Russland und Dada
Worte Cyril Schicker
Russland ist ein zweischneidiges Schwert. Russland ist ein Zankapfel. Russland ist ein Stein des Anstosses. Doch gerade diese Ambivalenz macht den BRIC-Exponenten spannend. Für Spannung sorgen an der diesjährigen Moskauer Biennale auch einige Schweizer.
Geht es um Russland, scheiden sich die Geister. Der eine lobhudelt den «BRIC-Exponenten», der andere wiederum sieht ihn dem Tod geweiht. Beide Parteien haben gewissermassen Recht, treffen doch Menschenrechtsverletzungen auf schier unerschöpfliche Rohstoffvorkommen, Korruptionstatsachen auf eine doch hohe Kaufkraft und stark vorangetriebene Infrastrukturmodernisierungen auf eine beispiellose Alkoholsucht.
Das kyrillische Alphabet macht es dem Westen auch nicht gerade leicht, durch die harte Schale hindurch zum weichen Kern Russlands vorzudringen. Nichtsdestotrotz ist die ambivalente Föderation zuweilen Herberge für zweimalfeine Kuriositäten. Ein Beispiel liefert die vierte Moskauer Biennale für zeitgenössische Kunst, die im Herbst 2011 stattfindet. Eines der damit korrespondierenden Projekte sorgt seit längerem für Furore. Stein des Anstosses ist diesmal nicht die Nutte Moskaus (eine oft anzutreffende Verballhornung!), sondern die frigide Mutter Helvetia.
Geldschwemme …
Genau genommen zeichnet Com&Com dafür verantwortlich. Konkret: Das Schweizer Künstlerduo bietet jenen russischen Eltern 10 000 Dollar, die ihr Kind «Dada» taufen. Evaluiert wird der dollarschwangere Gewinner von einer Jury, die sich aus Lehrern, Kinderpsychologen, Rechtsanwälten sowie den Künstlern zusammensetzt. «Dada war noch nie in Moskau. Deshalb schenken wir Moskau zum 95-jährigen Jubiläum ein Kind namens Dada», lassen sich die Künstler zitieren.
Dass nun Wut und Unverständnis grassiert, ist fast schon Frevel. Vor allem in einem Land, in dem Namen wie Wladimir, Igor, Ljudmila, Tatjana, Olga, Wladislaw, Anton und Konsorten Hochkonjunktur haben. Dem Projekt darf – wenn auch nur imaginär – ruhig der rote Teppich ausgerollt werden. Dem Projekt – falls Hunger – sollten ruhig die zu oberst hängenden Weintrauben zu Munde geführt werden. Dem Projekt – sofern Müdigkeit – kann ruhig die Krone aufgesetzt werden.
Eine Dosis Aufmerksamkeit gebührt sicher auch dem Kurator Cabaret Voltaire, das hierbei mit der Barbarian Art Gallery in Zürich und der Triumph Gallery in Moskau kollaboriert. Ach ja, die Schweizerische Botschaft in Moskau hat ebenfalls ihre Finger im Spiel. Auf dass diese nicht kupiert werden, bei Russland weiss man bekanntlich nie, wie einem blüht, egal, was man angestellt hat.
















