum Tragen, also der Anpassung des Portfolios an die jeweilige kurzfristige Markteinschätzung. Die Spreads der führenden ETF auf die wichtigsten Börsenbarometer wie SMI, DAX oder Euro-Stoxx-50 liegen meist im Bereich von 6 bis 15 Basispunkten. Die Folge: Anleger können ihr Depot jederzeit taktisch neu an sich verändernde Marktaussichten anpassen.
Da die meisten Indexfamilien modular aufeinander aufbauen, können die Positionen in den einzelnen Märkten über ETF exakt gesteuert werden – und dies zu attraktiven Konditionen. Wenn also ein Anleger schon die Finanzmärkte nicht beeinflussen kann, so doch mindestens seine Kosten. Diverse Studien zeigen, dass eine konsequente Kostenminimierung ein durchaus attraktives Mittel ist, um langfristig die Portfoliorendite zu optimieren.
Nicht jeder ETF ist bezüglich seiner Handelskosten gleich interessant. Wie bereits erwähnt, müssen die unterschiedlichen Anlageklassen und Märkte individuell beurteilt werden – eben «Äpfel mit Äpfeln und Birnen mit Birnen» vergleichen. Es scheint damit logisch, dass beispielsweise der SMI-ETF der Credit Suisse in den vergangenen drei Monaten eine durchschnittliche Handelsspanne von lediglich 6 Basispunkten aufwies, während diejenige des Lyxor-ETF auf den afrikanischen FTSE/JSE-Africa-Top-40-Index rund 65 Basispunkte betrug.
Unterschiedliche Anbieterqualität
Betrachtet man die Kursverfügbarkeit aller ETF an der Schweizer Börse über die vergangenen sechs Monate, zeigt sich, dass im Durchschnitt während 98,3 Prozent der Börsenzeit aktuelle Kurse gestellt wurden. Der durchschnittliche Spread aller zugelassenen ETF lag bei 0,49 Prozent. Eine Analyse der Kursdaten über die Zeitperiode August bis Oktober zeigt jedoch, dass zwischen den Anbietern teilweise frappante Differenzen bestehen. Ebenso ist zu beachten, dass einige ETF-Anbieter ausgesuchte Nischen abdecken, die meist mit höheren Kosten verbunden sind. Äpfel können eben nicht mit Birnen verglichen werden.
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