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Worte Christian Nill Bild Mischa Scherrer
Christophe Darbellay ist Parteipräsident der CVP Schweiz. Der Walliser war 2007 massgeblich an der Abwahl seines Namensvetters Christoph Blocher aus dem Bundesrat beteiligt. In seiner Freizeit jagt er gerne.
In ihrer unkonventionellen Gesprächsreihe «Ein Drink an der Bar mit…» präsentieren der Journalist Christian Nill (Agentur Storyline Zürich) und der Fotograf Mischa Scherrer spannende Köpfe aus Gesellschaft, Politik und Kultur. Nachzulesen auf Bar-Storys.ch oder hier.
Das Gespräch selbst fand an einem heissen Sommertag im Café Fédéral direkt vor dem Bundeshaus statt. Darbellay trinkt entgegen seiner Gewohnheiten keinen Walliser Weissen, sondern eine frische Stange.
Christophe Darbellay_ Im Wallis. In meiner Freizeit bin ich immer dort. Es ist meine Heimat, und ich bin gerne in der Natur. Ich hätte uns eine schöne Terrasse in den Bergen ausgewählt.
Zum Beispiel das Belvedere in Martigny, das hat eine schöne Terrasse. Von dort aus überblickt man das ganze Rhônetal.
Walliser Wein. Aber heute ist es so heiss – ich bin durstig…
Ich bin bereits Verwaltungsratspräsident einer mittelgrossen Weinfirma im Wallis. Ich könnte es mir durchaus vorstellen. Ich wäre dann allerdings eher im Verkauf tätig.
Ja, das habe ich auch immer wieder gerne gemacht.
Als Student habe ich für Kollegen sehr viel Wein verkauft. Ich organisierte immer Walliser Wein für Partys. Mein Vater war Verkaufsleiter bei Provins, der grössten Weinfirma der Schweiz.
Petite Arvine und Cornalin; sowohl weiss wie rot.
Da brauchts keine Erklärung, das ist absolut selbstverständlich… (lacht)
Mit Doris Leuthard machen wir eine gute Mittepolitik. Wir sind die Partei, die zuständig ist für die Lösung zum Atomausstieg. Dank der CVP wurde der Atomausstieg nun geschafft.
Wir wissen, wie das Volk denkt. Wir gewinnen über 80 Prozent aller Abstimmungen an der Urne. Eine so hohe Quote hat keine andere Partei.
Wir sind die Mittepartei par excellence! Das Original in der Mitte. Wir machen durchaus bürgerliche Politik in Sachen Wirtschaft, Sicherheit und Finanzen. Es wird aber immer wieder von Journalisten oder politischen Gegnern erwähnt…
(An dieser Stelle hat das Parteisekretariat der CVP ein hartes Wort von Darbellay durch «politische Gegner» ersetzt, Red.)
… dass die CVP keine klare Meinung habe. Vor allem den Polparteien gefällt nicht, dass die CVP eine klare Meinung hat, dass sie eine Position hat, die nicht die SVP-Position ist, aber definitiv auch keine linke.
Alle Parteien machen das. Es braucht drei Parteien, sonst gibt es keine Mehrheit und damit auch keine Lösungen. So funktioniert die Schweiz heute.
Nein, unheilig sind sie, weil sie aus unnatürlichen Partnern besehen, zum Beispiel wenn SP und SVP aus unterschiedlichen Gründen zusammenspannen und alles blockieren.
Mir ist es egal, wenn die SVP eine gute CVP-Lösung in Sachen Sicherheit oder Familie unterstützen möchte. So funktioniert Politik in der Schweiz.
Das stimmt. Beide Parteien lancieren alle zwei Wochen eine neue Initiative.
Bundesratsparteien mit zwei Sitzen, wie die SP oder einem wie die SVP sollten anders etwas bewirken können, mit so vielen Sitzen im Parlament. Wir wurden gewählt, um zu arbeiten.
Ja klar. Es ist die Ausnahme, wir machen das nicht ständig. Nur, wenn wir eine Sache im Parlament nicht durchgebracht haben und es sich um wichtige Fälle handelt.
Ja, ich denke, sie machen das aus propagandistischen Gründen. Früher, als mein Kollege Ueli Maurer (Bundesrat, zuständig fürs VBS, Red.) noch Parteipräsident der SVP war, versicherte er mir, es geschehe genau aus diesem Grund.
Nein, ich beneide sie nicht. Die SVP hüllt sich immer in die Schweizer Flagge ein, aber sie zerstört langsam unser Land und unsere politische Kultur.
Ich bin immer für die Konkordanz gewesen.
Ich bin noch immer für die Konkordanz.
Es ist eine mathematische Konkordanz, aber nicht nur.
Es ist eine inhaltliche Konkordanz.
Ich habe echt Mühe mit den Linken, wenn die sagen, sie wollen die Armee abschaffen, um jeden Preis in die EU und den Kapitalismus überwinden. Und ich habe sehr Mühe mit der SVP, wenn sie sagt, sie werde die Bilateralen kaputt machen. Es braucht einen gemeinsamen Nenner. Ausserdem…
Die Leute, die in den von Ihnen erwähnten Internetforen Kommentare schreiben, sind nicht sehr spontan.
Teilweise werden die Leute dafür bezahlt, teilweise stehen PR-Agenturen dahinter, die solche Kommentare schreiben. Uns fehlen die Mittel, um dies effizient zu kontern. Aber noch einmal zum Thema Konkordanz: Ich gehöre zu denen, die den «Guru» nicht wieder in den Bundesrat gewählt haben; ich habe ihn sogar gar nie gewählt. Dazu bin ich immer gestanden. Von Anfang an habe ich gesagt, ich bin nicht für diesen Mann. Ich respektiere ihn als Unternehmer, aber es ist meine Freiheit, ihn nicht zu wählen.
Ja, das haben Sie richtig verstanden. Man soll nie zuviel von den Anderen reden; man muss von sich selbst und von der eigenen Partei sprechen.
Ja, sehr indirekt.
Weil sie langsam das System zerstören.
Alle Politiker, die behaupten, nie einen Zweifel zu haben, sollten wir in die Wüste schicken. Zweifel gibt es, das ist normal. Man muss schwierige Entscheidungen fällen, die die Welt verändern können.
Hätte man derart viele Massnahmen gegen den Terrorismus ergriffen – vor dem 11. September? Auch die Fukushima-Katastrophe hat viel bewegt.
Hoffentlich! Aber es gibt Tausende schwierige Geschäfte, in denen man sich entscheiden muss. Und ab und zu muss man auch erkennen, dass man Fehler gemacht hat.
Es macht die Grösse und Stärke eines Politikers aus, zu erkennen, wenn man einen Bock geschossen hat. Dies macht Obama (US-Präsident, Red.) regelmässig seit Beginn seiner Amtszeit. Schon einige Male sagte er, sorry, I messed up.
Ja. Es ist jedoch sehr unangenehm, zuzugeben, dass man einen Bock geschossen hat.
Von Frau Lucrezia Meier-Schatz kam nie eine Entschuldigung. (Meier-Schatz ist eine St. Galler CVP-Nationalrätin; sie behauptete kurz vor den Wahlen 2007, der damalige Bundesrat Blocher sei in ein Komplott gegen den damaligen Bundesanwalt Valentin Roschacher (CVP) verwickelt; sie sprach von einem Plan von Leuten um Oskar Hollenweger, um Roschacher aus dem Amt zu drängen, der sogenannte H-Plan. Christoph Blocher wurde wenig später als Bundesrat nicht wiedergewählt; die Komplottvorwürfe gegen Blocher haben sich später als frei erfunden herausgestellt, Red.)
Da müssen Sie Frau Meier-Schatz fragen.
Was dazu Christophe Darbellay antwort und der weitere Gesprächsverlauf mit zusätzlichen Bildern – jetzt auf Bar-Storys.ch.![]()