Vermögensaufbau mit ETF-Sparplan
Nachgefragt Barbara Kalhammer
Vermögen ansammeln muss nicht teuer sein. Mit einfachen und transparenten Sparplänen, die hauptsächlich in Exchange Traded Funds investieren, profitiert der Anleger doppelt. Günstige Gebühren und der Durchschnittskosteneffekt erhöhen langfristig die Rendite.
Sparpläne bieten eine gute, einfache und langfristige Möglichkeit für den Vermögensaufbau an. Ein langfristig orientierter Anleger kann kaum günstiger Fondsanteile erwerben als mit einem Sparplan. Neben den fehlenden Ausgabeaufschlägen und den tiefen Verwaltungsgebühren bei ETF, profitiert der Anlagesparer vom Durchschnittskosten-Effekt (Cost-Average-Effekt). Bei Sparplänen mit regelmässigen Einzahlungen erreicht der Anleger nämlich, dass bei fallenden Kursen mehr, bei steigenden Kursen entsprechend weniger Fondsanteile erworben werden. Diese regelmässige Einzahlung gleich bleibender Beträge über einen längeren Zeitraum hat für den Anleger den Vorteil, dass er die Anteile bei unterschiedlichen Ausgabepreisen und zu einem insgesamt günstigeren Durchschnittspreis kauft.
Das Vermögenszentrum hat im Frühsommer eine neue Plattform lanciert, bei denen Anleger massgeschneiderte Sparpläne umsetzen können. Wir haben beim Chef der VZ Depotbank, Marc Weber, nachgefragt.
PUNKTmagazin Das VZ VermögensZentrum hat eine neue Online-Plattform für Sparpläne und Anlagen in ETF lanciert. Was war ausschlaggebend?
Marc Weber Die Idee war, Privatanlegern Investitionsmöglichkeiten zugänglich zu machen, die bisher institutionellen Anlegern vorbehalten waren. Mangels Alternativen investierten Privatanleger bisher primär in Strategiefonds, die sehr teuer sind. Unsere Überlegung war, eine leicht verständliche und günstigere Alternative anzubieten. In unserem Online-Prozess können sich die Kunden selbst beraten und damit sogar die Kosten für einen Bankberater sparen.
Es ist also kein Strategiefonds, handelt es sich um ein Vermögensverwaltungsmandat?
Bei der VZ-Lösung handelt es sich weder um eine Vermögensverwaltung noch um einen Strategiefonds. Wir bieten eine Direktanlage in ETF, mit der Kunden ihre Portfolios völlig flexibel nach ihren eigenen Präferenzen gestalten können. Bei ETF- und Fondssparlösungen anderer Anbieter können die Anleger nicht aus Teilbereichen aussteigen, sondern müssen den entsprechenden Fonds komplett verkaufen und in einen anderen investieren. Im Gegensatz zu den meisten Banken bieten wir keine eigenen Fonds an, sondern wählen die besten auf dem Markt erhältlichen aus. Mit dem Finanzportal hat das VZ die technische Voraussetzung geschaffen, dass Kunden sich selbst beraten können und Zugang zu institutionellen Anlageansätzen bekommen.
Wo liegt der Nutzen dieser Plattform für die Anleger?
Auch wenn wir verschiedene Anlageempfehlungen geben, können Sparer und Anleger ihr ETF-Portfolio beim VZ vollständig individuell gestalten. Besonderen Wert legen wir dabei auf Transparenz, Kosten und Flexibilität. Unsere Kunden können ihr Depot jederzeit einsehen und börsentäglich ETF kaufen und verkaufen. Überzeugend sind auch die geringen Gebühren. Gegenüber klassischen Strategiefonds liegen sie um bis zu 50 Prozent niedriger. Selbst das Rebalancing, also die regelbasierte Rückführung des Portfolios auf die Anlagestrategie, ist inklusive.
Kostenlos gibt es nichts und der monatliche Sparbetrag ist sicherlich auch nicht kostenfördernd. Klären Sie uns auf Herr Weber.
Die jährliche Verwaltungsgebühr beträgt 0,55 Prozent der Anlagesumme. Darin enthalten sind die Kosten für Depotführung, Administration, Strategieänderungen, Reporting, die allfällige telefonische Unterstützung durch einen Berater und das regelbasierte Rebalancing. Ausgabe- und Rückgabekommissionen fallen nicht an. Die Gebühren für Realtime-Expressaufträge sind mit 39 Franken sehr gering. Lediglich die Gebühren der ETF kommen hinzu. Die Gesamtkostenquote (TER) der ETF beträgt im Durchschnitt 0,3 Prozent. Für regelmässige Einzahlungen – ob monatlich, quartalsweise oder jährlich – fallen weder Einzahlungs- noch Transaktionskosten an.
Welche Strategien stehen überhaupt zur Verfügung?
Wenig erfahrenen Anlegern geben wir vier Anlagevorschläge an die Hand. Die Standardstrategien sehen Aktienanteile zwischen 25 und 100 Prozent vor, die um Zinswerte, beispielsweise Obligationen, Immobilien und Rohstoffe ergänzt werden. Versierte Anleger können mit unserem Online-Tool ihre Anlagestrategie auch selbst festlegen.
Im Anlageprozess ist es wichtig den Kunden zu kennen. Wie können Sie die Risikobereitschaft aber auch die Risikofähigkeit evaluieren?
Kunden beantworten online elf einfache Fragen über ihre Anlageerfahrungen, ihre Renditeerwartungen und ihre Risikobereitschaft. Daraus ermittelt der Rechner die individuelle Risikotoleranz und empfiehlt eine Anlagestrategie, welche die Anleger aber jederzeit ändern können. Strategieermittlung und Depotverwaltung laufen über das Internet. Bei Fragen stehen unsere Anlageexperten natürlich telefonisch zur Verfügung.
Es gibt an der Börse über 700 Indexfonds. Wie werden die passenden Produkte ausgewählt?
Für Anleger ist es nur schwer möglich, den Überblick über den Markt zu behalten und ETF im Detail zu bewerten. Da das VZ keine eigenen Produkte anbietet, ermitteln unsere Anlageexperten unabhängig in einem Selektionsprozess die besten und kostengünstigsten Fonds. Sie vergleichen alle ETF, die in einer Anlageklasse zur Verfügung stehen. Als Beurteilungskriterien gelten die historische Gesamtrendite, die Gesamtkostenquote, der Tracking Error, die Handelsliquidität und die Abbildungsmechanik.
Werden die Strategien ausschliesslich mit ETF umgesetzt?
Grundsätzlich ja. Ausnahmen stellen einzelne Anlageklassen dar, in denen es heute noch nicht genügend Auswahl an qualitativ hochwertigen ETF gibt. Dazu gehören beispielsweise Euro-Obligationen, die in Schweizer Franken gehedged sind und breite Rohstoffindizes.
Die Märkte bewegen sich und die Produktvielfalt nimmt ständig zu.
Das stimmt und deswegen überwachen unsere Anlageexperten ständig, ob die ausgewählten ETF immer noch die besten sind. Die regelmässig aktualisierte ETF-Selektionsliste stellen wir Anlegern auf dem Finanzportal zur Verfügung. Über Änderungen werden unsere Kunden werden automatisch benachrichtigt. Anleger, die unseren Empfehlungen folgen, können die ETF dann in ihrem Portfolio austauschen.
Wird das Portfolio nach dem Auswahlprozess noch verändert?
Das Rebalancing des Portfolios ist von Zeit zu Zeit notwendig, um eine Anlagestrategie sauber einhalten zu können. Wir führen das kostenlose Rebalancing in jedem Quartal durch, in dem definierte Wertgrenzen eines Portfolios verletzt werden. Das nennt man regelbasiertes Rebalancing. Zahlreiche Studien haben bewiesen, dass ein regelbasiertes Rebalancing eine risikoadjustierte Mehrrendite gegenüber einem periodischen Rebalancing oder einer Buy-and-Hold-Strategie erzielt.
Wie funktioniert die Anpassung des Portfolios?
Unsere Online-Plattform bietet Sparern und Anlegern rund um die Uhr die Möglichkeit, sich in ihr Depot einzuloggen. ETF lassen sich per Auswahl in einem Dropdown-Menü austauschen. Um die prozentualen Anteile der Anlageklassen zu ändern, geben die Kunden die Werte per Hand ein, speichern sie ab, und fertig. Neukunden können sich in einer Präsentation auf unserem Finanzportal anschauen, wie einfach das geht.
Marc Weber ist CEO der VZ Depotbank in Zürich. Nach seinem Einstieg in die VZ-Gruppe im Jahr 1999 war er zunächst im Financial Consulting und Wealth Management tätig. Anschliessend leitete er das Portfoliomanagement und die Wertschriftenabwicklung. Ab 2005 war er technischer Projektleiter beim Aufbau der VZ Depotbank. Seit 2009 ist er Geschäftsführer der VZ Depotbank.
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