Lust am Lesen?
Abonnieren Sie PUNKTmagazin zu attraktiven Konditionen
Worte Barbara Kalhammer
Bei der Wahl der Feriendestination sind Schweizer entdeckungsfreudig. Anders sieht es aus bei Aktienanlagen, hier ist Heimat Trumpf. Die Nachteile dieser Strategie sind jedoch gewichtig.

Der Sommer steht vor der Tür und mit ihm die Suche nach dem passenden Urlaubsdomizil. Für viele Schweizer ist klar: Es geht nach Deutschland. Fast 4,8 Millionen Übernachtungen wurden 2011 im grossen Kanton verzeichnet, wie die Zahlen des Statistischen Bundesamtes Deutschland zeigen. Ebenfalls weit oben auf der Beliebtheitsskala stehen Österreich, Frankreich und Italien.
Ein völlig anderes Bild zeigt sich, wenn es ums Investieren geht. Hier greifen Schweizer nach den Aktien des Heimatmarktes. Dieses Phänomen, das als Home Bias bezeichnet wird, hat sich durch die Finanzkrise verschärft. So erreichte der Schweizer Anteil bei Aktienanlagen im Jahr 2010 fast achtzig Prozent. Dies geht aus einer Studie des Instituts für Banking und Finance zum Thema «Aktienbesitz in der Schweiz» hervor. Sechzig Prozent der Aktienbesitzer gaben an, dass sie ausschliesslich Schweizer Werte halten. «Es besteht also ein klarer Home Bias, das heisst eine objektiv finanztechnisch kaum begründbare Vorliebe für einheimische Anlagen», halten die Autoren fest. Gesunken ist durch die Schuldenkrise hingegen das Vertrauen gegenüber einigen EU-Staaten. Der Anteil Europas fiel auf elf Prozent. Sechs Prozent des Aktienbestands sind amerikanische Werte und drei Prozent entfallen auf die restliche Welt.
Mit dieser Strategie verzichten Anleger nicht nur auf mögliche Renditechancen, sondern nehmen auch ein höheres Risiko in Kauf. Denn die Kursbewegungen von Aktien eines nationalen Marktes hängen teilweise eng miteinander. Zudem vernachlässigen Investoren eine breite Diversifikation über mehrere Werte. Nur ein Zehntel aller Aktionäre streut gemäss der Studie das Risiko auf mehr als zehn Aktientitel. Ein gewichtiger Fehler, denn würde zumindest in 15 verschiedene Titel investiert werden, würde sich das Gesamtrisiko des Aktienportfolios bis um die Hälfte verringern. Eine breitere Diversifikation könnte durch eine Streuung der Risiken über verschiedene Regionen erzielt werden. Dabei werden die Anleger aber von der «Ambiguity Aversion» gehemmt. Das bedeutet, sie sind mit den Umständen im unbekannten Ausland nicht vertraut und schätzen das Risiko für eine Investition als zu hoch ein. Infolge dieser Unsicherheitsvermeidung werden bekannte Werte bevorzugt.
Dabei wären die Renditechancen deutlich höher, wenn dem Portfolio auch ausländische Werte beigemischt würden. Besonders eindrücklich zeigt sich dies beim Vergleich der Performance ausländischer Werte. Seit Anfang Jahr verlor der SMI rund 3 Prozent (Stand Ende Mai), während beispielsweise der vietnamesische Aktienmarkt 22 Prozent und der ägyptische sogar mehr als 27 Prozent zulegten. Auch weniger exotische Märkte haben ähnlich gut (Dänemark mit plus 3 Prozent) oder besser (der Nasdaq mit plus 8 Prozent) abgeschnitten. Schweizer könnten ihre Renditen also deutlich steigern, wenn sie wie bei Reisen auch bei den Investments den Schritt ins Ausland wagen würden.