Das Füllfeder-Ich
Worte Cyril Schicker
Einst Populäres und Traditionelles wie die Füllfeder gerät zunehmend in Vergessenheit. Das soll nicht sein, hat doch dieses Musse förderndes Schreibinstrument auch heute Daseinsberechtigung. Und Stil. Ein offener Füllfeder-Brief an die Moderne.
Liebe Moderne!
Die gesteigerte Mobilität mit ihrer schier unerschöpflichen Vielfalt bringt dem Menschen viel Freud, zuweilen aber auch Leid. So wie mir ist, überwiegt das Positive allerdings stark. Die ganze Welt ist heuer miteinander verbunden, und egal, wo sich der Mensch gerade aufhält, er findet seine(-n) Liebste(-n) binnen Sekunden. Dies natürlich vor allem dank der Errungenschaft, die sich Internet nennt.
Ich persönlich kann damit nicht so viel anfangen, ich persönlich muss aber gleichzeitig zugeben, es eigentlich nicht so gut zu kennen. Auch gehöre ich persönlich zu jenen, die durch den virtuellen Welteroberungsfeldzug in arge Bedrängnis respektive in Vergessenheit geraten. Selbstverständlich möchte ich nicht jammern und möchte ebenso wenig den scheinbar notwendigen Lauf der Zeit als falsch taxieren. Allerdings ist es heutzutage (und der seit längerem anhaltende Trend findet kein Ende) so, dass sich nur noch eine Minderheit, zugegeben, ich erachte diese Minorität als äusserst stilvoll, mit mir abgibt.
Ihnen möchte ich hier ein Dankeschön aussprechen, ein schwungvoll geschriebenes Dankeschön, das von der Tinte, ähm, von Herzen kommt. Meine Freunde und Kunden und «Stakeholders» schätzen mein traditionelles Dasein, meine Vielfalt, meine Leichtigkeit, meine Andersartigkeit. Sie verstehen es, dich, geschätzte Moderne, mit mir quasi zu vereinen. Für sie gibt es nicht das eine oder das andere. Viel mehr frönen sie dem Miteinander. Sie sorgen dafür, dass wir gleichsam nebeneinander funktionieren wie auch bestehen können. Das Komplementäre mag ich.
Und wusstest du eigentlich, geschätzte Moderne, dass es mich in Edelstahl gibt, aber ebenfalls in (Edel-)Holz, in Plastik und in Stahl? Meine Form ändere ich auch je nach Bedürfnis, mal bin ich achteckig, mal ganz rund, mal geradlinig, mal markant, mal hexagonal. Farblich habe ich ebenso einige attraktive Pfeile im Köcher. Es spielt diesbezüglich keine Rolle, ob ich matt bin, ob ich glänzen tu, ob ich verchromt entzücke oder ob ich in ganz bunten Pastelltönen daherkomme – ich bin überzeugt davon, jedweden Geschmack zu treffen.
Lass uns doch demnächst über Papier tanzen respektive an einen (Schreib-)Tisch setzen. Ich glaube, wir haben uns viel zu erzählen. Und ja, ich sehe dich nicht als Konkurrenten. Eher erachte ich dich als Mitstreiter und Mistreitende will ich besser kennen lernen. Was meinst du, hast du Zeit, Neugierde wie auch Lust auf ein Stelldichein? Schreibe dich zu mir hin. HA!

















