Sarah Tkotsch und Wilma Bögel retten Teenager
Nachgefragt Rino Borini
Wilma Bögel und Sarah Tkotsch haben Überlebenstipps für die Pubertät verfasst. Es geht um das grosse Abenteuer des Erwachsenwerdens. «Ich bin dagegen und das aus Prinzip», heisst ihr erfrischender Survival-Guide.
«Mit Freunden treffen», «Sport treiben» sowie «ausruhen und nichts tun» – das sind die Top-3 der in der Schweiz lebenden Jugendlichen im Rahmen der non-medialen Freizeitbeschäftigung. Zu diesem Ergebnis kam die JAMES-Studie 2010, bei der über 1000 Schweizer Jugendliche befragt wurden. Sport treiben klingt dabei in den Ohren der Eltern wohl noch als die beste Beschäftigung. Doch «Freunde treffen» oder noch besser «Ausruhen und nichts tun» klingen nach Faulheit und den Ernst des Lebens noch nicht begriffen haben. Dabei sind es gerade diese beiden Dinge, die für Jugendliche in der Pubertät so wichtig sind.
Warum dem so ist, erklären PUNKT-Redakteurin Wilma Bögel und Co-Autorin Sarah Tkotsch («Gute Zeiten, schlechte Zeiten») in ihrem Buch «Ich bin dagegen – und das aus Prinzip – Überlebenstipps für die Pubertät». Sie wollen den Fast-Erwachsenen jedoch keinen Freifahrtsschein zum Nichtstun und Abhängen ausstellen, das Buch soll vielmehr die grosse Kluft des sich Nicht-Verstehens zwischen Eltern und ihren Kindern überbrücken. Ebenso soll es die Kids zu mündigen Bürgern machen, die unsere Gesellschaft so nötig hat. Denn ohne eine heranwachsende, sich selbst-bewusste Generation hat kein Land wirkliche Überlebenschancen.
PUNKTmagazin_ Warum dieses Buch?
Wilma_ Darum … würde ich antworten, wenn ich noch mitten drin stecken würde, im grossen Abenteuer des Erwachsenwerdens . Aber im Ernst: Mich hat es schon immer geärgert, dass es ausschliesslich Bücher für Eltern von Psychologe XY gibt, die erklären, wie man am besten mit pubertierenden Teenies umgeht. Daher wollte ich gerne ein Buch schreiben, das sich direkt an die jungen Erwachsenen wendet und ihnen das Gefühl gibt, ernst genommen zu werden.
Sarah_ Erstens hätte ich mir selbst gewünscht, so ein Buch zu haben oder jemanden, der mir das alles erklärt, was in dem Buch steht. Und Zweitens: Durch GZSZ habe ich unglaublich viel Fanpost von traurigen und auch verzweifelten Mädchen bekommen, die einen Rat für ihre Alltagsprobleme bekommen wollten. Sie waren unglücklich verliebt oder wollten wissen, ob sie sich mit ihren Chatfreunden treffen sollten und und und … Das hat mir Sorge bereitet und mich an meine eigenen Probleme in der Pubertät erinnert, also wollte ich helfen.
Was macht euer Buch besonders?
Sarah_ Wir sind keine Therapeuten, die ein Buch zum Thema Pubertät geschrieben haben, sondern zwei Frauen, bei denen die Pubertät noch nicht lange her ist. Wir kommunizieren mit den Leserinnen auf einer Ebene und versuchen ihnen das Gefühl zu geben, mit ihren Problemen nicht allein zu sein. Wir erzählen persönliche und witzige Anekdoten aus unserer Teeniezeit. Das ist das Besondere an unserem Buch.
Wilma_ Wir sind nicht besser oder anders als unsere Leserinnen. Uns liegt es fern, zu belehren. Wir wollen stattdessen aktiv Hilfe zur Selbsthilfe anbieten. Am Ende ist es ein Buch, das unseren Weg durch diese schwierige Zeit beschreibt und die Erfahrungen, die wir gemacht haben.
Seit eurer Pubertät hat sich ja noch einmal einiges geändert: Die Jugendlichen wachsen heute mit den schier unbeschränkten Möglichkeiten des Internets auf, noch vor zehn Jahren war das ein bisschen anders. Welche Gefahren und Probleme entstehen durch die totale Vernetzung der Teenies und wie geht ihr in eurem Buch darauf ein?
Sarah_ Durch die totale Vernetzung ist die Zahl der Cybermobbing-Opfer stark gestiegen. Deswegen weisen wir in unserem Buch auf die Gefahr hin und erklären, dass diese Opfer nicht allein sind. Wir geben Hilfen, wie man sich dieser Art von Mobbing entziehen und sich wehren kann.
Wilma_ Problematisch am Internet ist, dass junge Leute noch nicht wirklich ihre Privatsphäre einschätzen können und im Internet viel zu offen mit persönlichen Details umgehen. Daher gilt es auch in diesem Bereich, die Jugendlichen zu sensibilisieren.
Das Leben der Jugendlichen spielt sich scheinbar in grossen Teilen nur noch in der digitalen Welt ab. Fluch oder Segen?
Wilma_ Dank Internet können sich die Jugendlichen schnell und einfach Informationen zu allen nur erdenkbaren Themen beschaffen. Im Bereich Bildung sehe ich das persönlich als wunderbare Voraussetzung. Aber wie alles, hat auch das Internet seine Schattenseiten. Daher ist es so wichtig, dass Kinder und Jugendliche einen verantwortungsbewussten Umgang mit der virtuellen Welt erlernen.
Sarah_ Ein Fluch in der Hinsicht, dass sich Jugendliche in der virtuellen Welt verlieren können. Der Bezug zur Realität geht durch Plattformen auf denen man 2000 Freunde hat, die man aber gar nicht persönlich kennt, verloren. Es sind besonders diese Plattformen, die meiner Meinung nach Gefahren bergen, die viele Jugendliche gar nicht einschätzen können. Ein Segen aber in der Hinsicht, dass man mit Menschen, die sehr weit weg leben, trotzdem gut Kontakt halten kann – wie zum Beispiel Wilma und ich.
«Ich bin dagegen – und das aus Prinzip», Sarah Tkotsch & Wilma Bögel, Schwarzkopf & Schwarzkopf Verlag, CHF 14,90
Das Buch gibt es in jedem Buchshop oder direkt über’s Netz.
















