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Worte Cyril Schicker Illustration Boris Gassmann
Thomas Pigor Infrastruktur ist ein Abbild für das Scheitern des Menschen, ein Beweis für die Vergeblichkeit seines Tuns, der Ort seiner ewigen Niederlage. Vom Aufräumen des Schreibtisches oder Kleiderschranks, der Installierung von IT-Geräten oder eines dienstbaren Freundeskreises bis hin zur Funktionstüchtigkeit des eigenen Körpers: Die jeweilige Infrastruktur ist das sichtbare Ergebnis des vergeblichen Ringens um die Strukturierung des persönlichen Umfelds. Infrastruktur ist ein Komplex von unzuverlässigen Werkzeugen, der dauernd gewartet, erweitert und neu erfunden werden will. Ein Fass ohne Boden. Ein Trauerspiel ohne Ende. Hat man es endlich geschafft, dass alle Geräte miteinander kommunizieren, kommt eine neue Programmversion raus. Hat man endlich einen cleveren Steuerberater gefunden, verschwindet er auf die Kaiman-Inseln.
Eine Tournee ist ein permanenter Kampf um gute Auftrittsbedingungen, denn in jedem Haus findet man eine andere Infrastruktur vor. Der unbedarfte Zuschauer macht! sich keine Vorstellung davon, wie sehr ein Bühnenkünstler abhängig ist von gutem Licht, gutem Ton und der richtigen Gruppierung des Publikums. Aber auch die gastronomische Infrastruktur ist entscheidend. Mit einem Schokoriegel im Magen spielt es sich definitiv schlechter als mit einer schmackhaften Mahlzeit rund drei Stunden vor Auftrittsbeginn. Das ist übrigens der tiefer liegende Grund, wieso wir so gerne in die Schweiz fahren.
Ihr seid einfach klasse! Dezent, humorvoll, gastfreundlich, kosmopolitisch. Viele Vorurteile sind falsch: Ein Schweizer Publikum reagiert genauso schnell wie etwa ein Norddeutsches. Ihr habt ein entspanntes Verhältnis zum Fussball, das nervtötende «scharfe S» abgeschafft und unterhaltsame Demokratieformen. Ihr seid es euch seit Jahrhunderten gewohnt, mehrsprachig zu organisieren. Die Schweiz zeigt uns modellhaft, was wir von Europa im besten Fall erwarten können. Wir können einiges von euch lernen. Und die Ergebnisse gewisser Volksabstimmungen halte ich für gefälscht.
Wenn ich böse wäre, würde ich sagen, ein linearer Gedankengang, eine redundante «Hookline», eine banale Melodie und eine schleimige Tonsprache. Aber ich bin ja nicht böse, sondern viel mehr fest davon überzeugt, dass sich das Gute, Wahre und Schöne auf die Dauer durchsetzt.
Wenn deine Sprösslinge Chansonsänger werden wollen, sperre sie solange ins Kinderzimmer, bis sie zur Vernunft gekommen sind! Zwinge Sie, Stand-Up-Comedians zu werden, da liegt wirtschaftliches Potenzial! Die Welt scheint ach wie sensibilisiert auf jedwedes Tabu zu sein.
Ich sage mal kühn, dass jedes Thema auf die Bühne kann. Doch Halt! Es kommt auf den Kontextan. Und die Qualität der Idee muss stimmen. Wenn es dramaturgisch nötig ist, muss man mitunter explizit sein, sogar schockierend explizit. Das ist universell. Mich ärgert aber die Zielgerichtetheit, mit der es heute allenthalben schon in den ersten Minuten humoristischer Programme unter die Gürtellinie geht. Ich bin eigentlich eher «gênant».
Man muss nur lange genug aktiv sein. So viele Kleinkünstler gibt es gar nicht und irgendwann ist man einfach an der Reihe. Das ist wie im Lebensmittelmarkt.
Na, selbstverständlich. Eigentlich ganz viele, eines, das mir gerade in den Sinn kommt, ist: Gefüge-von-Formationen-deren-Zuhandenheit-effektiveres-Handeln-ermöglichen-soll.