Ein Drink an der Bar mit Caroline Chevin
Bild Mischa Scherrer Nachgefragt Christian Nill
Caroline Chevin, der Shootingstar der Schweizer Musikszene. Sie trat vor Anastacia auf und wurde zum Best Breaking Act der Nation gewählt. Ein Gespräch über Macken, späte Karrieren und schüchterne Männer.
In ihrer unkonventionellen Gesprächsreihe «Ein Drink an der Bar mit…» präsentieren der Journalist Christian Nill (Agentur Storyline Zürich) und der Fotograf Mischa Scherrer spannende Köpfe aus Gesellschaft, Politik und Kultur. Nachzulesen auf Bar-Storys.ch oder hier.
Caroline Chevin betritt die Hotelbar. Es ist Mittwochnachmittag. Sie fragt nach einem fruchtigen Drink, damit es hübsch aussähe für die Fotos. Doch der Mann hinter dem Tresen winkt ab. Das könne nur der echte Barkeeper, und der komme erst um 17 Uhr.
Caroline Chevin_ Ok, dann nehm ich ein Ginger Ale mit Eis.
Christian Nill_ Wieso das?
Dann sieht es ein bisschen aus wie ein heller Whiskey. Das passt auch.
Wussten sie, dass Hoteldirektor Fritz Erni bekannt ist für seine ausgezeichnete Whiskysammlung?
Nein.
Trinken Sie Whiskey?
Ich trinke nicht so alkoholhaltige Getränke.
Wegen der Stimme?
Es schmeckt mir nicht. Also, ein weisser Martini schmeckt mir schon.
Der ist ja auch süss.
Eben. Alles, was süss ist, geht. Und Wein mag ich nur, weil es gesellig ist. Prost.
Prost. Freut mich, Sie zu treffen. Wir befinden uns hoch über Luzern in der Bar des Hotels Montana. Weshalb?
Eigentlich bin ich keine Bargängerin. Da ich oft an Wochenenden Konzerte gebe, genügt mir das als Ausgang. Unter der Woche gehe ich praktisch nie aus.
Also machen Sie heute für uns eine Ausnahme. Nett.
Ich wollte Sie lieber draussen treffen. Leider herrscht heute gerade Herbststimmung.
Wo wollten Sie uns treffen?
Hinten in der Seebucht. Dort gibt es wunderschöne Sonnenuntergänge.
Wie romantisch.
Ja, romantisch und sehr freizügig. (lacht)
Was heisst das?
Na ja, es ist in der freien Natur.
Ach so, also keine FKK-Bar.
Nein, nein. (lacht)
Weshalb haben Sie sich für die Bar im Hotel Montana entschieden?
Es ist eine sehr schöne, alte Bar. Sie hat ganz viele Geschichten zu erzählen. Und man sieht wunderbar über das ganze Seebecken. Dazu würde eigentlich auch ein feines Glas süssen Rotweins passen.
Süsser Rotwein?
Ja. Einfach nicht so einen schweren. Vielleicht würde man eher von einem leichten Roten sprechen. Was auch gut passen würde: Ein Prosecco von Dettling.
Sind Sie von denen gesponsert?
Nein gar nicht. Die sind im Kanton Schwyz…
… Und vor allem bekannt für ihre Schnäpse, oder? Und die machen auch Prosecco?
Ja, einen ganz süffigen.
Dann mögen Sie sicher auch Aperol Spritz.
Ja, ja. Das kam im letzten Jahr auf. Ich arbeitete damals an einer Bar und das war der Renner. In einer Frauenrunde würde ich das auch bestellen.
Es ist also eher ein Frauengetränk. Ich sollte es besser nicht bestellen.
Sie müssen es einfach trocken bestellen: Anstelle von Citron nehmen Sie es mit Mineralwasser. Dann wird es etwas herber.
Dann ist es männlicher.
Dann ist es männlicher. Genauso wie Coca Cola Zero männlicher ist als Cola light.
Buää. Reden wir über Ihre Karriere. Letztes Jahr gelang Ihnen schweizweit der Durchbruch mit Ihrem Album «Back in the Days» und der gleichnamigen Tournee. Da waren Sie bereits 36.
Ich mache schon lange Musik. Ich hatte eine Banklehre gemacht und danach Teilzeit gearbeitet. Den andern Teil habe ich mich immer der Musik gewidmet.
Aber das hat man nicht mitbekommen.
Ich war lange Gastsängerin bei Coverbands. Oder dann bei Philipps * Band Asphalt Jungle. (*die Rede ist von Philipp Schweidler, ihrem Produzent, der auch Seven produziert, Red.)
Und irgendwann ist Ihnen das verleidet?
Ich spielte zeitweise in acht Gruppen gleichzeitig. Anfang 30 fand ich, ich würde gern lernen, ein Instrument zu spielen. Damit ich mich auch einmal selber begleiten kann.
Das war der Auslöser?
Etwa 2008 schrieb ich dann meinen ersten eigenen Song. Ich fand ihn so gut, dass ich Philipp sagte, er solle ihn produzieren. Das war recht blauäugig von mir.
Wie reagierte Philipp Schweidler?
Er sagte, cool, lass uns eine Platte machen. Daraus entstand dann «Feel real», mein Debüt. Nun hatte ich Blut geleckt im Songwriting.
Worüber singen Sie am liebsten?
Die meisten Singer/Songwriter haben ein Lieblingsthema: die Liebe. Mir gehts ähnlich. Viele Dinge werden an mich herangetragen.
Liebe wird an Sie herangetragen?
(lacht) Genau!
Permanent?
Permanent.
Das ist ja eine Leben!
Schön, oder?
Fantastisch.
Also, es sind natürlich nicht nur autobiographische Sachen, die mir passiert sind. Sondern oft Situationen, die ich beobachtet habe, von meinem Hochsitz aus…
Liebe ist ja auch ein Thema, das sich besser verkauft als politische Themen.
Ehrlich gesagt, ich wüsste nicht, wo beginnen, bei einem politischen Text. (lacht)
Sind Sie nicht so politisch?
Ehrlich gesagt nicht, nein. Wobei, ich habe einen Text, der ins Politische reingeht: «Riot».
Worum gehts?
Ich bewundere Leute, die in Krisengebiete gehen und Hilfe leisten. Es gibt viele Schweizer, die das tun. Für mich sind das «Soldiers without arms», also Soldaten bewaffnet nur mit Liebe. Im Song geht es um Leute, die bei uns auf den Strassen Geld sammeln, um solche Projekte möglich zu machen. Und dann habe ich es auf mich runtergebrochen: Ich werde vielleicht zweimal pro Woche von solchen Leuten angesprochen und habe dann nie Zeit.
Und das stört Sie?
Ich habe eigentlich alles im Leben. Und kann mir nicht mal zwei Minuten nehmen und vielleicht 20 Franken spenden? Um «in the name of love» etwas Gutes zu tun? Das ist schon ein bisschen politisch, oder?
Ja, das ist durchaus politisch. Und vielleicht auch etwas naiv?
Ist es nicht, nein. Es ist sehr wahr.
Wissen Sie denn, wohin das Geld genau geht? Wer dahinter steckt, welcher Organisation Sie Geld spenden?
Ja klar, dann kommen natürlich wieder die Schweizer, diese Zweifler…
… und doofen Journalisten, die blöde Fragen stellen…
Nein, nein. Es hat schon was. Plötzlich kommt dann wieder raus, dass 60 Prozent der Spendengelder in die Löhne gehen. Aber ich kenne eine Organisation, «Licht für vergessene Kinder» in Zug, die machen alles ehrenamtlich. Da fliesst jeder Franken in Projekte vor Ort. Ich weiss nicht, ob man immer alles hinterfragen muss.
Warum?
Es geht doch auch um das Miteinander. «We are brothers and sisters», diese Aussage hat was. Man kann jeden Tag etwas Gutes tun. Das ist, in dieser schnelllebigen Welt, mein Aufruf, sich darauf zu besinnen.
Bei so viel Sendungsbewusstsein könnten Sie auch Politikerin werden. Nehmen Sie eigentlich am politischen Prozess in der Schweiz teil? Gehen Sie wählen oder abstimmen?
Ich bin, ehrlich gesagt, politisch nicht sehr bewandert. Wenn ich einen Stimmzettel in der Hand habe, aber nicht weiss, worum es geht, dann mache ich nicht einfach ein Kreuz, weil der Bundesrat das und das empfiehlt. Dann lasse ich es lieber sein. Aber ich sollte mich schon an der Nase nehmen.
Ist ja schon entscheidend, ob Sie überhaupt wählen wollen.
Ich finde, das gehört zu unseren Pflichten als Bürger. Man kann ja sonst, wenn man nicht wählt, nicht hinstehen und sagen, alles ist schlecht.
In wenigen Wochen, am 23. Oktober, finden National- und Ständeratswahlen statt. Ist das ein Thema bei Ihnen?
Auf jeden Fall. Da kann ich mir dann beweisen, dass ich mich an der Nase nehme und mitmache. Weil es eben wichtig ist.
Welche Partei werden Sie wählen?
Dazu möchte ich mich nicht äussern. (lacht)
Aha, gibt es etwas zu verbergen?
Nein, überhaupt nicht.
Aber? Wäre das nicht karriereförderlich?
…
(was Caroline Chevin hier antowortete, hat sie leider in der Endfassung wieder rausgestrichen…; die Red.)
Ok. Sie haben im Hit-Musical «Ewigi Liebi» das Heidi gespielt.
Ja, 100 Mal.
Das ist genug.
Ja. Inzwischen haben sie es bereits über 500 Mal gespielt.
Hat Ihnen diese Erfahrung auf der Musicalbühne auch etwas gebracht für Ihre Musikshows? Dieses streng durchchoreografierte – gibt es da Parallelen?
Parallelen vielleicht weniger. Aber jede Erfahrung hilft. Die Zeit von Ewigi Liebi war sehr wichtig, weil ich damals mein erstes Album schrieb und aufnahm. Ich war immer von 10 bis 18 Uhr im Studio und danach ging ich direkt ins Musical, wo ich bis Mitternacht arbeitete. Das war sehr streng. Aber es war auch ein sehr wichtiger Prozess.
Ich habe Ihr erstes Konzert der «Back in the Days»-Tournee im Kaufleuten Zürich gesehen, das ja ein voller Erfolg vor ausverkauftem Haus war. Mit fiel auf, dass Ihre Gestik teilweise einstudiert wirkte. Kommt das vom Musical? Hilft Ihnen das?
Chevin (lacht): Ich versichere Ihnen, ich stehe nicht stundenlang vor dem Spiegel und überlege mir, welche Bewegung ich wann machen könnte, damits gut aussieht. Das Konzert, von dem Sie sprachen war schon eine grosse Sache für mich: Ein ausverkauftes Konzert im Kaufleuten!
Waren Sie nervös?
…
Was dazu Caroline Chevin antwort und vieles mehr, inklusive zusätzlichen Bildern – jetzt auf Bar-Storys.ch.![]()
















